News Bild „Heute schon die Welt gerettet?": Kollekte in allen katholischen Gemeinden am 5. Fastensonntag (18. März) zugunsten von MISEREOR

„Heute schon die Welt gerettet?": Kollekte in allen katholischen Gemeinden am 5. Fastensonntag (18. März) zugunsten von MISEREOR

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Gemeinsam mit der Kirche in Indien geht das katholische Hilfswerk MISEREOR bei der Fastenaktion 2018 der Frage nach, was wir gemeinsam tun können, damit immer mehr Menschen ein menschenwürdiges und gutes Leben leben können.

Father Francis Lawrance ist ein Karmelitenpater aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Er wirkt mit zwei weiteren indischen Mitbrüdern auf dem Kreuzberg oberhalb von Schwandorf. Anlässlich des MISEREOR-Sonntags am 18. März hat er uns ein Interview gegeben. Es geht um die Lage des katholischen Glaubens in seiner indischen Heimat. Die diesjährige Fastenaktion des Hilfswerks legt den Schwerpunkt der Betrachtung auf die Kirche in Indien. Die Fragen stellte Veit Neumann.

 

„Wir versuchen diejenigen zu unterstützen, die unserer Hilfe bedürfen.“: Father Francis Lawrance (Kerala/Indien) über das Leben der Christen im diesjährigen MISEREOR-Beispielland Indien

Father Francis, Sie wirken als Karmelitenpater auf dem Kreuzberg in Schwandorf im Bistum Regensburg. Sie kommen aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Wie geht es dem christlichen Glauben in Ihrer indischen Heimat?

In Kerala läuft es gut: Es gibt ein Sich-Verstehen und Verständnis, sogar Einverständnis mit anderen Religionen, konkret mit Hindus und Muslimen. Dagegen gibt es aber Probleme in anderen Bundesländern Indiens. Die Politik der Regierung, hinter der die hindu-nationalistische Partei (BJP) steht, macht sich dort bemerkbar. Die Devise lautet: Indien gehört den Hindus. Es kommt zu Schikanen und Behinderungen.

 

Was sind die konkreten Probleme?

Solche Personen sind der Ansicht, dass wir Christen die Hindus missionieren wollen. So haben wir das aber nie gemacht. Stellen Sie sich vor: In Facebook gibt es sogar Aufrufe zu gewalttätigen Übergriffen. Und in Nordindien, wo wir unsere Missionen haben, werden Priester und Schwestern vergewaltigt. Immer wieder passieren solche Dinge. Im Süden ist das zwar momentan kein Thema. Aber natürlich bleibt das auch auf uns nicht ohne Auswirkungen. Angst haben nicht nur die Patres und die Schwestern, sondern auch die einfachen gläubigen Menschen. Angst herrscht nicht nur bei den Zusammenkünften, sondern auch, wenn Gläubige unterwegs sind. Das heißt: Sie können gar nicht mehr unbeschwert allein unterwegs sein, schon gar nicht abends oder gar nachts. Das betrifft insbesondere die Mitbrüder in Nordindien.

Beschreiben Sie bitte Ihre Missionen in Nordindien.

Unsere karmelitanischen Patres leiten dort Schulen und Krankenhäuser. Und die Menschen sind tatsächlich sehr froh, dass sie ihre Kinder in diese Schulen senden können. Die Hindus aber haben vor allem Angst, dass die Schulen primär missionieren wollen. In Wirklichkeit wollen wir den bedürftigen Menschen helfen. Auch in Kerala haben wir viele Einrichtungen in unserer Trägerschaft: Schulen und Krankenhäuser, Waisenhäuser und Altenheime. In Kerala und in Westbengalen erhalten Kinder aus armen Familien eine gute Ausbildung.

Gab es auch eine Zeit ohne diese Spannungen?

Früher, bis vor etwa zehn Jahren war das überhaupt nicht so. Viele Hindus sind konvertiert, weil sie aber auch wirklich von den Missionaren, insbesondere den Priestern und Schwestern begeistert waren, die dort wirkten. Aber damals war Gewalt kein Thema.

Wie verstehen Sie Missionierung?

Wenn jemand getauft werden möchte und Freiwilligkeit gegeben ist, dann nehmen wir ihn natürlich auf.

Wie verhält es sich mit der Regierung des Staates?

