News Bild Erzbischof Angelo Amato spricht Frater Eustachius Kugler selig – 7.500 Gläubige feiern im und um den Regensburger Dom - „Richtmaß für unser Denken und Handeln ist die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende“

Erzbischof Angelo Amato spricht Frater Eustachius Kugler selig – 7.500 Gläubige feiern im und um den Regensburger Dom - „Richtmaß für unser Denken und Handeln ist die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende“

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Erzbischof Angelo Amato, Vertreter von Papst Benedikt XVI., hat am Sonntagnachmittag im Hohen Dom St. Peter in Regensburg in Anwesenheit von 7.500 Gläubigen aus dem gesamten Bistum und weit darüber hinaus die Seligsprechung des Frater Eustachius Kugler vorgenommen. Erst am 17. Januar 2009 hatte der Heilige Vater in Rom per Dekret das Wunder bestätigt, das auf die Fürsprache Eustachius Kuglers hin geschehen ist. Bereits im Dezember 2005 war dem Frater, der aus Nittenau im Bistum Regensburg stammte und der lange Jahre als Provinzial der Barmherzigen Brüder in Regensburg wirkte, der heroische Tugendgrad zuerkannt worden.

Bischof Gerhard Ludwig, Hauptzelebrant des Pontifikalgottesdienstes, begrüßte im Hohen Dom St. Peter den Münchner Erbischof Reinhard Marx, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, Bi-schof Wilhelm Schraml aus Passau, Bischof Konrad Zdarsa aus Görlitz, Bischof em. Manfred Müller aus Mallersdorf, Bischof em. Paul-Werner Scheele aus Würzburg sowie Bischof em. Hubert Bucher aus dem südafrikanischen Bethlehem. Eigens begrüßt wurden außerdem der griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis, der serbisch-orthodoxe Pfarrer Stanko Rakic und der evangelisch-lutherische Regionalbischof Hans-Martin Weiss. Einen herzlichen Willkommensgruß sprach der Bischof auch Frater Donatus Forkan, dem Generalprior der Barmherzigen Brüder, und den mehreren hundert Mitbrüdern aus dem Orden der Barmherzigen Brüder aus. Die Brüder waren aus Österreich, Polen, Italien, Spanien, Portugal, Tschechien, aus der Slowakei, aus Ungarn, Frankreich, England und Irland, aber auch von weither aus Japan, Indien, Vietnam, Korea, China, Australien, Papua-Neuguinea, aus Afrika sowie aus Nord- und Südamerika gekommen.

Erzbischof Amato erklärte, die Kirche erkenne den seligen Eustachius Kugler vom Orden der Barmherzigen Brüder als einen großen Zeugen der Liebe Jesu, des guten Samariters, an. Geleitet vom Mitgefühl für die Kranken und Bedürftigen, habe er zwei große Krankenhäuser in Regensburg gebaut und sich auch während der Zeit des Zweiten Weltkriegs für ihren kontinuierlichen Betrieb eingesetzt. Aus seinem Glauben in Christus heraus habe er Mut und Beständigkeit im Guten geschöpft. „Die Quelle seines apostolischen Feuers war das Gebet“, so der Erzbischof. Seinem intensiven Gebetsleben werde zugesprochen, dass das Krankenhaus von Bomben verschont blieb, während das Gebiet um das Krankenhaus eine Zone der Zerstörung und des Todes wurde. „Während den Bombardierungen blieb Bruder Eustachius allein in der Kirche vor dem Allerheiligsten im Gebet. Er ging nur in den Luftschutzkeller hinunter, wenn auch das Altarsakrament dorthin gebracht wurde“, führte der Erzbischof bei der Seligsprechungsfeier weiter aus. Eustachius Kugler habe das Gelübde der Hospitalität nicht mit Worten, sondern vor allem mit Taten praktiziert. Er selbst habe Mahlzeiten serviert, Zimmer gereinigt, Kranke gewaschen, ihnen die Wäsche gewechselt und ihre Verpflegung verbessert. „Starker Glaube und Gebet, tiefe Demut und Professionalität in der Arbeit sind die Komponenten der Heiligkeit unseres Seligen“, stellte der Vertreter des Heiligen Vaters fest. Auch vom Himmel aus werde der Selige nun fortfahren, der gute Samariter zu sein.

