News Bild Glaubensausdruck, Gemeinschaftswerk, Wahrzeichen – Ausstellung zur Vollendung der Domtürme vor 150 Jahren eröffnet

Glaubensausdruck, Gemeinschaftswerk, Wahrzeichen – Ausstellung zur Vollendung der Domtürme vor 150 Jahren eröffnet

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Hoch ragen die zwei Türme des Regensburger Domes in das Blau des Himmels empor. Wie kein anderes Bauwerk prägen sie Regensburgs Stadtansicht. Am Mittwoch, 29. Mai, hat die Vernissage zur Ausstellung „Zwei Türme für den König“ stattgefunden, die bis 29. September zu besuchen ist. Dompropst Dr. Franz Frühmorgen, Baudirektor Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamtes, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Maria Baumann, Konservatorin des Bistums, hoben die Baugeschichte und die Bedeutung der Regensburger Domtürme hervor.

Domtürme – ein Gemeinschaftswerk von Kirche, Staat und Bürgern

Heutzutage halten wir diesen einmaligen Anblick für selbstverständlich; das war nicht immer so. Erst mit König Ludwig I. und Bischof Ignatius von Senestrey konnte das mittelalterliche Bauwerk mit den Türmen vollendet werden. 350 Jahre lang stand der mächtige Bau zwar im Zentrum der Stadt, doch wirkte er gedrungen. Dies sollte sich mit der Vollendung der Doppelturmfassade im 19. Jahrhundert ändern.
In seiner Begrüßung formulierte Dompropst Dr. Franz Frühmorgen: „Dass es vor gut 160 Jahren gelungen ist, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, unseren Dom ein Stück weiter in den Himmel hineinwachsen zu lassen und seine Türme zu vollenden, war das Gemeinschaftswerk von Kirche, Staat und Bürgern.“ Denn früher wie heute ist es nur im guten Miteinander möglich, so Dompropst Frühmorgen, unsere Kathedrale St. Peter als großes religiöses und kulturhistorisches Erbe für die Zukunft zu erhalten.

Solange Gerüste am Dom zu sehen sind, kümmert sich jemand um den Dom kümmert

Ein Geleitwort zur Ausstellungseröffnung „Zwei Türme für den König“ übernahm Baudirektor Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg. So würdigte er zuerst den damaligen Regensburger Bischofsstuhl und das Königreich Bayern aufgrund ihrer Entscheidung, den Hohen Dom St. Peter noch im 19. Jahrhundert zu vollenden und nicht nach französischer Manier als halbfertig zu belassen. Denn in Frankreich weisen von den dreißig bekanntesten Kathedralbauten nur sechs Gotteshäuser fertiggestellte Turmfassaden auf. Zudem verwies Baudirektor Stock auf die bedeutende Arbeit der bereits 1923 gegründeten Staatlichen Dombauhütte, die bis heute emsig für den Erhalt des Regensburger Doms wirkt.
Dazu bezog sich der Leiter des Bauamtes auf die Worte Helmut Stuhlfelders, des Dombaumeisters: „Solange Gerüste am Dom zu sehen sind, können Sie sich sicher sein, dass sich jemand um den Dom kümmert.“ So sollen in den nächsten Jahren die Arbeiten an den großen Fialen des Südturms abgeschlossen und der Nordgiebel des Querhauses komplett ersetzt werden. Für den Gesamtaustausch sind bereits 95 Prozent des benötigten Steinmaterials vorbereitet und eingelagert.

