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Eucharistie: Vergegenwärtigung des Kreuzes

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Hartmut Constien ist seit Juni 2018 Priester. Der Weg zur Weihe war bei ihm ein besonderer: Constien ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Familie war evangelisch, Hartmut Constien neun Jahre als Pfarrer tätig. Immer mehr merkten er und seine Frau, dass ihre eigentliche Heimat die katholische Kirche ist. Sie konvertierte mit den Kindern 2014 in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche. Constien konnte in Regensburg mit päpstlichem Dispens vom Zölibat zum Priester geweiht werden. Nun ist der 43-Jährige Kaplan in Reinhausen und Sallern. Im Interview spricht er über den großen Wert der Eucharistie.

 

Welche Rolle spielt die Eucharistie in Ihrer Biografie?

Sie spielt eine zentrale Rolle. Für mich war schon in der lutherischen Kirche Eucharistiefrömmigkeit und eucharistische Bildung wichtig. Ich war in einer Kirche, die ein eigentlich sehr katholisches Verständnis davon hat, was Eucharistie ist und die in Teilen einen sehr liturgisch-sakramentalen Zugang zum Glauben hat. Das Thema Eucharistie war für mich deswegen immer sehr präsent.

 

Als Priester ist für Sie die Eucharistie die wesentliche Aufgabe. Was bedeutet es für Sie, als Priester Eucharistie zu feiern?

Bei meiner Priesterweihe habe ich gerade das versprochen: In Treue die Eucharistie zu feiern. Ich finde, das ist der Kernbereich von dem, was wir tun sollten. In der pastoralen Praxis ist es leider etwas, das man auch noch tut. Man sollte sich hier manchmal wieder darauf besinnen, dass die Priester zuerst dafür da sind, mit den Menschen Eucharistie zu feiern und Christus im Leben der Menschen präsent werden zu lassen. Ich feiere sehr gerne die Heilige Messe. Ich habe das schon als evangelischer Pfarrer unglaublich gern getan und es war nicht leicht, das für vier Jahre nicht zu tun. Dass ich dies jetzt wieder und täglich tun darf, ist ein großer Schatz. Daraus lebe ich selbst spirituell. Das Feiern einer Messe sehe ich nicht als meine Arbeit an. Das gehört einfach zum Sein eines Priesters dazu! Gottesdienst feiern ist für mich eine Freude.

 

Was geschieht in der Eucharistiefeier?

Im Kern stehen die sogenannten „verba testamenti“, die Worte, die Jesus zu Brot und Wein gesprochen hat. Diese Worte sind sehr eindeutig: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Ich glaube, dass durch das schöpferische Handeln Gottes hier tatsächlich geschieht, was Jesus sagt. Nicht im Sinne eines Bildes oder eines Symboles, wie wir den Begriff heute verstehen. Es passiert wirklich das, was Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes sagt. Indem wir den Leib Christi austeilen, bringen wir die Menschen mit Gott in Berührung – das ist das Allerwichtigste, was in der Eucharistie geschieht: Menschen mit Christus in Berührung bringen. Dadurch werden die Menschen für ihr Leben gestärkt. Der Kirchenvater Ignatius von Antiochien sagte, die Eucharistie sei ein „pharmakon athanasias“, ein Heilmittel zur Unsterblichkeit – wobei „Mittel“ schon wieder schwierig ist. Es ist zu sächlich. Wir bekommen in der Eucharistie keine Sache, sondern wir empfangen „ihn“, nämlich Christus selbst.

In der Feier wird uns außerdem das Leiden Christi vergegenwärtigt. „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Das ist die Vergegenwärtigung des Opfers und das sind die Früchte des Opfers Jesu am Kreuz – nämlich, dass er uns aus Sünde, Tod und Verderben rettet und in die Nähe Gottes holt. Das wird gerade am Gründonnerstag in der wunderbaren Messe zum heiligen Abendmahl, wenn Jesus mit seinen Jüngern die Eucharistie einsetzt, besonders schön liturgisch ausgeführt.

