News Bild „Es gibt eine wachsende Einheit und gutes Miteinander in wesentlichen Fragen“

„Es gibt eine wachsende Einheit und gutes Miteinander in wesentlichen Fragen“

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(pdr) Bischof Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, hat am vergangenen Freitag während des 97. Deutschen Katholikentags in Osnabrück an einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Ziel-lose Ökumene?“ teilgenommen. Mitdiskutanten waren der evangelische Landesbischof Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der Vereinigung der evangelischen Landeskirchen Deutschlands (VELKD), Arnd Brummer, Chefredakteur der evangelischen Publikation „Chrismon“, sowie Barbara Rudolph, evangelische Pfarrerin und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Bischof Gerhard Ludwig erklärte, dass es bereits jetzt eine wachsende Einheit und ein gutes Miteinander in wesentlichen Fragen gebe. So werde miteinander gebetet, wesentliche Grundlehren stimmten überein und gerade in gesellschaftspolitischen Fragen könne man die Gemeinschaft bezeugen. „Heute ist eine konfessorische Ökumene gefragt, in der wir uns gemeinsam in der Bioethik, in Wirtschaft und Politik für die Würde des Menschen einsetzen“, so Bischof Gerhard Ludwig. Es gehe hier um ein gemeinsames Beten, Zeugnisgeben und caritativen Einsatz. Schon in der Zeit des Nationalsozialismus hätten viele katholische und evangelische Christen im gemeinsamen Glauben gegen ein gottloses Regime gekämpft. In Zukunft müsse man – bei allen bestehenden Differenzen – die missionarische Dimension sehen. Bischof Gerhard Ludwig betonte, dass es bereits ein gemeinsames Glaubensbekenntnis der evangelischen und katholischen Christen gebe. „Ziel der ökumenischen Bewegung muss die Einheit in Glaube, Hoffnung und Liebe sein, die sich in den sakramentalen Zeichen zeigt“, so der Bischof. Bei alldem dürfe es durchaus eine Vielfalt in kulturellen und spirituellen Ausfaltungen geben.

In der Vergangenheit habe man schmerzhafte Spaltungen erleben müssen. Noch heute gebe es dogmatische Unterschiede, etwa im Verständnis von der Kirche, in der Sakramentenlehre und in der Amtsfrage. „Wir müssen uns in gegenseitigem Respekt annehmen, wobei dies immer auf Jesus hingeordnet sein muss“, so der Bischof. Dabei dürfe weder Gleichgültigkeit oder Relativismus vorherrschen noch ein sentimentales Einheitsgefühl. „Für die Zukunft ist es wichtig, ein tragfähiges dogmatisches Fundament zu suchen, dem ein jeder guten Gewissens zustimmen könne“, sagte Bischof Gerhard Ludwig.

Landesbischof Weber betonte in seinem Statement, dass es wichtig sei, zur eigenen Identität ein Profil zu bilden, wobei die eigene Position nicht absolut gesetzt werden dürfe, aber auch nicht zu Lasten des anderen gehen dürfe. Dies sei umso wichtiger, da immer mehr ein „christlicher Analphabetismus“ vorherrsche. Ein Konsens in theologischen Inhalten sei nötig, der von der Mehrheit getragen werden könne. Der Lutherische Weltbund formuliere deshalb die „Gemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit“. Die Verschiedenheit bleibe zwar dabei bestehen, aber das Trennende fehle. In der anschließenden Podiumsdiskussion kristallisierte sich heraus, dass auch heute noch in der Ökumene Geduld gefragt ist und ein Schritt nach dem anderen gemacht werden müsse.

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