News Bild Habt keine Angst! Öffnet die Tore weit für Christus – Vor 100 Jahren wurde der heilige Johannes Paul II. geboren

Habt keine Angst! Öffnet die Tore weit für Christus – Vor 100 Jahren wurde der heilige Johannes Paul II. geboren

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Vor 100 Jahren, am 18. Mai 1920, wurde der heilige Papst Johannes Paul II. (1920-2005) im polnischen Wadowice geboren. Am Sonntag, den 19. April 2020 feiert die Kirche den Barmherzigkeitssonntag. Papst Johannes Paul II. hatte das Fest in den Liturgischen Kalender der Kirche eingefügt. Die Geistliche Familie vom Heiligen Blut, eine junge internationale Bewegung der Kirche mit Sitz im Bistum Regensburg, verehrt den Heiligen besonders. Die Geistliche Familie vereinigt die Oratorianer des hl. Philipp Neri in Aufhausen und die Dienerinnen vom Heiligen Blut (SAS), die gemeinsam den Freundeskreis vom Hl. Blut betreuen. Schwester Generaloberin M. Agnes Kacprzyk, Sr. M. Monika Gutowska und Sr. M. Judith Asghari von den Dienerinnen vom Heiligen Blut beschreiben im Interview ihr geistliches Verhältnis zu Johannes Paul II. – und die Gründe für ihre Hochschätzung dieses Heiligen.

 

Schwester Judith, welche Bedeutung hat Papst Johannes Paul II. für Ihre Gemeinschaft? Wie pflegen Sie sein Gedenken?

Johannes Paul II. hat große Bedeutung, weil unser Gründer, P. Dr. Winfried Wermter, sehr von seinen Lehren geprägt wurde. P. Winfried hat Johannes Paul II. mehrere Jahre lang hautnah in Rom erlebt, wo er eine Aufgabe hatte. Er hat wie Johannes Paul II. polnische Wurzeln. Auch das verbindet. Als Beispiele für die Prägung durch den Papst kann ich die Neuevangelisierung und die Sorge für die Familie nennen. Die Neuevangelisierung ist die Kernaufgabe unserer Gemeinschaft. Und wir möchten die christlichen Familien stärken und erneuern. Auch die Theologie des Leibes von Johannes Paul II. hilft uns, Menschen für Christus und für ein Leben mit ihm zu gewinnen. Die Grundlinien unseres Apostolats richten sich also an der Lehre von Johannes Paul II. aus. Es ist nicht verwunderlich, dass er ein Patron unserer Gemeinschaft ist. Sein Gedenken pflegen wir in erster Linie im Gebet. Im Gebet in unserer Gemeinschaft rufen wir ihn regelmäßig an. Außerdem besitzen wir eine Blutreliquie von ihm.

Schwester Monika, welche Bedeutung hat Papst Johannes Paul II. aus Ihrer Sicht für die ganze Kirche?

Johannes Paul II. als Nachfolger des heiligen Petrus hat seine Berufung im Dienst an der Kirche vom Herzen her erfüllt. Es war wirklicher Dienst an der Gemeinschaft der Gläubigen. Er hat es geschafft, viele im Glauben zu stärken. Er hat gezeigt, wie es ist, Christus zu folgen, und er hat auch nicht wenigen Mut gemacht, ja zu ihrer besonderen Berufung zum Priestertum, in einem Orden oder in einer Laiengemeinschaft zu sagen. Eifrig und mit allen Kräften ruft der Papst die Botschaft von der Erlösung des Menschen durch Christus in die ganze Welt. Diese Verkündigung erscheint nicht nur in klaren, berührenden und ermutigenden Worten, sondern umso wichtiger: in seinem ganzen Verhalten den Menschen gegenüber. Er nutzte auch die vorhandenen Mittel der Kommunikation und die Massenmedien, um möglichst viele zu erreichen, um seine Nähe zu zeigen. Es war wichtig, dass Johannes Paul II. die Bedeutung der Jugend für die Kirche betonte. Er sprach und handelte mit Autorität, aber so wie ein liebender Vater, der in Sorge um seine Kinder ist. Ihm waren die Sorgen und Nöte der Menschen wichtig, aber er wusste auch, dass nur Jesus Christus die volle Antwort geben kann. Dieser Papst hat uns gezeigt, wie man heute Zeuge für den gekreuzigten und auferstandenen Herrn sein kann.

 

Schwester Agnes, was könnte uns Johannes Paul II. heute in der Corona-Krise sagen?

In dieser Zeit der Corona-Krise erfahren viele Leute vor allem Angst und Unsicherheit. Johannes Paul II. würde uns jetzt die Frage stellen: Wo sucht Ihr Lösungen für Eure Probleme? Wo sollen wir Menschen Heil suchen in unseren Ängsten? Dieser Papst war immer in der tiefen Beziehung mit Jesus. Die tiefe persönliche Beziehung zu Gott war das Wichtigste für ihn. Deshalb konnte er immer sagen und er hat es auch wiederholt: Habt keine Angst! Und öffnet die Tore weit für Christus! Das wäre wohl die wichtigste Botschaft von ihm an uns alle: Nehmt Christus wieder in das Zentrum Eures Lebens, weil ihr dann den Sinn Eures Leides und der Sachen, die Ihr nicht versteht, findet.

