Hügel und Landschaft um Medjugorje, Bosnien-Herzegowina

Gedanken zum Marienwallfahrtsort Medjugorje

In der Heiligen Messe dem Himmel näher


Regensburg, 17. Juni 2026

Medjugorje, ein kleiner Ort in der Herzegowina, hat sich in den letzten 45 Jahren zu einem der beliebtesten Marienwallfahrtsorte entwickelt. Der Ort erlebt einen gewaltigen Zustrom von Pilgern, die dort beten, beichten, zur Umkehr gelangen oder ihren Glauben vertiefen.

Wer dorthin fährt, kommt in aller Regel begeistert zurück, denn mit so vielen anderen zusammen Gott loben, täglich die heilige Messe feiern, die Gottesmutter um ihre Fürsprache anrufen, das macht glücklich und weckt eine tiefe Freude am Christsein. Für manche ist es die erste Begegnung mit einem so intensiven Glaubensleben, das eigentlich für Christen ganz normal wäre, aber heute in Europa zunehmend in Vergessenheit gerät. Viele finden dort in der Herzegowina die lebendige christliche Gemeinschaft, die sie zuhause vermissen.

Die Anfänge

Es begann am 24. Juni 1981 mit zwei, dann vier weiteren Jugendlichen, die behaupteten, am Podbrdo die Gospa (kroatische Bezeichnung der Gottesmutter Maria) gesehen zu haben. Am folgenden Tag gingen zwei der Jugendlichen vom Vortag nicht mehr mit, dafür zwei andere und außerdem einige Erwachsene. Ab dem dritten Tag waren es schon an die Tausend, die die Gospa sehen wollten, aber es blieben von da an die immer gleichen sechs Jugendlichen, denen angeblich täglich die Gospa erschien und teils noch heute. Dass sie am ersten Abend geraucht hatten, leugneten die zwei ersten Seherinnen, bis sie es unter Eid zugaben, ebenso, dass sie kurz zuvor ein Buch über Lourdes gelesen hatten. Der Franziskanerpater Jozo Zovko, damals Pfarrer von Medjugorje, befragte alle sechs Seher einzeln und nahm die Aussagen auf Tonband auf. Er schien zunächst wenig beeindruckt, denn die Erscheinung hatte am ersten Tag nichts gesagt, dann tagelang nur private Fragen beantwortet, es gab keine Botschaft und keine Aufforderung zum Gebet. Außerdem kicherten die sechs Jugendlichen bei der Befragung häufig und sagten, der Nachbar Marinko schreibe ihnen auf, was sie zu den Leuten sagen sollten. Pater Zovko dachte vermutlich an einen jugendlichen Scherz. 

Ein zweiter Franziskanerpater, der Charismatiker Tomislav Vlašić, der am 29. Juni 1981 nach Medjugorje kam und viel Einfluss auf die Seher bekommen sollte, war sofort von den Erscheinungen begeistert, die seinem Arbeitsziel, die Gemeinde charismatisch aufzubauen, sehr entgegen kamen. Möglicherweise hatte er als Charismatiker auch ein weit gefasstes Verständnis, was als Erscheinung gelten kann. Innere Einsprechungen und Zungenreden werden von Charismatikern gerne als Wirken des Heiligen Geistes interpretiert. 

Auch der zuständige Ortsbischof Pavao Žanić war zunächst offen für eine mögliche himmlische Erscheinung und befragte die Seher. Allerdings war ihm bald klar, dass manche Botschaften, die der Gospa in den Mund gelegt wurden, auf keinen Fall himmlischen Ursprungs sein konnten. Obwohl man all dies in den ersten Büchern, die für Medjugorje warben, nachlesen konnte, kamen bald zahllose Pilger aus der ganzen Welt. 

Verbot von Pilgerfahrten

1985 wurden offizielle Pilgerfahrten durch den Vatikan verboten, weil die Kirche keine falschen Hoffnungen auf echte Erscheinungen wecken wollte. Die Pilger kamen trotzdem. Immer wieder warnten Bischöfe und der Vatikan, ab 1982 Bischof Žanić, ebenso vielfach sein Nachfolger, Bischof Ratko Perić. Am 10. April 1991 gab die jugoslawische Bischofskonferenz nach gründlicher Untersuchung der Ereignisse in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass im Fall Medjugorje keine einzige „Erscheinung“ als übernatürlich anerkannt werden kann. Bischof Perić sagte 2006 in der Kirchenzeitung seines Bistums: „Die zahlreichen absurden Botschaften, Unaufrichtigkeiten, Lügen und der Ungehorsam, die schon seit den ersten Anfängen im Zusammenhang mit den Ereignissen und ´Erscheinungen´ von Medjugorje stehen, widerlegen allesamt jede Behauptung einer Echtheit.“ Auch die Päpste distanzierten sich, trotz gegenteiliger Meldungen. 1998 schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, an Bischof Perić von Mostar, ihm und Papst Johannes Paul II. zugeschriebene positive Stellungnahmen zu Medjugorje seien erfunden. Der große Marienverehrer Papst Johannes Paul II. kam nicht nach Medjugorje, aber mahnte 1997 in Sarajevo ausdrücklich zu Gehorsam gegenüber dem Ortsbischof. 

