News Bild Hirtenbrief zur Fastenzeit 2015 von Bischof Rudolf Voderholzer

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2015 von Bischof Rudolf Voderholzer

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"Das Jahr des geweihten Lebens"

 

Liebe Kinder,

liebe jugendliche und erwachsene

Schwestern und Brüder im Herrn!

 

Was wäre die Kirche ohne Ordensleute?!

1. „Was wäre die Kirche ohne den heiligen Benedikt und den heiligen Basilius, ohne den heiligen Augustinus und den heiligen Bernhard, ohne den heiligen Franziskus und den heiligen Dominikus, ohne den heiligen Ignatius von Loyola und die heilige Teresa von Avila, ohne die heilige Angela Merici und den heiligen Vinzenz von Paul?“, so fragte Papst Franziskus vor wenigen Monaten. Was wäre die Kirche, was wäre die Welt, was wäre unser Bistum ohne die Ordensleute?! Das ist nicht nur eine Frage, sondern vor allem die Feststellung: Den Ordensleuten verdankt die Welt das Zeugnis

-       eines leidenschaftlichen Glaubens,

-       einer hingebungsvollen Liebe

-       und einer brennenden Hoffnung auf die Erfüllung ihrer Lebenssehnsucht in Gott.

2. Papst Franziskus hat die Zeit zwischen dem 1. Adventsonntag 2014 und dem 2. Februar 2016 zum Jahr des geweihten Lebens erklärt. Ich möchte das Anliegen des Heiligen Vaters aufgreifen und gemeinsam mit Ihnen bedenken.

 

Das geweihte Leben im Leben der Kirche

3. Ordensleute und alle in besonderer Weise geweihten Menschen sind nicht für sich selbst da, sondern erfüllen einen Dienst in der Kirche und an der Kirche. Umgekehrt ist es allen Gliedern des Leibes Christi ein Anliegen, das geweihte Leben zu fördern und wertzuschätzen. So erhoffe ich mir mit Papst Franziskus von einer solchen Besinnung eine tief greifende Erneuerung des kirchlichen Lebens in allen seinen Bereichen.

4. Zum Stand des geweihten Lebens gehören alle Brüder und Schwestern in den Ordensgemeinschaften. Zu ihm gehören aber auch die Eremiten und geweihten Jungfrauen, die Mitglieder der Säkularinstitute sowie die Frauen und Männer, die in neuen geistlichen Gemeinschaften nach den evangelischen Räten sich ganz Gott geschenkt haben. Allen ist gemeinsam, dass sie versprochen haben, ihr Christsein, das ihnen in Taufe, Firmung und Eucharistie geschenkt wurde, besonders intensiv zu leben und sich fürimmer Christus, unserem Herrn, mit Leib und Seele zu übereignen. Sie bilden in der Kirche neben den Trägern des geistlichen Amtes (Diakone, Priester und Bischöfe) und den Weltchristen einen eigenen Stand.

5. Papst Franziskus erwartet von den Ordensleuten ein Dreifaches, und zwar in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:

1.    Dankbar auf die Vergangenheit zu schauen.

2.    Die Gegenwart leidenschaftlich zu leben.

3.    Die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen.

 

Dankbar auf die Vergangenheit schauen

6. Gerade den kontemplativ lebenden Ordensleuten verdanken wir, dass das betende Herz der Kirche nie aufgehört hat zu schlagen. Aber auch der Aufbau unseres Schulsystems, die Kultivierung weiter Landstriche, die Einrichtung von Krankenhäusern, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen usw. ist dem Wirken der Orden wesentlich geschuldet. Ich bin sicher: Sie alle wissen um die Klöster in ihrer Nähe, sind dankbar dafür und möchten sie nicht missen.

7. Als Bespiel für viele andere erinnere ich für das Bistum Regensburg an einige Heiligengestalten: Da ist der heilige Wolfgang, der als Benediktiner und Bischof das monastische Leben entscheidend prägte, die Domschule eingerichtet und damit auch die Grundlage für den Domchor und die Dom-spatzen gelegt hat. In dieser Tradition stehen die Ordensschulen in Metten, Rohr und ehemals in Weltenburg, aber auch die von den Zisterzienserschwestern getragenen Schulen in Landshut-Seligenthal und Waldsassen.

8. Ich erinnere an die in Stadtamhof gebürtige Gründerin der Armen Schulschwestern Mutter Maria Theresia von Jesu Gerhardinger. Sie hat sich, gefördert von Bischof Wittmann, im 19. Jahrhundert der Schulbildung für die Mädchen angenommen. Viele von Ihnen verdanken den Schulen der Armen Schulschwestern an etlichen Orten im Bistum eine hervorragende Ausbildung. Dazu kommen die von Marie Ward gegründeten „Englischen Fräulein“ (Congregatio Jesu) und die Ursulinen mit all ihren Einrichtungen – um wirklich nur die bekanntesten zu nennen.