Wie hängen Eucharistie und Kirche zusammen?

Die Frage der Eucharistie lässt sich nie von der Frage der Kirche trennen. Paulus sagt, wenn wir den Leib Christi in der Eucharistie empfangen, werden wir auch Leib Christi, nämlich zur Kirche (1 Kor 10,17). Wir als Christen werden zusammengeschlossen zum Leib Christi, sind die Glieder an seinem Leib. Wenn man aber gar nicht zum Leib der Kirche gehören will, oder wenn man die Kirchenspaltung für etwas Gutes hält, wird das schwierig. Als Katholiken können wir da nicht mehr mitgehen. Die sichtbare Einheit der Kirche in dieser Welt ist ein unendlich hohes Gut. Ein Gut, um das es sich auch zu streiten lohnt. Aber Einheit kann nur da entstehen, wo man sich auch über die Inhalte des Glaubens einig ist.

 

Wie hängen Eucharistie und Priestertum zusammen?

Sie hängen sehr eng zusammen. Der Priester handelt an der Stelle Jesu Christi. Es geht nicht um ihn als Person. Der Priester hat die Aufgabe, Christus dort, wo er die Eucharistie feiert, zu repräsentieren. Ich persönlich kann von mir aus Brot nicht in den Leib Christi verwandeln. Weil ich geweiht wurde, habe ich die Vollmacht aber genau das an Christi statt zu tun. Ich stehe an seiner Stelle. Wir tun das nicht für uns selbst, sondern wir tun das für Christus. Wie das Opfer Christi durch die eucharistischen Gaben repräsentiert wird, wird Christus durch den Priester repräsentiert. Als Priester bin ich das Sprachrohr für Jesus. Er spricht die Worte, die tun, was er sagt – und nicht ich, auch wenn es meine Stimmbänder sind, die da schwingen. Das ist nichts, was aus mir kommt, sondern was Er tut.

 

Das Entscheidende geschieht doch am Kreuz – warum feiern wir trotzdem den Gründonnerstag?

Man kann das nicht voneinander trennen. In unseren Köpfen feiern wir drei verschiedene Gottesdienste an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Eigentlich aber ist das eine einzige Messe. Das nennt man „Triduum Sacrum“, die drei heiligen Tage von Gründonnerstag bis Ostern. Das ist eine Einheit. Es gibt den Karfreitag nicht ohne Ostern und Ostern nicht ohne Karfreitag und das alles gibt es nicht ohne den Gründonnerstag. Das Opfer, das in jeder Eucharistiefeier vergegenwärtigt wird, ist das Opfer von Golgota. Das geschieht aber immer in der Hoffnung auf Ostern und das leere Grab. Diese Einheit dürfen wir nicht auseinanderreißen.

 

Warum braucht es das Opfer von Golgota? Warum muss Jesus am Kreuz sterben?

Gibt es eine größere Liebe als die, die selbst das Leben hingibt für den Geliebten? Vielleicht ist da genau der Punkt, den wir uns bewusst machen müssen. Denken wir an den Film „Die Passion Christi“. Viel wurde diskutiert, ob das nicht Voyeurismus sei, ein Blutbad. Ja, ist es! Aber man kann das mit einem ganz bestimmten Auge sehen: Das tut dieser Jesus für mich. Weil er mich liebt. Dann entwickelt dieser so brutale Film eine ganz spektakuläre Tiefe: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingibt für uns. Das ist die einzig mögliche Antwort. Natürlich hätte Gott anders handeln können, aber er hat es nicht getan. Das ist die Weise, wie Gott uns seine Liebe offenbaren wollte. Menschwerdung bedeutet, dass Gott die ganze Menschheit annimmt – auch das Leiden. Was Christus für uns tut, ist ein Opfer – ein Opfer für mich. Damit ich den ewigen Tod nicht sterben muss, stirbt Christus für mich und wird auferweckt.