Es gibt einen erheblichen Einfluss von Fanatikern auf die Regierung, die sich wiederum so verhält, dass Fanatiker mit der Zeit natürlich davon profitieren. Sagen wir es so: Die Staatsregierung schaut zu. Es ist eine Art indirekte Unterstützung durch Passivität. Und: Die Regierung setzt neue Vorschriften. Unterstützung, die aus dem Ausland kommt, wird genau auf ihre Verwendung geprüft. Das ist sehr aufwendig. Früher war das gar nicht so.

Wie gehen Sie mit Armut in Indien um?

Trotz der genannten Anfeindungen und Angriffe machen wir weiter. Gewiss sind wir vorsichtig, aber wir tun unsere Arbeit. Wir versuchen diejenigen zu unterstützen, die unserer Hilfe bedürfen.

Wie organisieren Sie Hilfe?

Vor fünf Jahren haben wir in der Pfarrei, in der wir wirken dürfen, einen Verein Indienhilfe, insbesondere im Sinne der Hilfe für Kinder, gegründet. Er unterstützt unsere Heime und Schulen in Nordindien. Das liegt in Mizoram an der chinesischen Grenze und ist von Kerala aus nochmals 3800 Kilometer entfernt. Auch von Missio Aachen haben wir schon Hilfe erhalten. Wir sind sehr dankbar gegenüber der Pfarrgemeinde und gegenüber den Hilfswerken, die uns unterstützen. Dazu gehört auch das Päpstliche Hilfswerk Kirche in Not. Die Christen in Deutschland sind sehr bereit, Christen in anderen Ländern großzügig zu unterstützen. Und wir dürfen in der Gemeinde wirken. Das ist ein schönes Geben und Nehmen. Und alle haben Grund zur Freude.

 


„Das, was gegenwärtig in der Weltpolitik geschieht, ist genau das Gegenteil von dem, wofür ich persönlich stehe“: Chidi Kwubiri (Nigeria) über das von ihm entworfene diesjährige MISEREOR-Hungertuch

 

Ein zentraler Bestandteil jeder MISEREOR-Fastenaktion ist seit 1978 das MISEREOR-Hungertuch. Hierbei wird ein Künstler dazu eingeladen, seine Vorstellungen zu Frieden und Gerechtigkeit künstlerisch Gestalt werden zu lassen. In diesem Jahr ist es der international bekannte und viel beachtete Künstler Chidi Kwubiri. Er studierte Fine Arts an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Professor Buthe und Professor A.R. Penck und schloss das Studium der Fine Arts als Meisterschüler bei Professor A.R. Penck ab  – keine Selbstverständlichkeit für einen Künstler aus Nigeria.

Der Titel seines Hungertuches lautet: „Ich bin, weil du bist“ – und drauf abgebildet  sind zwei Menschen, die sich über eine Grenze hinweg berühren. Das Hungertuch soll ausdrücken, dass alle Menschen trotz Fremdheit und Distanz miteinander verbunden sind – eine Botschaft, die Chidi Kwubiri in der heutigen Politik schmerzhaft vermisst: „"Was mich inspirierte, sind die beiden längsten Flüsse in Nigeria: die Ströme Niger und Benue. Sie fließen zusammen und existieren friedlich nebeneinander, obwohl sie aus verschiedenen Quellen stammen. Wenn diese beiden Naturkräfte tatsächlich zusammenkommen können, sich gegenseitig ihren Eindruck aufprägen können, sich gegenseitig halten können, sich ansehen und sich sagen können: ‚Schau, ich bin, weil du bist‘, dann ist das genau das, was ich versuche auszudrücken.“

Auf Einladung von Ruth Aigner, der Leiterin der Fachstelle Weltkirche im Bistum Regensburg, trug Chidi Kwubiri seine Ansichten zu Kunst und Politik vor kurzem auch an mehreren Orten im Bistum Regensburg vor – wie beispielsweise an der Akademie für Gestaltung in Regensburg. Dort waren deren Leiter Georg Fiederer und seinen Studenten über dessen Auftritt begeistert – und konnten seine Ansichten vollumfänglich teilen: „Wenn ich mir ansehe, was gegenwärtig in der Weltpolitik geschieht, dann ist das genau das Gegenteil von dem, wofür ich persönlich stehe. Ich denke nämlich, dass wir nicht in Alleingängen, sondern durch Zusammenhalt stärker sind und das uns das Aufeinanderzugehen der letzten Jahrzehnte erst dahin gebracht hat wo wir heute sind. Das ist die Botschaft, die mir am Herzen liegt."

Weitere Infos unter www.misereor.de.