Marienverehrung unter Papst Franziskus wieder möglich

Trotz der ablehnenden Haltung zu den „Erscheinungen“ haben sich Bischöfe wie Päpste immer besorgt gezeigt um eine gute pastorale Betreuung der vielen Pilger, die in gutem Glauben und unbeirrt nach Medjugorje kamen. Aus dieser Sorge heraus hat der Vatikan unter Papst Franziskus seit Mai 2019 offizielle katholische Pilgerreisen erlaubt und wegen der guten Früchte am 19. September 2024 das Nihil obstat zur Marienverehrung in Medjugorje gegeben. Damit ist Medjugorje ein kirchlich anerkannter Wallfahrtsort, dessen Schatz gehoben und genutzt werden darf. Viele Botschaften werden als erbauliche Texte und gute Hilfe für ein christliches Leben empfohlen, auch wenn sie nicht von der Gottesmutter persönlich stammen. Rosenkranzgebet und häufiger Sakramenten-Empfang wird von der Kirche ausdrücklich begrüßt und gewünscht. Gleichzeitig wird betont, dass die Erscheinungen nicht kirchlich anerkannt sind. 

Man muss davon ausgehen, dass trotzdem viele Pilger gerade deshalb nach Medjugorje kommen, weil sie von den angeblichen Erscheinungen fasziniert sind und der Gospa oder wenigstens den Sehern begegnen wollen.

Vier Gedanken dazu:

Der Gospa oder den Sehern nahekommen

Der Wunsch, da zu sein, wo die Gospa der Erde so nahe scheint, oder einem Seher zu begegnen, zeigt die Sehnsucht, die wir nach dem Himmel haben. Vergessen wir nicht, dass wir dem Himmel viel näherkommen, wenn wir die heilige Messe mitfeiern. Denn da begegnen wir IHM, dem lebendigen Gott, der sich nach uns sehnt, IHM, der sagt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ In der verwandelten Hostie dürfen wir den Heiland sehen, IHN mit unseren Lippen berühren und in unser Herz aufnehmen. Und das in jeder Kirche, auch in unserer eigenen Pfarrkirche. Es gibt eine dazu bestens passende Botschaft aus Medjugorje vom 12. November 1986: „Ich bin euch während der heiligen Messe näher als während der Erscheinungen. Viele Pilger möchten im Erscheinungszimmer anwesend sein und drängen sich daher um das Pfarrhaus. Wenn sie sich so vor dem Tabernakel drängen, wie sie es jetzt vor dem Pfarrhaus tun, werden sie alles verstanden haben. Sie werden die Gegenwart Jesu verstanden haben, denn die Kommunion zu empfangen ist mehr, als ein Seher zu sein.“

Erscheinungen wünschen

Jesus sagte eine Woche nach seiner Auferstehung zu Thomas: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Ein Zitat, das mehrfach auch in den Botschaften auftaucht. Alles, was wir zu unserem christlichen Glauben brauchen, hat Jesus Christus uns mitgeteilt. Wir können es in der Bibel nachlesen und in Predigten und in Büchern erklärt bekommen. Wir brauchen dazu keine Erscheinungen. Der 1926 zum Kirchenlehrer erhobene heilige Johannes vom Kreuz, der selbst mystische Erlebnisse hatte, schreibt in seinem Buch „Aufstieg zum Berg Karmel“: „Wer Gott befragen oder irgendeine Vision oder Offenbarung wünschen wollte, beginge nicht nur eine Torheit, sondern fügte Gott eine Beleidigung zu, da er die Augen nicht ganz auf Christus richtet, ohne etwas anderes oder Neues zu verlangen.“ Er warnt vor der Gefahr, dass der Teufel durchaus imstande ist, einer Seele, die Offenbarungen wünscht, Täuschungen einzugeben. Ähnlich schreibt die Karmelitin Theresa von Avila in „Die innere Burg“: „Wer geistliche Gnadenerweise begehrt, wird sicher betrogen oder steht zumindest in großer Gefahr der Täuschung.“ Und an anderer Stelle: „Wenn Menschen stark nach so etwas verlangen, bewirkt die Fantasie die Einbildung, dass sie es sehen oder hören.“ Auch dazu gibt es erbauliche Texte aus Medjugorje: 
„Geht nicht auf die Suche nach außergewöhnlichen Dingen, sondern nehmt das Evangelium, lest es und alles wird euch klar werden“ (12.11.1982).
„Warum stellt ihr so viele Fragen? Jede Antwort steht im Evangelium“ (19.09.1981).
„Glaubt nicht den lügnerischen Stimmen, die euch von falschen Dingen, von einem falschen Licht sprechen. Ihr, meine Kinder, kehrt zur Heiligen Schrift zurück“ (02.02.2018).

