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Zur Neuigkeit
Bischöfliche Zentralbibliothek erhält handschriftliche Bibel im Groß-Folio-Format
Wenn Schrift zur Meditation wird
Regensburg, 1. April 2026
Bibelhandschriften müssen nicht zwangsläufig aus dem Mittelalter stammen. Diese Erfahrung machte unlängst die Bischöfliche Zentralbibliothek. Angeboten wurde ihr aus Privatbesitz zur Übernahme in ihre Bibelsammlung eine auf 410 Blättern im Format 74,5 x 55 cm erstellte Niederschrift des Alten Testaments. Doch nicht allein die Größe beeindruckte bereits bei der ersten Besichtigung im Haus des Spenders, der die Bibel vom Künstler, seinem Vater, vererbt bekommen hat und das Meisterwerk nun, angesichts seines eigenen fortgeschrittenen Alters, in der öffentlich zugänglichen Diözesanbibliothek auf Dauer aufbewahrt wissen möchte.
Die Handschrift besticht sofort durch die akribische kalligraphische Typographie in einer Variante der gotischen Antiqua sowie durch zahlreiche farbige Zeichnungen und Initialen. Doch nicht nur nahezu jede Textseite ist mit Miniaturen illustriert, zum Werk gehören außerdem zehn ganzseitige Tuschemalereien über Szenen aus der Bibel.
Der Sohn, der Diakon i. R. Thomas Payer, hat die Entstehungsgeschichte des Buches zusammengefasst: „Diese Bibel im Format ca. DIN A 1 wurde von meinem Vater Hans Payer, geb. 28. Juli 1921 in Kalsching, Kreis Krummau (heute Chvalšiny, Český Krumlov), zuletzt Rektor an der Gerhardinger-Schule in Stadtamhof (gestorben 7. Februar 1993), in den Jahren 1949 (?) bis 1962 geschrieben. Anlass war der Dank dafür, dass er den Krieg einigermaßen unverletzt überstanden hat. Soweit meine Erinnerung als ältester Sohn (*1948) zurückreicht, hat er nahezu jeden Tag nach Erledigung seiner Lehrerarbeiten den Abend mit Schreiben und Malen zugebracht. Das Aufwendigste war dabei wohl die präzise Fertigung der Zeilen und Freiräume für die Initialen mit Bleistift vor dem Schreiben und mehr als einmal musste außerdem ein Blatt neu begonnen werden, weil versehentlich Tusche darüber gekippt wurde (wahrscheinlich verursacht durch uns Kinder).“
Der angehende Theologe und derzeitige Seminarist des fünften Kurses im Regensburger Priesterseminar, Andreas Gmeineder, hat für die Bischöfliche Zentralbibliothek die Bibel genauer betrachtet und einige ihrer Merkmale festgehalten. Als hauptsächliche Textgrundlage stellte sich die von Paul Rießler 1934 bzw. erstmals 1924 übersetzte „Grünewald-Bibel“ heraus. Eine Ausnahme bilden die Psalmen, für die der sogenannte „Deutsche Psalter“ in der Übersetzung von Romano Guardini verwendet wurde. Von allen Büchern des katholischen Alten Testaments fehlen in der Payer-Bibel lediglich das Buch Kohelet, das Hohelied, das Buch der Weisheit und die kleinen Propheten Nahum und Haggai. Für diese Bücher existieren auf den Seiten 132‒142 aber knappe Einleitungs- und Kommentarblätter. Ausdrücklich verwiesen wird auf die „Kurze Einleitung in die Heiligen Bücher des Alten Testamentes“ von Alois Hudal in der Neubearbeitung von Josef Ziegler. Auf mehreren Seiten finden sich genaue Entstehungsdaten, aus denen sich ablesen lässt, dass der Hauptteil der Bibel zunächst in den Jahren 1948 und 1949 entstanden ist. Weitere Angaben verweisen darüber hinaus auf die Jahre 1950, 1951 und 1952 bis hin zu 1989, 1990 und 1992. Die gesamte Arbeit nahm demnach einen Zeitraum von rund 44 Jahren ein. Besonders bemerkenswert sind häufiger auftretende Notizen, wie zum Beispiel Kurzkommentare, Einleitungen, abschließende Gebete oder liturgische Formeln (etwa Sanctus, Doxologien, Halleluja-Rufe). Solche Einschübe verleihen der Bibelabschrift zugleich einen persönlichen Charakter und sprechen von einer geistigen Auseinandersetzung und Aneignung des Bibeltextes. In diesem meditativen Sinn dürften auch die Illustrationen zu verstehen sein. Sie verbildlichen zum einen das Geschehen, zum anderen geben sie aber auch die persönliche und deutende Sicht des Künstlers wieder. Die mit Deck- und Wasserfarben gemalten Bilder sind überwiegend in einem flächigen Stil geschaffen. Andere – vor allem auf den Seiten 105 bis 144 – scheinen dagegen stärker von der Dynamik des Jugendstils und des Art Deco beeinflusst zu sein.
Flächig sind auch die zehn Ganzbildillustrationen gestaltet. Dargestellt sind 1.) Szenen der Schöpfung, 2.) die Arche Noah, 3.) der Turmbau zu Babel, 4.) Szenen aus der Moses-geschichte, 5.) der Prophet Elias, 6.) Joseph und seine Brüder, 7.) Christus inmitten der himmlischen Heerscharen, 8.) Christus im Kreis der vier Evangelisten und 9.) Christus als Pantokrator auf der Weltkugel. Das zehnte Bild bietet eine beeindruckende kreisförmig angeordnete Gesamtdarstellung des Jesus-Vita von der Geburt bis zur Auferstehung. Auffälligerweise wurde die Kreuzigung ausgespart. Sowohl in kunst- als auch frömmigkeitsgeschichtlicher Hinsicht wäre diese einmalige Bibel eine detaillierte Untersuchung wert.
Text: Dr. Raymond Dittrich, Bildnachweis: © Bischöfliche Zentralbibliothek
