Bischof Gerhard Ludwig erklärte während seiner Predigt im Hohen Dom, der Christ habe ein positives Verhältnis zur materiellen Welt und zur leiblichen Existenzform der menschlichen Person. Daraus folge vor allem die Verantwortung für das leibliche Wohl der Mitmenschen: „Mit der Liebe Christi nimmt sich der Christ umso mehr der hilfsbedürftigen, kranken und behinderten Menschen an. Richtmaß für alles Denken, Handeln, Arbeiten und Entscheiden ist immer die Würde des Menschen vom ersten Augenblick der Empfängnis bis zum letzten Atemzug des Sterbenden“, sagte der Bischof. Auch über den Tod hinaus werde die Würde des Menschen gewahrt, „indem wir den Leichnam nicht wie Abfall entsorgen oder als bloßes Material benutzen“. Das atheistische Anti-Evangelium dagegen laute: „Mit dem Tod ist alles aus! Darum genieße dein Leben – auch auf Kosten anderer.“ Denn, so die Meinung, in der Natur gelte nur das Recht des Stärkeren. „Wir Christen sind die besseren Materialisten, weil wir an die Vollendung der Materie und damit auch an die Verherrlichung des Leibes bei der Auferstehung der Toten glauben. Daraus ergibt sich unsere Weltverantwortung. Wir richten uns nicht nach dem erbarmungslosen Gesetz des Todes im immer sinnlosen Spiel der Materie mit sich selbst, sondern nach dem Gesetz der Liebe zu Gott und zum Nächsten“, sagte der Bischof weiter.

Ein besonderes Beispiel dafür sei Frater Eustachius Kugler. Anhand der Krisenzeit während der Errichtung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg (1927-1930) könne ermessen werden, welch Umsicht und Gottvertrauen für ein solch gewaltiges Vorhaben nötig waren. Eustachius Kugler sei ein Mensch von großer Bescheidenheit gewesen, der sich auch für einfachste Arbeiten nicht zu Schade gewesen sei. Als Hitler 1937 in Regensburg weilte, zeigte Eustachius Kugler denjenigen, die den „Führer“ sehen wollten, den Tabernakel, wo Christus verborgen im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist. Der Selige habe dem Führerkult, in dem ein Mensch sich an Gottes Stelle setzte und sich als Erlöser feiern ließ, sein Bekenntnis gegenüber gesetzt: „Unser Führer ist dort drinnen!“

Auf Großleinwänden feierten tausende Gläubige die Seligsprechungsfeier auf dem Domplatz, in St. Johann und in der Basilika zur Alten Kapelle mit. Nach der Seligsprechungsfeier fand eine große Prozession zur Übertragung der Reliquien in die Kirche St. Pius bei dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder statt, an der sich tausende Gläubige beteiligten. Entsprechend dem Prinzip der Gastfreundschaft der Barmherzigen Brüder hatten die Gläubigen auf dem Domplatz bereits zuvor eine kostenlose Verköstigung erhalten. Bereits ab 10 Uhr stellten sich rund um den Hohen Dom St. Peter die verschiedenen Provinzen der Barmherzigen Brüder vor, die in der ganzen Welt wirken. Schon am Vorabend der Seligsprechungsfeier hatte eine Vigilfeier in einem Großraumzelt neben dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg mit rund 2.500 Gläubigen stattgefunden, wo Gott für die Seligsprechung des Frater Eustachius gedankt wurde.

Grußwort von Bischof Gerhard Ludwig Müller

Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller im Wortlaut

Grußwort von Erzbischof Angelo Amato