News Bild „Es zählt der Wille, das Beste daraus zu machen“ – Der Beginn des neuen Schuljahres in Bayern

„Es zählt der Wille, das Beste daraus zu machen“ – Der Beginn des neuen Schuljahres in Bayern

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Am morgigen Dienstag beginnt in Bayern das neue Schuljahr. In den ersten zwei Wochen müssen, laut Weisung der Bayerischen Staatsregierung, die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrkräfte einen Mund- und Nasenschutz während der Unterrichtsstunden tragen. Wie es danach weiter geht, weiß niemand. Was geht an Schulen 2020/21 noch, was nicht? Vor welchen Herausforderungen stehen die Lehrer und Schüler? Und welche Belastungen bedeutet die andauernde Pandemie für jeden einzelnen? Darüber haben wir mit Pater Erhard Hinrainer, Leiter des St.-Michaels-Gymnasiums in Metten und Realschuldirektor Josef Maier von der Maristen Realschule Cham gesprochen.

Das Positive, sagt Pater Hinrainer, sei angesichts der aktuellen Lage, dass wieder alle Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen können. Es wäre zu hoffen, dass die Verpflichtung, auch im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, nach dem 18. September 2020 enden wird. Klassenfahrten oder der traditionelle Schüleraustausch wird heuer nicht möglich sein. "Alle Unternehmungen dieser Art müssen verschoben oder ersatzlos gestrichen werden. Die Durchführung von tageweisen außerunterrichtlichen Veranstaltungen ist allerdings möglich", sagt Direktor Maier aus Cham.

 

Lernziele müssen erreicht werden

Bereits im vergangenen Schuljahr konnten wegen der Einschränkungen und Schulschließung nicht alle im Lehrplan vorgesehenen Inhalte vermittelt werden. Das trägt sich nun auch in das neue Schuljahr fort. "Soweit es den Lehrkräften möglich ist, werden versäumte Unterrichtsinhalte nachgeholt. Zum Ende des vergangenen Schuljahres hat jeder Lehrer für sein Fach und seine Klasse eine Liste erstellt, die an die Lehrkräfte, die die Klasse neu übernehmen, übergeben werden. Förderunterricht wird gezielt angeboten, trotzdem besteht Unsicherheit darüber, ob alle Lernziele erreicht werden können", erklärt Josef Maier. Pater Erhard Hinrainer stellt dazu fest, dass der Start in diesem Schuljahr sicherlich "behutsamer" ausfallen müsse als in den zurückliegenden Jahren. "Meiner Meinung nach können dann aber die Lernziele, wenn keine weiteren Schulschließungen beschlossen werden, erreicht werden, da die Lehrkräfte auch in den Monaten März bis Mai im Distanzunterricht die Herausforderungen gut gemeistert haben", so der Schulleiter aus dem Kloster Metten.

Mit welchen Belastungen hat aber die gesamte Schulfamilie zu kämpfen? Direktor Josef Maier sagt: Hilfreich kann der Ratschlag von Anitra Eggler ("Home Office - Survival Guide", Like Publishing, 2020) sein: "Der einzige Fehler, den du manchen kannst, ist: nichts zu machen - nicht mal den Fehler ... Fehler und Irrtum: Beides muss man sich jetzt leisten". Gerade mangels Erfahrung und empirischen Wissens, was die neue Situation angehe, sei diese Einstellung notwendig. Es zähle der Wille, das Beste daraus zu machen. "Wünschenswert ist ein umfangreiches psychologisches Angebot zur Betreuung von Schülern und Lehrkräften und vor allem für die Lehrerinnen und Lehrer die Entwicklung von hilfreichen konkreten didaktischen Konzepten zur Durchführung von Online-Unterricht", so Josef Maier.

 

 

 

 

Schüler verhalten sich vorbildlich und vernünftig

Dankbar und froh sind beide Direktoren über das Verhalten der Schüler an ihren Schulen: "Die Schüler verhalten sich im Schulgebäude äußerst vernünftig, sehen ein, dass die Einschränkungen unumgänglich sind. Sie alle wünschen sich wieder einen regulären Präsenzunterricht", berichtet Josef Maier und Pater Erhard Hinrainer schrieb im Schlusswort seines Jahresberichtes: "Mein besonderer Dank gilt am Ende dieses außergewöhnlichen Schuljahres allen unseren Schülerinnen und Schülern auch für ihr insgesamt vorbildliches Verhalten während der Corona-Pandemie."

 

Digitale Lösungen helfen Lehrern, Schülern und Eltern

Ein erneuter Lockdown wäre verheerend, aber die Verantwortlichen haben sich für diesen "Worst case" gewappnet. Grundsätzlich, so Direktor Maier, würde ein Lockdown wieder eine Einschränkung der Unterrichtstätigkeit bedeuten. Den Schülern würden noch mehr Lerninhalte fehlen, die nicht mehr aufgeholt werden könnten. Mittlerweile seien die Lehrkräfte zwar für die Situation gewappnet, ein Lockdown würde für sie aber trotzdem noch eine enorme Mehrbelastung bedeuten. "In Klassenelternversammlungen werden gleich in der zweiten Schulwoche die Eltern mit den Modulen "Lernen" und "Nachrichten" des sog. Schulmanagers (www.schulmanager-online.de) vertraut gemacht. Schwerpunkt des IT-Unterrichts, der schon ab der 5. Klasse beginnt, wird der sichere Umgang mit dem Schulmanager sein. Der Programmierer stellt außerdem ab dem Schuljahr 2020/21 ein Videokonferenztool zur Verfügung", betont Realschuldirektor Josef Maier. Da Eltern, Schüler und Lehrer sowie die Lehrkräfte untereinander vernetzt seien, könne Online-Unterricht ohne Unterbrechung begonnen werden. Konferenzen seien ebenfalls online möglich, die Lehrkräfte könnten auch Fachkonferenzen über dieses Tool abhalten und mit einzelnen Schülern, Schülergruppen oder Klassen in Verbindung treten, so Maier.

Kirchliche Schulen bieten gute Voraussetzungen

Gerade Schulen in kirchlicher Trägerschaft verfügen oft über bessere Voraussetzungen, um die Regelungen während der Corona-Pandemie umzusetzen, betont Pater Erhard Hinrainer aus dem St.-Michaels-Gymnasium in Metten: "Viele unserer Schulen haben eine deutlich kleinere Anzahl von Schülerinnen und Schülern - oft auch kleinere Klassengrößen - als staatliche Schulen. Unsere Schulgebäude sind - häufig aufgrund ihres Alters - meist sehr groß, sodass auf den Begegnungsflächen kein Gedränge entsteht! Viele unserer Schulen befinden sich im ländlichen Bereich und verfügen über ein großes Gelände, sodass die Schülerinnen und Schüler während der Pause und während der Mittagspause die Möglichkeit haben, sich im Freien aufzuhalten!", so Pater Erhard.

 

Das Gespräch führte Jakob Schötz von der Bischöflichen Pressestelle