News Bild Generalvikar Michael Fuchs zu Gast bei der Feier der 500jährigen Präsenz der Katholischen Kirche in Myanmar/Birma

Generalvikar Michael Fuchs zu Gast bei der Feier der 500jährigen Präsenz der Katholischen Kirche in Myanmar/Birma

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Seit 2001 verbindet ein vom Bistum Regensburg finanziertes Stipendienprogramm für katholische Laien aus Myanmar die südostasiatische Katholische Kirche in Myanmar mit dem ostbayerischen Bistum. Auf diesem Hintergrund war Erzbischof Charles Bo von Yangon heuer Gast des Bistums beim Katholikentag in Regensburg.  Seine Einladung an Bischof Rudolf Voderholzer, die 500jährige Präsenz der Katholischen Kirche in Myanmar Ende November in Yangon mitzufeiern, nahm in dessen Stellvertretung Generalvikar Michael Fuchs war. Begleitet wurde er von Dr. Thomas Rigl von der Arbeitsstelle Weltkirche und Gregor Tautz von der Katholischen Erwachsenenbildung, der seit  acht  Jahren die Kontakte mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten und zahlreichen Bistümern in Myanmar pflegt.

Höhepunkt der Feierlichkeiten, die an die Ankunft portugiesischer Missionare vor 500 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Myanmar  erinnerten,  war am Christkönigsfest ein Gottesdienst mit etwa 60.000 Teilnehmenden auf einem Sportgelände  in Yangon. Hauptzelebrant war als Päpstlicher Gesandter Oswald Kardinal Gracias von Mumbay. Er betonte die grundlegende Bedeutung der Familie für eine Erneuerung der Kirche und der Gesellschaft und ermunterte zum Gebet in der Familie.

Zahlreiche Grußworte, unter anderem von Soe Win, dem  Minister für Religiöse Angelegenheiten, Sittagu Sayadaw, einem der bekanntesten buddhistischen Mönche Myanmars und weiteren Vertretern anderer Religionen und Konfessionen im Land machten deutlich:  entgegen mancher nationalistischer buddhistischer Bestrebungen, die angesichts von über 90 Prozent Buddhisten im Land, ein „rein buddhistisches“ Myanmar anstreben, hat die Katholische Kirche im „Neuen Myanmar“ einen anerkannten Platz in der Gesellschaft erreicht.

„Wir sind stolz, Christen und Bürger des heutigen Myanmar zu sein“, hatte auf diesem Hintergrund Erzbischof Bo bereits beim Gottesdienst am Samstag betont. Von vielen Seiten wurde hervorgehoben, dass die Christen Mitverantwortung für die Entwicklung der neuen Gesellschaft in Myanmar  schon übernehmen und weiter übernehmen sollen.  Dabei spielt der von der früheren Militärregierung sehr vernachlässigte Bildungsbereich eine entscheidende Rolle. Am Schluss des Gottesdienstes bedankte sich Erzbischof Bo ausdrücklich auch bei den ausländischen Gästen und namentlich beim Bistum Regensburg für die Mitfeier des Gottesdienstes und die kontinuierliche Unterstützung der Kirche in Myanmar.

Wenn man bedenkt, dass nur etwa 700.000 Katholiken im ganzen Land leben,  bedeutet die Teilnehmerzahl auf dem Sportgelände am Sonntag:  Um die zehn Prozent aller Katholiken meist von weit entfernten Bergregionen waren bis zu drei Tage und Nächte in Bussen unterwegs, um dieses Fest des Glaubens mitzufeiern. Schon morgens um drei Uhr war der Platz gefüllt. Auch war es vielen einen halben oder ganzen Monatslohn wert, diese Tage mitzuerleben. Sie waren geprägt von Anbetungsstunden, einem weiteren Gottesdienst am Samstagabend und zahlreichen kulturellen Darbietungen, die die ethnische Vielfalt des Landes lebendig machten.

Die Katholische Kirche in Myanmar macht mit nur einem Prozent der Bevölkerung eine kleine Minderheit aus. Zudem setzt sie sich aus zahlreichen sehr verschiedenen Stämmen zusammen. In diesen Tagen hat sie sich als lebendige, friedliche und unüberschaubare große Gemeinschaft erlebt und präsentiert - ein kaum zu überschätzender Beitrag in einem vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg geplagten Land.   

Im Anschluss an die Feierlichkeiten traf sich die Regensburger Delegation mit  früheren Studenten des Stipendienprogramms, die jetzt für die Kirche in Myanmar oder in weltlichen Unternehmen arbeiten. Neben dem persönlichen Kennenlernen stand  die Frage einer Weiterentwicklung des Stipendienprogramms aus deren Sicht auf der Tagesordnung. 

