News Bild „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ – Ein Kirchenlied fragt nach dem verborgenen Gott

„Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ – Ein Kirchenlied fragt nach dem verborgenen Gott

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Manchmal muss der Mensch begreifen, dass seine Hände leer sind. Es gibt Situationen, in denen der Mensch ohnmächtig ist. Der Tod ist unausweichlich.

Dieser Gedanke kann Verzweiflung in sich bergen. Schon in den Psalmen heißt es: „Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis, schnell geht es vorbei, wir fliegen dahin.“ (Psalm 90,10) Diese Verzweiflung angesichts des unbegreiflichen Todes reflektiert auch ein Kirchenlied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (Gotteslob Nr. 422) wurde von Huub Oosterhuis anlässlich des Todes eines erst 26-Jährigen gedichtet. In einem solchen Tod können wir keinen Sinn sehen; uns stellt sich mit aller Radikalität die Frage nach dem Sinn des Lebens.

 

Unvermögen hält uns gefangen

Und so stellt das Lied schon am Beginn fest: Mit leeren Händen stehen wir vor Gott. In der zweiten Strophe heißt es: „Mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.“ Weil wir als Menschen sind, wie wir sind – voller Fehler, Sünde, Unvermögen – mögen wir vielleicht schon deshalb zur Verzweiflung neigen.

„Fremd wie dein Name sind mir deine Wege“, schreibt Oosterhuis weiter. Nicht alles können wir begreifen. Gott in seiner Größe und Allmacht können wir nicht gänzlich erfassen. So heißt es schon in der Bibel: „Niemand hat Gott je gesehen.“ (Johannes 1,18)

Hoffnung selbst in Hoffnungslosigkeit

Und trotzdem bricht die Hoffnung nicht. So sehr die ersten beiden Strophen dieses Liedes eine Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck zu bringen scheinen, so sehr atmen sie schon die Botschaft der Heiligen Schrift. Immer wieder dringen Zitate aus der Bibel durch; mal deutlich, mal weniger deutlich. Der Liedschreiber spricht vom gelobten Land – jenes Land, in das Gott einst das Volk Israel führte und in das auch wir hoffen, nach dem Tod geführt zu werden. Die Rede ist vom Gott, der Zukunft verheißt. Beim Propheten Jeremia heißt es: „ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jeremia 29,11)

 

Leere Hände machen nichts

In der dritten und letzten Strophe fragt der Beter nicht mehr. Er bittet vielmehr. Und zuletzt stehen die Worte: „Du bist mein Atem, wenn ich zu dir rufe.“ Es scheint dieser letzte Vers die Antwort auf den ersten zu sein. Der Mensch steht immer mit leeren Händen vor Gott; nichts Nennenswertes kann er dem Schöpfer bieten. Aber das muss er auch nicht: Selbst das Gebet ist getragen vom Atem Gottes selbst. Er kommt dem Menschen entgegen – gerade dann, wenn unsere Unzulänglichkeit uns zu überwältigen droht. Manchmal muss der Mensch begreifen, dass es gar nichts macht, wenn seine Hände leer sind.