Bischof steht mit Minis vor Blumenteppich

Feierlichkeiten zu 125 Jahren Pfarrkirche St. Laurentius und Abschluss der Außenrenovierung

Sich auf die Einladung Gottes einlassen


Otzing, 13. Oktober 2026

„Sooft wir hier zur Eucharistiefeier zusammenkommen, feiern wir den neuen, den ewigen Bund Gottes mit uns Menschen. Den neuen und ewigen Bund, den Gott in Jesus Christus mit uns, seiner Kirche, geschlossen hat. Die eucharistische Versammlung ist in gewisser Weise eine hochzeitliche Versammlung: Wir feiern die Vermählung Christi mit uns allen, mit seiner Kirche.“ Mit diesen Worten begrüßte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Sonntag die Gläubigen in Otzing. Anlass seines Pastoralbesuchs in der Pfarrei St. Laurentius war das sogenannte „Trio-Fest“, bei dem das 125-jährige Bestehen der 1901 geweihten Pfarrkirche, der Abschluss der Außenrenovierung sowie der Pastoralbesuch des Regensburger Oberhirten gefeiert wurden.

Ein Geburtstagsständchen

Zu Beginn des Besuchs bereiteten die Kinder der Kindertagesstätte Herz Mariä und Schüler der Grundschule Otzing dem Bischof vor dem Pfarrheim St. Josef einen herzlichen Empfang. Neben Liedern und Blumen überbrachten sie ihm nachträgliche Geburtstagswünsche: „Zu diesem besonderen Anlass möchten wir Ihnen, Herr Bischof Rudolf, ganz herzlich nachträglich zum Geburtstag gratulieren. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Gesundheit, Kraft, Freude und Gottes Segen für Ihre Aufgaben und Ihren weiteren Weg.“ Bischof Rudolf dankte den Kindern und spendete ihnen den Einzelsegen. Zu Ehren des Jubiläums hatte der Frauen- und Mütterverein zudem aufwendige Blumenteppiche mit dem Motiv der Pfarrkirche gelegt.

Im Anschluss formierte sich ein festlicher Kirchenzug durch den geschmückten Ort. Angeführt von der Kapelle Führmann aus Wallersdorf zogen Geistliche, eine stattliche Schar von Ministranten und Pfarrangehörige zur Pfarrkirche. Zahlreiche örtliche Vereine – darunter die Freiwilligen Feuerwehren, die Landjugend, der Bauernhilfsverein, der Sportverein, die Landfrauen sowie der Frauen- und Mütterverein – begleiteten den Zug mit ihren Fahnenabordnungen. Unter den Gästen waren unter anderem Landrat Bernd Sibler, Bürgermeister Stefan Riederer, Altbürgermeister Johannes Schmid, Ehrenbürger Michael Gschneidinger sowie Vertreter des Gemeinderats. Die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes übernahmen der Kirchenchor unter Leitung von Korbinian Huber, der Kinderchor unter Leitung von Rita Mittermeier und Julia Renner sowie die Gruppe „Da Capo“ unter Leitung von Angela Renner.

„Ein kostbares Ereignis der Ermutigung“

In der Pfarrkirche St. Laurentius hieß Ortspfarrer BGR Antony Soosai den Regensburger Oberhirten willkommen: „Ihr Pastoralbesuch ist für uns ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir als Kirche vor Ort nicht allein unterwegs sind. Sie erinnern uns daran, dass wir eingebunden sind in die große Gemeinschaft des Glaubens, getragen vom gemeinsamen Fundament des Evangeliums.“ Neben Pfarrer Soosai stand BGR Pfarrer Günter Müller aus der Pfarreiengemeinschaft Pfeffenhausen am Altar. Seine Heimatpfarrei ist Otzing. Bischof Voderholzer gratulierte Pfarrer Müller zu seinem Geburtstag und zu seiner Ernennung zum Ehrendomherrn der Kathedrale St. Josef in Nellore. Bischof Moses Prakasam aus der indischen Diözese Nellore hatte ihn damit im Oktober für seinen jahrelangen, herausragenden Einsatz bei der Betreuung und Ausbildung indischer Priesterseminaristen ausgezeichnet.

