Westminster Cathedral in London

Erwachsenentaufen zu Ostern in Europa

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 01. April 2026 

Diesmal geht der Blick nicht in die Ferne, sondern er richtet sich auf die benachbarten Staaten. Viele Länder in Europa melden seit einigen Jahren stetig steigende Zahlen von Erwachsenentaufen in der Osternacht. Frankreich geht mit großen Zahlen voran, doch andere Länder, wie England, ziehen nach. 

Die Weltkirche fängt in der Nachbarschaft an. Seit mehreren Jahren gibt es Nachrichten aus Frankreich, dass sich sehr viele zumeist junge Erwachsene taufen lassen. Ostern ist das zentrale Fest der Christenheit. Die Auferstehung Christi begründet unseren Glauben und bildet den Höhepunkt des Kirchenjahres. Die Osternacht ist seit Alters her die Nacht, in der die Kirche ihre neuen Glieder durch die Taufe in die Gemeinschaft aufnimmt. So werden auch in unseren Tagen traditionell viele Erwachsene durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen. Das hat einen so hohen Stellenwert, dass der Ritus der Taufwasserweihe in der Osternacht auch dann gefeiert wird, wenn kein Täufling anwesend ist. 

In den letzten Jahren zeichnet sich in mehreren europäischen Ländern eine bemerkenswerte Entwicklung ab. Entgegen dem oft beschriebenen Trend der Säkularisierung, also dass Menschen eher die Kirche verlassen, wächst die Zahl der Konvertiten und Taufbewerber in einigen Ländern spürbar. Besonders sichtbar wird dies in Frankreich, doch auch in Belgien und der Schweiz setzt dieser Trend ein. Geradezu erstaunlich ist das Anwachsen der Zahl der Taufbewerber auf der britischen Insel. 

Hunderte neue Katholiken zu Ostern

In England und Wales melden zahlreiche Diözesen seit einigen Jahren steigende Zahlen von Erwachsenen, die sich taufen lassen oder in die katholische Kirche eintreten. Für das kommende Osterfest berichten mehrere Bistümer von „hunderten“ Kandidaten. Allein in den beiden großen Diözesen Westminster in London und Southwark werden zusammen rund 950 Menschen in die Kirche aufgenommen, viele davon durch Taufe in der Osternacht. Diese Zahlen sind Teil eines breiteren Trends. Laut kirchlichen Berichten handelt es sich um den stärksten Anstieg seit etwa einem Jahrzehnt. Besonders auffällig ist die Altersstruktur. Ein großer Teil der neuen Katholiken ist jung, häufig unter 35 Jahre alt.

Die Motive der neu bekehrten Katechumenen sind vielfältig. Beobachter sprechen von einer stillen Bewegung, bei der Menschen nicht aus Tradition, sondern aus persönlicher Suche nach Sinn, Klarheit und geistlicher Orientierung zur Kirche finden. Gerade in einem Land mit protestantischer Prägung hat diese Entwicklung eine besondere Symbolkraft. Sehr häufig kommen die jungen Menschen über die Sozialen Medien mit dem Glauben in Kontakt und suchen nach einer Zeit der Beobachtung von sogenannten Christfluencern, denen sie folgen, den Weg in die realen Gemeinden an ihren Wohnorten. Besonders um Kathedralen oder andere große Kirchen sammeln sich die jungen Menschen. 

Rekordzahlen bei Erwachsenentaufen in Frankreich

Noch deutlicher zeigt sich der Trend schon seit mehreren Jahren in Frankreich. Dort erlebt die katholische Kirche einen regelrechten Boom bei den Erwachsenentaufen. Für Ostern 2025 wurden landesweit rund 10.000 erwachsene Taufbewerber gemeldet. Das ist ein Anstieg von etwa 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr und stellt den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen dar. Rechnet man Jugendliche hinzu, ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 18.000 Neuaufnahmen in die Kirche. Bemerkenswert ist auch hier die Altersstruktur. Rund 42 Prozent der erwachsenen Täuflinge sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Frankreich gehörte mit seiner strengen Trennung zwischen Staat und Kirche für lange Zeit zu den säkularsten Länder Europas. Der Laizismus als Staatsdoktrin gehörte zu den Identifikationsmerkmalen der Franzosen. Nun erlebt das Land eine überraschende religiöse Dynamik. Eine Dynamik, die, wie viele Beobachter nicht ausschließen wollen, eine Antwort auf die Islamisierung der französischen Gesellschaft sein kann. 