Die Türme als Denkmal des Glaubens an Christus, den König der Könige

Ein weiteres Grußwort sprach Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, der die theologische Bedeutung des Bauwerkes als geistliches Ereignis herausstellte. Zu Beginn seiner Rede verweist Bischof Voderholzer auf die historische Situation Mitte des 19. Jahrhunderts, in der „das Innere vollendet erscheint, der mächtige Außenbau jedoch noch unvollendet auf die Zeitgenossen hernieder blickt“. Nach Notizen eines unbekanntes Autors von 1856 waren die frommen Vorfahren durch zeitgeschichtliche Ereignisse gezwungen, das Werk einzustellen und die Vollendung als ein geheiligtes Vermächtnis ihren Nachkommen zu hinterlassen. Dies konnte schließlich durch die Konstellation Ludwig I., der abgedankt hatte, durch Bischof Ignatius von Senestrey, durch den amtierenden König Maximilian II. von Bayern und mithilfe des Dombaumeisters Franz Josef Denzinger Mitte des 19. Jahrhunderts umgesetzt werden.
Mit den Worten Bischof Senestreys erklärt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Bedeutung des Turmbauprojektes: „Die Türme verkünden die Wohnung Gottes unter den Menschen. Mit einem Kranz von Heiligen lenken sie die Gedanken nach oben. Sie wenden die Herzen von dem Irdischen und Sinnblichen ab und kehren sie auf das Geistige, Reine, Schöne und Himmlische. Sie sind ein mächtiger Ruf des Geistes gegen die Vergötterung des Irdischen.“

Die Ausstellung „Zwei Türme für den König“ erschließt den Werdegang des Bauprojekts von der Idee zur Planung und Ausführung. Auch die zentrale Rolle der Restaurierungsgeschichte und die Darstellungsformen in der Kunst werden bildlich dargestellt. Bischof Voderholzer resümiert: „Die Vollendung der Domtürme war eine Meisterleistung von Architektur und Bauingenieurskunst. Mehr noch, sie war ein geistliches Ereignis – die Türme als ein Denkmal des Glaubens an Christus, den König der Könige.“

Die Domtürme als Wahrzeichen unserer Heimat

Dr. Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistum Regensburg und des Diözesanmuseums, erklärte anhand historischer Ereignisse die Geschichte des Bauprojektes der Vollendung der Doppelturmfassade und den Rundgang der Ausstellung „Zwei Türme für den König“ in St. Ulrich. Zwei historische Aspekte sind hervorzuheben: zum einen die wiederentdeckte Bedeutung der Gotik als „der deutsche Stil“, zum anderen die Wandlung der Stadt Regensburg mit ihrer imposanten Kathedrale zum nationalen Denkmal und Sinnbild mittelalterlicher Frömmigkeit, initiiert durch die Inthronisation Ludwigs I. von Bayern im Jahre 1825.
Die Leiterin des Diözesanmuseums hebt hervor: „Man setzte sich schon früh mit dem Bauvorhaben der Domtürme auseinander, doch gab es immer wieder Schwierigkeiten, wie etwa das Fehlen geeigneter mittelalterlicher Aufrisse, oder auch die von Friedrich von Gärtner diagnostizierten instabilen Turmfundamente, die einen hohen Aufbau als unmöglich einstuften.“ Erst mit Bischof Senestrey und unter König Maximilian II. von Bayern gelang der erste Vorstoß. So konnte die Instabilität der Fundamente mit Hilfe eines Gutachtens von Architekt Michael Maurer widerlegt werden. Zudem lagen nun mehrere mögliche Baupläne für die Turmabschlüsse vor, die erstmals in dieser Ausstellung „Zwei Türme für den König“ gezeigt werden. Der Entwurf von Oberbaurat August von Voits, der einen einheitlichen Aufbau im hochgotischen Stil aufwies, fand Zustimmung. Am 14. Juli 1859 fiel schließlich der Startschuss für die Vollendung.
Mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch Ludwig I. von Bayern und zahlreiche Regensburger Bürger, die den Peterspfennig gaben, konnte das Turmbauprojekt vor genau 150 Jahren abgeschlossen werden.
Dr. Maria Baumann schließt mit den Worten: „Die Türme sind vollendet. Die Dombauhütte sorgt dafür, dass sie uns erhalten bleiben. Wir alle erheben unsere Blicke zu den Domtürmen, und aus welcher Himmelsrichtung wir nach Regensburg auch immer kommen, die Türme zeigen uns, wo wir zuhause sind.“




Weitere Informationen rund um das Thema Domtürme finden Sie auf der Homepage des Bistums unter der Rubrik Kunst & Kultur, Dom St. Peter.