In seiner Predigt ging Bischof Rudolf Voderholzer auf das Tagesevangelium vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22,1–14) ein. Das Gleichnis Jesu behandle zunächst ernste Themen, enthalte bei genauerer Betrachtung jedoch eine stärkende Botschaft. Der Bischof erläuterte, dass die Ablehnung der Einladung durch die ursprünglich geladenen Gäste und das fehlende Festgewand eines später Hinzugekommenen sinnbildlich für die mangelnde Bereitschaft stünden, sich auf die Einladung Gottes einzulassen. Entscheidend sei nicht die äußere Kleidung, sondern die innere Haltung und die Bereitschaft, die Einladung bewusst anzunehmen.

Einladung zum himmlischen Hochzeitsmahl

Bischof Rudolf verdeutlichte, dass sich das Gleichnis Jesu nicht allein auf vergangene Ereignisse beziehe, sondern auch die Gläubigen in der Gegenwart unmittelbar anspreche. Mit Blick auf die Frage, wo sich die Gläubigen heute selbst in diesem Gleichnis wiederfänden, erläuterte der Bischof: „Tiefer betrachtet sind wir hier im Festsaal, in dem wir eine Hochzeit feiern dürfen – aber eine Hochzeit der ganz eigenen Art, der ganz speziellen Art.“ Jede Eucharistie sei Feier der innigsten Gemeinschaft mit Gott: „Ist uns das bewusst, dass wir in jeder Eucharistiefeier eigentlich Hochzeitsfeier haben? Hier schon auf Erden – und einmal wird sich dieses Fest vollenden in dem himmlischen Hochzeitsmahl, zu dem wir alle eingeladen sind“, so der Oberhirte.

Mit Blick auf das 125-jährige Kirchweihjubiläum würdigte der Bischof den Einsatz der Dorfgemeinschaft: „Ihr Kirchenraum, der nun 125 Jahre Geburtstag feiert, ist ein hochzeitlicher Festsaal. Und wenn ich so hineinschaue in die Reihen: Dann haben Sie alle die Einladung zur Hochzeit angenommen.“ Er dankte für die Renovierungsarbeiten: „Vergelt’s Gott für alle Mühen, die aufgewendet worden sind, um Ihre Kirche hochzeitlich herzurichten, hochzeitlich zu schmücken! Ein besonderer Dank den Mitgliedern der Kirchenverwaltung – die haben meistens die größte Arbeit.“ Ausdrücklich hob Bischof Rudolf auch die Seelsorge und das gute Miteinander hervor: „Danke ganz besonders Ihnen, lieber Herr Pfarrer Soosai, für Ihren Dienst fast schon zehn Jahre in Otzing! Danke für Ihre gute, väterliche Art zu versöhnen und zusammenzuführen!“

Zum Ende der liturgischen Feier richtete Pfarrer Antony Soosai Dankesworte an Bischof Rudolf und die Helfer: „Ein solches Fest ist kein Werk eines Einzelnen, sondern das sichtbare Zeichen einer lebendigen Gemeinschaft, in der viele Hände treu und tatkräftig ineinandergreifen. Dass Sie heute am feierlichen Trio-Festtag unserer Pfarrfamilie den Weg zu uns gefunden haben, erfüllt uns mit Stolz und aufrichtiger Dankbarkeit und stärkt uns im Glauben.“ Pfarrer Soosai ergänzte mit Blick auf die vielen Beteiligten: „Jede helfende Hand, jeder noch so kleine Dienst war ein unersetzlicher Baustein für dieses gelungene Fest.“

Als Dank überreichte die Pfarrei Bischof Rudolf eine Dank- und Anerkennungsurkunde sowie eine geschnitzte Holzfigur des Guten Hirten. Im Anschluss an das Pontifikalamt fand der Festtag seine Fortsetzung mit der weltlichen Feier in der Otzinger Mehrzweckhalle.

Text und Fotos: © Sabrina Melis
(jas und SG)



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