Auch in Belgien kommt der Trend an

Unser westlicher Nachbar Belgien verzeichnet ebenfalls steigende Zahlen. Aufgrund der Größe des Landes natürlich auf niedrigerem Niveau. Für das vergangene Jahr meldete die Kirche einen Anstieg der Erwachsenentaufen um rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Mecheln-Brüssel waren es 248 Kandidaten, in Tournai 177, in Lüttich 79 in Antwerpen 57 und in Namur 56. Zur Osterzeit 2026 steigt diese Zahl erneut. Es haben sich 689 Erwachsene für die Taufe in der katholischen Kirche angemeldet. Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, weil sie parallel zu einer hohen Zahl von Kirchenaustritten oder Streichungen aus den Taufregistern verläuft. 

Die belgische Datenschutzbehörde hatte vor einiger Zeit in der Diözese Gent angeordnet, einem Antrag zur Löschung personenbezogener Daten aus den Taufregistern nachzukommen. Die Behörde verwies dazu auf Verstöße gegen die DSGVO. Seitdem existiert diese Möglichkeit in Belgien. Die Entwicklung dort zeigt exemplarisch die Spannung zwischen institutioneller Krise der Kirche und individueller religiöser Suche der Menschen.

Ein Trend in Europa

Für die Schweiz gibt es weniger detaillierte Gesamtzahlen, doch auch hier berichten Diözesen, besonders in der Westschweiz, von steigenden Erwachsenentaufen. Auch hier ereignet sich das vor dem Hintergrund einer stark säkularisierten Gesellschaft. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist konfessionslos. Gerade 30 Prozent der Bewohner der Schweiz sind katholisch. Umso bemerkenswerter ist es, dass auch hier neue Gläubige vor allem aus jüngeren Altersgruppen auf die Kirche zukommen.

Zusammengenommen ergibt sich ein anfanghaftes Bild. In mehreren westeuropäischen Ländern wächst die Zahl erwachsener Konvertierungen oder Bekehrungen zur katholischen Kirche. Diese Entwicklung ist zwar in absoluten Zahlen noch relativ klein im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Dennoch ist ein Trend erkennbar. Merkmale in allen betroffenen Ländern sind der hohe Anteil junger Erwachsener an den Bekehrten. Die Auslöser sind sehr individuell. Es sind persönliche, oft intellektuelle Anreize oder spirituelle Motive. Junge Menschen, die nie mit der Kirche in Kontakt gekommen sind, haben oft kaum Berührungsängste. Beachtlich sind die überall steigenden Zahlen, die Gegenläufig zu einer weiterhin allgemeinen Säkularisierung verlaufen. Optimistische kirchliche Beobachter sprechen gelegentlich von einem leisen Revival oder einer stillen Erneuerung des Glaubens in Europa. Das kann übertrieben sein, es könnte aber auch genau zutreffen.

Neue Erweckungen 

Allein die Tatsache, dass in einem protestantischen Land wie England hunderte Erwachsene zu Ostern in die katholische Kirche aufgenommen werden, ist nicht so leicht zu marginalisieren. Zudem fügt sich der Trend in eine breitere europäische Entwicklung ein. Während zeitgleich auch in ländlichen Regionen traditionelle Bindungen an die Kirche vielerorts schwinden, entdecken gleichzeitig neue Gruppen in vorwiegend urbanen Kontexten den katholischen Glauben für sich. Frankreich zeigt dabei sicher die spektakulärsten Zahlen, doch auch die anderen Zuwächse sind bemerkenswert. Die zu beobachtenden Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Kirche in Europa keineswegs verschwindet, sondern sich unerwartet verändert und in neuen Formen wieder sichtbar wird. Letztendlich ist es eine Frage der Zeit, wann der Trend Deutschland erreichen wird. 

Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock



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