News Bild „Herr, wir bringen in Brot und Wein“ – Kirchenlied reflektiert das Wesen der eucharistischen Gaben

„Herr, wir bringen in Brot und Wein“ – Kirchenlied reflektiert das Wesen der eucharistischen Gaben

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Wann immer die Kirche Eucharistie feiert, vergegenwärtigt sie das letzte Mahl Jesu mit seinen Jünger. Sie spielt nicht einfach ein Geschehnis der Vergangenheit nach; sie führt kein Theaterstück auf. Sie macht etwas gegenwärtig. Diesen Gedanken kannte schon und kennt bis heute das Judentum: Wenn die Töchter und Söhne Israels Pessach feiern, erinnern sie sich des großartigen Auszuges aus der ägyptischen Sklaverei nicht nur wie einer längst vergangenen Begebenheit, die ihren Platz in den Geschichtsbüchern hätte. Nein: Jede Generation betrachtet sich so, als sei sie selbst gerade erst aus Ägypten gezogen. Was Gott in der Vergangenheit an seinem Volk getan hat, tut er an ihm noch immer und immer wieder. Und das gilt auch für die christliche Feier der Eucharistie: Immer wieder, bei jeder Messfeier, wird das gegenwärtig, was vor zweitausend Jahren geschehen ist.

 

Eucharistie: Quelle und Höhepunkt

Weil Christus in der Messfeier ganz gegenwärtig wird, bildet diese auch den Höhepunkt des Christseins. Die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, schrieben die Konzilsväter auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (Lumen Gentium 11,

www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html

). Weil die Eucharistie Zentrum kirchlichen Lebens ist, reflektieren Christen auch seit dem Beginn der Kirche über das Geschenk der Eucharistie. Das tun auch viele Kirchenlieder. Eines von ihnen ist „Herr, wir bringen in Brot und Wein“ (Gotteslob 184).

 

Christus ist in der Eucharistie gegenwärtig

Die Gemeinde bringt in den Gaben von Brot und Wein die Welt vor Gott, heißt es im Kehrvers. Brot und Wein können für zwei Seiten menschlicher Existenz stehen: Das zum Leben notwendige Brot, das für das reine Überleben erforderlich ist. Daneben aber tritt der Wein, der nicht zwingend notwendig ist, der den Überfluss des Lebens symbolisiert. Nicht zufällig besteht im Johannesevangelium das erste Zeichen Jesu in der Vermehrung von Wein: Zeichen der Fülle des Lebens. Im österlichen Mahl, so bekennt das Lied weiter, schenkt der Herr seine Gegenwart. Brot und Wein symbolisieren die Gegenwart des Herrn nicht nur; als Realsymbole vermitteln sie zugleich das, was sie symbolhaft bezeichnen. Durch Brot und Wein wird der Herr wirklich in der Gemeinde gegenwärtig.

 

„Gabe und Geber zugleich“

Was die Strophen dann weiter besingen, klingt beinahe paradox. Was die Menschen für die Eucharistie bringen, sind ihre Gaben – und gleichzeitig Geschenke Gottes. Nichts könnte der Mensch Gott darbringen, was letztlich nicht von ihm selbst stammte. „Unsere Hände und Becher sind leer“, singen wir. Der Mensch ist gegenüber Gott ein Empfangender. Mehr noch: Jesus Christus ist „Gabe und Geber zugleich“. In der Eucharistie empfangen wir Jesus Christus. Er aber ist nicht nur die Gabe; er ist gleichzeitig der „Geber“, der zum Mahl einlädt.

Die letzte Strophe des Liedes formuliert sodann einen Aufruf: Als Geladene am Tisch Gottes sind wir Christen aufgerufen, selbst zu Gebern zu werden und das Empfangene weiterzutragen. In der Heiligen Messe wird das deutlich durch die gleichzeitig zur Gabenbereitung stattfindende Kollekte. Durch die Spenden bringen wir zum Ausdruck, dass die Hinwendung zu Gott, zu seinem Tisch, immer auch eine Hinwendung zum Nächsten sein muss. Aus der Feier des Abendmahles, in der Christus ganz gegenwärtig wird, erwächst der Aufruf, diese Gegenwart zu verkünden, zu verbreiten, zu bezeugen.