 

Schwester Monika, welche wichtigen Impulse hat Johannes Paul II. für das geistliche Leben gegeben?

Mir kommen die Szenen bei seinen apostolischen Reisen in den Sinn, bei denen er in Stille betet. Man hat gesehen, wie tief er im Gebet versunken war. Er hat immer wieder dazu eingeladen, Christus im Gebet, aber auch in anderen Menschen zu suchen. Ich erinnere an den letzten Karfreitagskreuzweg, bei dem er wegen Krankheit und Schwäche nicht mehr mitgehen konnte: Im Fernsehen konnte man sehen, wie er sein Haupt an das Kreuz legte, das er in seinen Händen gehalten hatte. Das war Ausdruck der Vereinigung im Glauben von eigenem Leiden und eigener Ohnmacht mit dem Leiden und Kreuz Christi. Einen weiteren Impuls darf man nicht vergessen: seine Beziehung zu Maria. Totus tuus, ganz Dein! Das war sein Wahlspruch. Also hat er sein Leben und seinen Dienst ganz der Gottesmutter anvertraut. Ihm wurde immer bewusster, dass Maria die sichere Begleiterin auf dem Weg zu Gott ist.

 

Schwester Agnes, wie wird Johannes Paul II. heute in Polen gesehen?

Er ist natürlich als großer Patron Polens angesehen, nicht nur als Patron des ganzen Landes, sondern auch der Familien. Viele bitten um seine Fürsprache, besonders in Nöten der Familie und der Ehe. Ich kenne einige Eltern, die auf seine Fürsprache hin ein Kind bekommen haben. Er ist ein Wegweiser für Jugendliche: seine väterliche Art, seine Vaterschaft, das ist es, was die Jugend heute braucht. Seine Ansprachen an Jugendliche sind leicht zu finden. Das ist heute ganz ganz wichtig.

 

Schwester Judith, was waren die – auch menschlichen – Stärken Johannes Pauls II. aus Ihrer Sicht?

Er war aus ganzem Herzen und von ganzem Herzen Seelsorger. Er hat sich jedem väterlich zugewandt. Er hatte ein starkes Charisma für geistliche Vaterschaft. Das haben die Menschen gespürt. Er besaß die Fähigkeit, komplizierte Dinge verständlich auszudrücken. Er war ein Lehrer, der begeistert hat. An ihm ist zu sehen, dass man an vielen Leiden nicht zerbrechen muss. Er selbst hat viel Leid erlebt: der frühe Tod aller nahen Familienmitglieder, der Krieg, die Unterdrückung unter kommunistischer Herrschaft. Vielleicht ist er gerade durch das Leiden so stark, mutig und auch furchtlos geworden. Man kann mit Teresa von Avila sagen: Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Das kann man auch bei ihm sehen.

 

Schwester Monika, welche Bedeutung hat für Sie der Barmherzigkeitssonntag? Was hat der Barmherzigkeitssonntag mit Johannes Paul II. zu tun?

Zum zweiten Teil der Frage zunächst: Der Barmherigkeitssonntag wurde von Johannes Paul II. eingeführt. Wir haben die Barmherzigkeitssonntage auch in der Liturgie mit diesem Akzent gefeiert. In diesem Jahr wird das anders sein, aber im Herzen kann man die Barmherzigkeit bewusst erleben. Gott gibt uns diese Chance und lädt uns ein, mit Vertrauen zu ihm zu kommen, um seine Liebe zu erfahren. Auch wenn wir die Sakramente nicht empfangen können, findet sie ihren Weg zu uns. Gott kennt meine Schwäche, ich kann ihm alles bringen, auch was in mir schwierig ist. Wenn ich das mit Vertrauen tue, schenkt er Gnade ohne Grenzen.

 

Geistliche Familie vom Heiligen Blut

Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Kontakt gibt es auf der Website der Gemeinschaft. Dort stellt sich die Gemeinschaft mit den Worten vor: "Unser Ziel ist, der Evangelisation von Kirche und Welt zu dienen. Die Kraft und die Freude dazu schöpfen wir aus dem Ostergeheimnis, durch das Kostbare Blut Jesu Christi. Die Heilige Familie in Nazareth und der Jüngerkreis Jesu sind uns Vorbild und Hilfe. Unser Leitwort: ,Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.‛ (Mk 10,45)"

 

 

Symposion zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Papst Johannes Paul II. findet im Akademischen Forum Albertus Magnus Regensburg ein Symposion statt: „Im Dienst am Menschen. Symposion zum 100. Geburtstag von Karol Wojtyla / Johannes Paul II.“ Beginn ist am Samstag, 24. Oktober, um 14 Uhr. Der Vortragsreigen mit Diskussionsmöglichkeit, Theaterstück und Gottesdienst dauert bis Montag, 26. Oktober. Das Symposion endet am Mittag. Informationen gibt es demnächst unter

www.albertus-magnus-forum.de

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