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Zur Neuigkeit
Hunderte deutsche Teilnehmer bei der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes
„Wächter des Friedens“?
Lourdes, 10. Juni 2026
Wenn man an das Militär denkt, fallen einem zunächst unterschiedliche Attribute ein: Uniformen, schwere Stiefel, Disziplin, Gehorsam. Die Verbindung zum Katholizismus oder Frieden bildet man dann vielleicht erst nach einer Vielzahl an Assoziationsketten.
Dabei ist die Verbindung gar nicht weit hergeholt: In der Bibel finden sich neben Kriegen, die das israelische Volk an Gottes Seite bestreitet, auch eine Vielzahl an Soldatenheiligen. Diese Kämpfenden stehen dabei immer als Verteidiger für die übergeordnete Sache ein, beispielsweise für den Frieden, die Gerechtigkeit oder die Freiheit.
Deutlich wird diese Verantwortung gegenüber Staat und Volk für die deutschen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr, wenn man sich ihren offiziellen Diensteid vor Augen führt: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“
Doch ohne Freiheit kein wirklicher Frieden. Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Einsatz unserer Soldaten und Soldatinnen für den Frieden auch auf einer abstrakten Ebene. So mag man über Pfingsten einen Blick in die südfranzösische Stadt Lourdes wagen: In die kleinen Gässchen dieser Marienwallfahrtstätte pilgern jährliche tausende Soldaten und Soldatinnen und setzen ein Zeichen für den Frieden, darunter auch die Bundeswehr.
Vom 20. bis 26. Mai 2026 nahmen an die 17.000 Pilgerinnen und Pilger aus über 40 Nationen bei der derzeitig größten Friedenskundgebung, die durch Soldatinnen und Soldaten gebildet wird, teil. Rund 500 deutsche Teilnehmende, einschließlich Kameradinnen und Kameraden aus Bayern, machten sich aus der ganzen Republik mit einem Sonderzug in die Pyrenäen auf. Auch Soldatinnen und Soldaten aus der Oberpfalz waren in Lourdes mit dabei.
Versöhnung und Frieden
Die sogenannte „Pèlerinage militaire international“ fand bereits zum 66. Mal statt und entstand aus einer Idee ehemaliger Frontsoldaten des Zweiten Weltkrieges. Durch die gemeinsame Initiative französischer und deutscher Militärseelsorger konnte die ursprüngliche nationale Soldatenwallfahrt seit 1958 zur internationalen ausgeweitet werden und sollte sowohl zur Versöhnung als auch als Zeichen für den Frieden in der Welt dienen.
Jeder Pilger und jede Pilgerin ist dabei selbstverantwortlich für die Gestaltung der eigenen Wallfahrt, das Angebot dabei vielseitig: von nationalen und internationalen Feiern, Gottesdiensten, Bergaufstiegen, Rosenkranzgebeten oder Teilnahme an der Waschung der Kranken über Konzerte der nationalen Militärmusiker bis hin zum militärischen Zeremoniell. Mit Marschmusik wurden die Fahnen der einzelnen Nationen strammen Schrittes stolz präsentiert und Gebete sowie Gesang unter dem Motto der diesjährigen Internationalen Soldatenwallfahrt „Wächter des Friedens!“ gestaltet.
Ob beim gemeinsamen Gottesdienst an der Grotte im Heiligen Bezirk, im Café oder beim Erkunden der Geschichte der Heiligen Bernadette in der Umgebung, Lourdes ist zu einem Ort der Besinnung und internationalen Kameradschaft gewachsen. Ob früh morgens oder zur spät-nächtlichen Stunde, im Heiligen Bezirk kommen die Menschen zum gemeinsamen Gebet oder zur inneren Einkehr zusammen, kniend oder sitzend, vertieft an der Grotte oder beim Anzünden einer Kerze.
Zeichen gemeinsamer Werte
Diese Soldatenwallfahrt ist mehr als nur eine Pilgerreise, sie ist ein sichtbares Zeichen gemeinsamer Solidarität und Werte, sie symbolisiert unser aller gemeinsames Interesse, diese Welt mit ihren Schönheiten zu erhalten und zu verteidigen. Dabei verdeutlicht sie, dass insbesondere auch Soldaten und Soldatinnen als Wächter des Friedens für diesen einstehen. Denn sie sind am Ende diejenigen, die mit ihrem Leben geschworen haben, diesen zu wahren.
Somit fördert diese Wallfahrt wie keine andere internationale Zusammenkunft von Soldaten und Soldatinnen, die internationale Begegnung und das Verständnis für den anderen. Für die Freiheit und unsere Sicherheit, für den Frieden in unserer Welt – jeder Pilger und jede Pilgerin nimmt dabei seine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen aus Lourdes mit nach Hause, verwahrt sie und trägt die Botschaft in die Welt. Und das als Wächter und Wächterin des Friedens.

Text: Dr. Nora Juliane Lucia Bach-Sliwinski, Stabsoffizier im Dienstgrad Oberstleutnant bei der Bundeswehr
(sg)