9. In guter Erinnerung ist die Seligsprechung von Bruder Eustachius Kugler im Jahr 2009. Dem aus Neuhaus bei Nittenau stammenden langjährigen Provinzial der Barmherzigen Brüder verdanken wir das größte Krankenhaus in Regensburg. Er sei stellvertretend genannt für das außerordentlich segensreiche Wirken von Ordensleuten, Frauen und Männern, im Bereich der Krankenpflege und Krankenhausorganisation.

10. Im Jahr 2006 wurde Paul Josef Nardini, der Gründer der Mallersdorfer Schwestern, selig gesprochen. Diese Gemeinschaft ist ein Geschenk an die Kirche, für das wir nicht genüg danken können, hier in Bayern und in der Pfalz, aber auch in Rumänien und seit 60 Jahren in Südafrika. Ich durfte mich erst vor kurzem bei meinen Reisen davon überzeugen. In Südafrika kümmern sich diese Schwestern vor allem um die Ärmsten der Armen: Aids-Waisen, Kinderfamilien, behinderte Menschen. Ein unvergessliches Ereignis bleibt für mich die Feier der Ewigen Profess zweier einheimischer Schwestern im Beisein von zwei Ordenfrauen, die vor nunmehr 60 Jahren als Pioniere nach Südafrika gekommen waren, um dort für Gott und die Menschen da zu sein. Es war wie das Weiterreichen einer brennenden Fackel an eine neue Generation.

11. In diesem Jahr denken wir an den 200. Geburtstag des heiligen Johannes Bosco, dem die Jugend so sehr am Herzen lag. In unserem Bistum danken wir den Salesianerpatres im Don-Bosco-Zentrum in Regensburg wie auch in Ensdorf für die Förderung der Jugendlichen in vielen Bereichern der Erziehung und Bildung.

12. Insbesondere feiern wir in diesem Jahr auch das 500. Jubiläum der hl. Teresa von Avila. Als Gründerin, Mystikerin und Kirchenlehrerin hat sie ein reiches Erbe hinterlassen, das bis heute viele Christen zum Schatz des inneren Gebets führt. Die Karmeliten und Karmelitinnen im Bistum sind durch ihre Klöster und den Wallfahrtsort auf dem Kreuzberg in Schwandorf ein lebendiges Zeugnis für diesen Reichtum, der in der verborgenen Suche nach Gott im Herzen eines jeden Menschen liegt.

 

Die Gegenwart mit Leidenschaft leben

13. Damit sind wir beim zweiten Anliegen von Papst Franziskus angekommen. Vielleicht werden mir einige Ordensleute entgegenhalten: „Damit tun wir uns schwer. Allzu sehr bedrücken uns Nachwuchssorgen.“ Ich weiß um diese Not und teile diese Sorgen. Ich habe auch keine Patentrezepte parat. In einem aber bin ich mir sicher: Gerade unsere Zeit braucht dringend das glaubwürdige und mit Leidenschaft gelebte Zeugnis des geweihten Lebens.

14. Es wird wohl bei uns in Zukunft nicht mehr so viele Frauen und Männer auf diesem Weg geben, weil viele Aufgaben mittlerweile auch von weltlichen Einrichtungen übernommen wurden. Aber welch ein Segen ist es doch, wenn mich auf einer Palliativ-Station, wo todkranke Menschen ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, eine Ordensfrau begrüßt; wenn ich und die Angehörigen spüren und erleben dürfen: Hier sind die Kranken nicht nur in medizinischer und pflegerischer Hinsicht gut aufgehoben, hier werden sie auch ins Gebet genommen. Allein die Anwesenheit von Menschen, die durch ihr Lebenszeugnis den Glauben gegenwärtig halten, schafft eine Atmosphäre der Hoffnung und des Trostes.

15. Ich bitte alle Frauen und Männer des geweihten Lebens, sich nicht entmutigen zu lassen. Nützen Sie dieses Ihnen in besonderer Weise gewidmete Jahr, um sich aus den Quellen des Evangeliums und im Blick auf die Ursprünge ihrer Berufung neu auszurichten. Bedenken Sie: Gerade auch die Gründergestalten, die Frauen und Männer, auf die ihre Gemeinschaft zurückgeht, hatten es zu ihrer Zeit oft überhaupt nicht leicht. Manche Gründung vollzog sich unter Tränen und unter äußerster Entbehrung. Die meisten der Gründerinnen und Gründer wussten noch nicht um die Früchte ihres Tuns. Im Vertrauen auf Gott säten sie mit Hingabe und Leidenschaft und überließen Wachstum und Reifung dem Herrn der Ernte.

