News Bild "Fronleichnam schließt jeden ein und niemanden aus" - Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt zum Fronleichnamstag und zieht in einer großen Prozession durch die Regensburger Innenstadt

"Fronleichnam schließt jeden ein und niemanden aus" - Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt zum Fronleichnamstag und zieht in einer großen Prozession durch die Regensburger Innenstadt

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Sie ist eine Demo, aber nicht gegen, sondern für etwas und es gibt sie in Regensburg schon seit über 600 Jahren - die Prozession am „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, das im deutschen Sprachraum kurz Fronleichnam genannt wird und in Bayern einfach "Prangertag" heißt.

 

"Fronleichnam - der in das Licht von Ostern getauchte Gründonnerstag"

Bereits zum Pontifikalamt am Donnerstagmorgen konnte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zahlreiche Gläubige im hohen Dom St. Peter zum Pontifikalamt willkommen heißen. Er bezeichnete in seinen Grußworten den Fronleichnamstag, der in Bayern glücklicher Weise auch ein staatlicher Feier- und damit ein freier Tag ist, als "den in das Licht von Ostern getauchten Gründonnerstag" und lud die Gläubigen ein zu einer farbenprächtigen und glaubensfrohen Fronleichnamsprozession. Bunt und vielfältig war dann auch die Schar der Gläubigen: Ordensritter und -damen, Studentenverbindungen und die kirchlichen Verbände mit Fahnenabordnungen, Ordensfrauen und -männer, das Dom- und die Stiftskapitel, das Priesterseminar, die Erstkommunionkinder, sie und viele andere mehr legten ein beherztes Glaubenszeugnis an diesem Donnerstagvormittag ab.

"Fronleichnam schließt jeden ein und niemanden aus"

Die Anbetung und Verehrung Gottes im Altarsakrament, so Bischof Rudolf in seiner Predigt zum Abschluss der Fronleichnamsprozession, sei eine eindrucksvolle Kundgebung des Glaubens, die gleich drei Botschaften beinhalte: 1.) Gott ist treu - er hat uns seine Gegenwart verheißen und dieses Versprechen in Jesus Christus wahr gemacht, der im Altarsakrament immer bei uns ist. 2.) Bei allem Wohlstand den wir haben, merken wir oft, dass das zu wenig ist. Die Sehnsucht des Herzens und der Hunger der Seele verlangt nach mehr. Diesen Hunger stillt die Eucharistie, in ihr verdichtet sich die Liebe Gottes, die nicht den Magen, sondern das Herz und die Seele füllt. 3.) Wo Menschen erfüllt sind von dieser Liebe Gottes, machen sie das Leben der anderen lebens- und liebenswert - "Wer dieses Geheimnis feiert, wird selber sein wie Brot", wie es ein Neues Geistliches Lied besingt. Dieses Glaubenszeugnis sei heute vielfach den Menschen bei der Prozession gegeben worden, den staunenden und neugierigen am Prozessionsweg, in denen oft auch eine stille Sehnsucht schlummere.

 

 

Fronleichnam - von Lüttich über Benediktbeuern nach Regensburg

Genau zehn Tage nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, das im deutschen Sprachraum Fronleichnam genannt wird, vom Mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ = „des Herren Leib“. In Bayern hat dieses Fest unterschiedliche Namen, so ist z.B. vom Prangertag die Rede, wobei dieser Name sich auf die Prachtentfaltung - das Prangen - zur Ehre des Eucharistischen Herrn bezieht. Erstmals gefeiert wurde das Fest im Jahre 1246 im Bistum Lüttich, das auf die Vision der Heiligen Ordensfrau Juliana von Lüttich zurückgeht. Ein dunkler Fleck auf dem Mond, so deren Vision, habe auf das Fehlen eines Festes zu Ehren des Altarssakraments hingewiesen. Papst Urban IV. hat Fronleichnam dann 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Christus ist „leibhaftig gegenwärtig“ in der Eucharistie, das ist das Festgeheimnis, das an diesem Tag mit einer großen Prozession durch Dörfer und Städte gefeiert wird.

In Deutschland ist dieser Tag nur in den überwiegend katholischen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, wie z.B. in Bayern, Baden-Württemberg oder im Saarland und Nordrhein-Westfalen. Bereits 1273 gab es die erste Fronleichnamsprozession in Bayern, nämlich in Benediktbeuern. Für die freie Reichs- und Bischofsstadt Regensburg ist erst um 1408 eine Prozession bezeugt, an der die 23 Zünfte der Stadt teilnahmen.

Fronleichnam contra "Würschteltag"?

"Auch der Bischof freut sich nach der Prozession auf eine Erfrischung und eine Brotzeit im Garten". Nicht erst seit dieser Aussage von Bischof Rudolf bei der Fronleichnamsprozession 2017 hat der Feiertag in Bayern auch den volkstümlichen Namen "Würsteltag", was mit der bevorzugten Speise beim Mittagessen an diesem Tag zusammenhängt. Der Name bringt aber auch ungewollt zum Ausdruck: Der Mensch ist Gott nicht "wurscht", sondern er hat ihm sein Liebstes geschenkt, nämlich seinen Sohn Jesus Christus, der uns im Altarsakrament tagtäglich gegenwärtig ist.