Die guten Früchte von Medjugorje

Sie sind kein Beweis für die Echtheit der „Erscheinungen“, sondern ein Beweis für die überströmende Liebe unseres himmlischen Vaters, der alle unsere Gebete hört und erhört, ganz egal, an welchem Ort sie gesprochen werden. Es gibt Gottes Gnadengaben nicht nur an Erscheinungsorten wie Fatima und Lourdes, sondern ebenso in Altötting, Tschenstochau oder in der eigenen Pfarrkirche. Wer gläubig betet, erlebt es, dass Gott ihn führt. 

Kriterien für echte Botschaften aus dem Himmel

Wenn die Gottesmutter Maria oder andere Personen aus der himmlischen Herrlichkeit auf Erden erscheinen, dann erwartet man eine wichtige Botschaft, dann entsprechen die Worte dem, was wir aus der Offenbarung Jesu wissen, dann gibt es keine Widersprüche und Fehler, dann werden Menschen nicht in ihrem sündigen Verhalten gelobt. Die Gottesmutter Maria kann weder Lügen noch Ungehorsam gutheißen.   Unter den ungezählten Botschaften von Medjugorje fällt auf, 

  • dass Vorhersagen nicht in Erfüllung gingen, so die vom 30. Juni 1981, dass die Erscheinungen nur noch drei Tage andauern, oder vom 27. August 1981, dass bald ein für alle sichtbares Zeichen erscheinen wird, 
  • dass theologische Fehler vorkommen, unter anderen am 1. Oktober 1981, dass vor Gott alle Religionen identisch sind, am 21. Juli 1982, dass es Sünden gibt, die Gott nicht vergeben kann, am 2. September 1982, dass es für die Bekehrung zu spät sein wird, wenn das verheißene Zeichen auf dem Berg erscheint, oder am 2. November 2017, dass Jesus dreifaltig ist,
  • dass einige Botschaften Priester im Ungehorsam gegenüber Papst und Orden bestärkt haben, wie die vom 3. Januar 1982, die den vom Dienst suspendierten Patres Ivica Vego und Ivan Prusina die weitere Sakramenten-Spendung erlaubte,
  • dass Botschaften später abgeändert wurden, wie die vom 29. Juni 1981, „es gibt immer ungläubige Judasse“, die zunächst in Büchern so verbreitet wurde und später korrigiert in „zweifelnde Thomasse“,
  • dass die Botschaften franziskanische Frömmigkeit und lokale Traditionen wie die „sieben Vater unser“ oder das Fasten mittwochs und freitags wiedergeben,
  • dass es jahrzehntelang keine Botschaft zu aktuellen Themen wie Abtreibung gab,
  • dass weder Lügen der Seher noch die Kriegsgräuel von Medjugorje kritisiert wurden,
  • dass Personen gelobt wurden, wie am 28. Februar 1982 Pater Tomislav Vlašić, obwohl er einen 1976 gezeugten Sohn in Deutschland versteckt hielt und 2009 wegen seines Verhaltens aus dem Orden ausgeschlossen und laisiert wurde,
  • dass mindestens eine Botschaft von Pater Vlašić diktiert wurde, nämlich am 21. April 1988, dass er in Italien ein gemischtes Kloster für Frauen und Männer gründen soll, überbracht durch die Seherin Marija, die diese Botschaft dann am 11. Juli 1988 schriftlich widerrief und erklärte, diese Botschaft sei ihr von Pater Vlašić diktiert worden,
  • dass Ort und Zeit der Erscheinungen von den Sehern bestimmt werden, wie z.B. wiederholt im Wiener Dom durch die Seherin Marija.

Zum Schluss ein Zitat aus dem Schreiben des Vatikans vom 19. September 2024:

„Auf jeden Fall sollten die Menschen, die sich nach Medjugorje begeben, nachdrücklich darauf hingewiesen werden, dass Pilgerfahrten nicht wegen der Begegnung mit den mutmaßlichen Sehern stattfinden, sondern um Maria, der Königin des Friedens, zu begegnen und, getreu der Liebe Marias zu ihrem Sohn, Christus zu begegnen und ihn in der Betrachtung des Wortes, in der Teilnahme an der Eucharistie und in der eucharistischen Anbetung zu hören, so wie dies in so vielen Heiligtümern auf der ganzen Welt, wo die Jungfrau Maria mit den unterschiedlichsten Titeln verehrt wird, geschieht.“


Text: Eva-Maria Strobel

(kw)



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