16. So folgten sie in Treue ihrer Berufung und empfingen die Kraft, auch oft unüberwindliche Schwierigkeiten zu meistern. Vielen erging es wie Abraham, von dem wir in der Ersten Lesung hörten: Ihm und seiner Frau Sara war durch eine besondere Gnade trotz hohen Alters ihr Sohn Isaak geschenkt worden mit der Verheißung, ein großes Volk zu werden. Jetzt sollte er ihn hergeben. Im Vertrauen auf Gottes unbegreifliche Macht, auch Tote zum Leben erwecken zu können, verließ er sich auf Gott und wurde wahrhaft zum Vater der Völker.

 

Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen

17. Richten wir somit unseren Blick nach vorne. Denn Papst Franziskus bittet schließlich drittens, die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen. Wo werden die Frauen und Männer des geweihten Lebens heute und künftig besonders gebraucht? Was sind die Zeichen der Zeit, das ihrem Wirken die Richtung weist? Mir scheint: Die größte Armut unserer Tage ist die Unfähigkeit vieler, Gott zu finden, ihm Platz zu geben im Leben, ihn eine Rolle im Leben spielen zu lassen.

18. So bitte ich die Ordensleute und alle Frauen und Männer im geweihten Leben: Helfen Sie mit, den Himmel offen zu halten, dass Menschen im Mit-Beten mit Ihnen neu zu Gott und zur Kirche finden. Sie machen für uns alle deutlich: Christsein ist nicht die Zugehörigkeit zu einem Verein. Christsein ist Beziehung, Beziehung zu Christus. In Treue gelebt verändert und bereichert sie mein Leben! Eröffnen Sie Oasen des Gebetes, der Stille und Meditation und somit der Glaubenserfahrung.

19. Gerade in diesem Jahr, da uns die Sorge um Ehe und Familie besonders aufgetragen ist, zeigt sich: Es ist wichtig, dass Eheleute und Familien Orte haben, wo sie gemeinsam auch beten lernen und so Gott als Wirklichkeit in ihrem Leben neu erfahren können. Die Glaubens- und Gebetstraditionen der verschiedenen Orden und Gemeinschaften bergen für alle Christen kostbare Schätze. Ringen Sie bitte darum, dass Ihre Häuser geistliche Zentren sind und bleiben, in denen etwas spürbar ist von der Freude des Christseins.

 

Dank und Bitte

20. Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Als Bischof möchte ich das Jahr des geweihten Lebens nützen, um allen Frauen und Männern in der besonderen Christusnachfolge aufrichtig zu danken: zuallererst für Ihr Glaubenszeugnis und Ihr Gebet, aber auch für Ihren Einsatz in den verschiedensten genannten Bereichen. Was wäre die Kirche von Regensburg ohne Sie?!

21. An Sie alle, liebe Schwestern und Brüder in den Pfarrgemeinden, richte ich die Bitte: Tragen Sie dieses Anliegen mit! Nehmen Sie die Sorge um geistliche Berufungen hinein in Ihr Gebet! Machen Sie sich kundig, gehen Sie aufeinander zu! Ich wünsche mir, dass beispielsweise alle Firmbewerber in diesem Jahr auch ein Kloster besuchen und die Vielfalt des geweihten Lebens kennenlernen. Auch in der Jugendarbeit sollte das Thema ein Schwerpunkt sein. Wie sollen junge Menschen den Ruf in die Nachfolge Jesu hören, wenn ihnen die Wege gar nicht bekannt sind? Die jungen Menschen möchte ich unmittelbar ansprechen und bitten, sich ehrlich zu fragen: Ruft mich nicht vielleicht der Herr in das Abenteuer eines Lebens in der besonderen Nachfolge Jesu?

 

22. Dass wir alle den Willen Gottes für unser Leben immer tiefer erkennen und verwirklichen, dazu gebe uns seinen Segen der allmächtige Gott,

der + Vater, der + Sohn und

der + Heilige Geist.

 

Regensburg, am Aschermittwoch, 18. Februar im Jahr des Heils 2015

 

+ Rudolf

Bischof von Regensburg

 

Dieser Hirtenbrief ist am 2. Fastensonntag 2015 in allen Messfeiern (und Vorabendmessen) zu verlesen.

Wo es sinnvoll erscheint, kann auf das Verlesen der kursiv gedruckten Passagen (Abschnitte 11, 12 und 16) verzichtet werden.

Es wird empfohlen, bei den Messfeiern in besonderer Weise um Geistliche Berufe zu beten (z.B. GL 21,3 / 678,2).

 

Download: Hirtenbrief zur Fastenzeit 2015