Beim Besuch in einem kirchlichen Lehrerausbildungszentrum in Yangon, dessen Absolventen auch mit Regensburger Stipendien beim Weiterstudium unterstützt werden, zeigte sich: Die Kirche in Myanmar kümmert sich – ganz im Sinn von Papst Franziskus -  gerade um die Kinder in den entlegenen Gebieten,  die sonst keinerlei Bildungschancen hätten. Dabei  führt sie zeitgemäße Unterrichtsmethoden ein, die das weit verbreitete bloße Auswendiglernen ablösen. Auch die Vermittlung grundlegender Werte in der Schule ist zentrales Anliegen. Erfreulich ist, dass diese kirchlich ausgebildeten Lehrer an ihren Einsatzorten zunehmend auch zum Vorbild für ein erneuertes Bildungssystem werden.

Nach einem Gespräch in der nationalen Caritaszentrale, in der mehrere Regensburger Stipendiatinnen und Stipendiaten arbeiten, wurde ein von der Caritas durchgeführtes Schulprojekt für Straßenkinder im Deltagebiet besucht, das 2008 vom Wirbelsturm Nargis heimgesucht wurde. Dieser hatte dort  etwa 200.000 Tote und unzählige Verletzte, Waisen und traumatisierte Menschen hinterlassen. Die äußeren Spuren hat die üppige Vegetation überdeckt. Die inneren Verwundungen bei Kindern und Erwachsenen sind eine bleibende Herausforderung für die Seelsorge.

In Pathein, der Hauptstadt der Ayeyarwady-Deltaregion und dem Sitz von Bischof John Hsane Hgyi, dem derzeitigen Vorsitzenden der Katholischen Bischofskonferenz von Myanmar, besuchte die Delegation das diözesane Bildungszentrum. Es wird von Patricia, einer weiteren  vom Bistum unterstützten ehemaligen Studentin organisiert. Neben Englisch auf verschiedenen Leistungsstufen wird der Umgang mit Computern und Buchhaltung unterrichtet.  Wegen des mangelhaften öffentlichen Bildungssystems sind solche Angebote unerlässlich, wenn man berufliche Chancen haben will. Fast alle Schülerinnen und Schüler sind Buddhisten.

“Mit diesem hochqualifizierten, aber auch für breitere Schichten erschwinglichen  Angebot bekommt die Kirche ein sehr positives Image“, so Bischof John. Ohne große Worte werde deutlich, dass die Katholische Kirche trotz ihres Minderheitenstatus in der Bildung für die gesamte Gesellschaft da ist und nicht nur für die eigenen Leute oder die reiche Oberschicht.  Dabei verbirgt diese Schule nicht, dass sie katholisch ist. Das „Vater unser“ wird als Morgengebet gesprochen. Dabei stehen alle als Zeichen der Ehrfurcht auf. Die Lehrer und die anwesenden Christen beten laut. Kein Mitglied einer anderen Religion braucht mitzubeten.

In einem Gespräch mit Bischof John von Pathein, Generalvikar Father Wilfried und Kanzler Father Florence wurden die Rolle der Kirche im zukünftigen Bildungssystem Myanmars besprochen. Vor der Verstaatlichung von 400 katholischen Schulen am 1. April 1965 durch die damalige Regierung eines „buddhistischen Sozialismus“ war die Katholische Kirche einer der führenden Träger von Bildung im Land. Nach neuesten Reformen sind kirchliche private Schulen wieder möglich. Ganz entscheidend für den Erfolg und das Profil dieser Schulen wird sein, ob das Personal gut qualifiziert ist.

Eine Variante, dies zu erreichen, sind Auslandsstudien, wie sie das Stipendienprogramm des Bistums Regensburg ermöglicht. Ein besonderes Erlebnis war auch der Morgengottesdienst in der Kathedrale um 6 Uhr, bei dem Generalvikar Michael Fuchs konzelebrierte und eine kurze Einführung hielt. An diesem täglichen Gottesdienst nehmen etwa 100 Schülerinnen und Schüler der Internate sowie die Schwestern, die auf dem Kathedralgelände arbeiten und einige Besucher aus der Stadt teil. 

Der letzte Tag der Reise führte die Regensburger Delegation nach Bangkok an die von den Montfort Brothers betriebene  Katholische Assumption Universität, wo die Stipendiaten studieren. Diese Universität mit 20.000 Studierenden (www.au.edu)  ist einer der Partner in dem Stipendienprogramm, bei dem das Bistum Regensburg  die Kosten für Unterbringung und Verpflegung der Studierenden übernimmt. Die Assumption Universität erlässt die eigentlich fälligen hohen Studiengebühren. Dritter Partner ist der Katholische Akademische Ausländer-Dienst (KAAD), der Auswahl und Betreuung der Studierenden übernimmt.

Glen Chatellier, der Direktor der Auslandsabteilung der Universität, bedankte sich herzlich für die Zusammenarbeit mit dem Bistum Regensburg zur gemeinsamen Unterstützung der Kirche in Myanmar. Nachdem Generalvikar Michael Fuchs berichtet hatte, dass von Seiten des Bistums das Projekt weitere fünf Jahre fortgeführt wird, sicherte er erfreut die Fortführung auch von Seiten der Universität zu.

Nähere Informationen zum Stipendienprogramm

Bildergalerie von der Reise nach Myamar