News Bild Eine Gemeinde ging voller Freude auf Reisen - 450 Teilnehmer fuhren mit dem Sonnenzug nach Dillingen an der Donau

Eine Gemeinde ging voller Freude auf Reisen - 450 Teilnehmer fuhren mit dem Sonnenzug nach Dillingen an der Donau

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Irgendetwas ist an diesem Morgen am Regensburger Hauptbahnhof anders als sonst. Es ist kurz vor acht. Hektische Betriebsamkeit auf Gleis Eins: Die letzten Güter werden noch in den agilis-Zug verladen. Fahrgäste suchen mit leuchtenden Augen ihren Platz im gelben, roten oder blauen Zugabschnitt. Wiedersehensfreude am Bahnsteig. Viele begegnen sich heute nach langer Zeit wieder. Die Anzeigentafel informiert über die Abfahrt des Sonderzuges nach Dillingen um 8.20 Uhr. Die gute Laune wird begleitet von den frohen Klängen der Gewekinger und Hanslberger Musikanten.

Es ist der erste Samstag im Juli: Zeit für den Sonnenzug der Caritas in Regensburg. 450 Teilnehmer, darunter etwa 40 Rollstuhlfahrer, starteten wieder zu diesem gemeinsamen Ausflug nach Dillingen an der Donau, ins „schwäbische Rom“.

Sonnenzug der Caritas fährt zum 46. Mal

Zum 46. Mal bereits organisierte die Caritas diese Urlaubsfahrt für alte und junge Menschen, die gehandicapt sind, Betreuung und Hilfe brauchen, oder sich eine solche Fahrt sonst nicht leisten könnten. Viele Gäste und Helfer sind seit mehreren Jahren mit dabei. Jeder fühlt sich an diesem Tag gleich gut aufgehoben in der großen Sonnenzug-Familie. Dass auch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Landrätin Tanja Schweiger und Landtagsabgeordneter Dr. Franz Rieger persönlich vorbeikamen, um den Ausflüglern gute Wünsche mit auf den Weg zu geben, unterstreicht die Bedeutung dieser Caritas-Aktion.

Pünktlich um 8.20 Uhr ertönte das Startsignal für den Zug. Zwei Stunden Fahrt in angenehm klimatisierten Wagen liegen vor den Reisenden. „Wir sind sehr froh und glücklich, dass die Bahngesellschaft agilis auch heuer wieder kostenlos ihre barrierefreien Züge für den ganzen Tag bereitgestellt hat“, sagte Diözesan-Caritasdirektor Dr. Roland Batz. Er dankte für die gute Partnerschaft, die sich auch an diesem Tag wieder zeige. „Die Zugbegleiterinnen von agilis sind so nett, wir fühlen uns pudelwohl“, war von den Sonnenzüglern zu hören.

 

Solidarität und Gemeinschaft spüren

In Dillingen angekommen, setzte sich die Sonnenzuggemeinde zu Fuß Richtung Studienkirche in Bewegung. Die Polizei regelte den Verkehr. Geduldig ließen die heimischen Autofahrer die Gäste aus Regensburg fast 20 Minuten lang über die erste große Kreuzung ziehen. Ein Höhepunkt beim Sonnenzug ist immer die feierliche Messe mit dem Caritasdirektor. „Es ist wieder ein Tag, an dem wir viele Einrücke sammeln, aber das Wesentliche bleibt doch unsichtbar“, sagte Batz in seiner Predigt. Wieviel Solidarität und Nächstenliebe in der Luft liege, sei heute zu erspüren. „Wer mit wachem Auge auf die Menschen in seiner Umgebung schaut, der kann sensibel werden für Gott; der kann auch ihn spüren und erahnen“, sagte er. Es sei dazu eine glückliche Fügung, dass das Ziel der Fahrt in diesem Jahr Dillingen sei; dorthin, wo der frühere Regensburger Bischof Johann Michael Sailer als Theologe und Priesterausbilder gewirkt hat. Sein Kernsatz „Gott in Christus, das Heil der Welt“ dürfe die ganze Sonnenzuggemeinde begleiten.

Peter Eder fährt zum ersten Mal mit. „Meine Tochter hat gesagt, da schicke ich dich jetzt mal mit“, sagt er. Der frühere Gastwirt stammt aus Mainzbauern im Landkreis Cham. Vor einer Woche feierte er erst seinen 90. Geburtstag. Vor etwa sechs Jahren verlor er seine Frau. Die drei Kinder sind erwachsen und schon lange aus dem Haus. Er kann zuhause noch alleine wohnen. Seit gut einem Jahr ist Peter Eder allerdings auf einen Rollstuhl angewiesen. Der gelernte Bierbrauer lässt sich beim Mittagessen mit prüfendem Blick und feinem Näschen sein Weißbier schmecken. Peter Eder freut sich, dabei zu sein, genießt einfach die Gemeinschaft. Und ein besonderes Erlebnis hat er parat: „Ich bin heute das erste Mal seit 50 Jahren wieder mal mit der Eisenbahn gefahren“, sagt er.   

 

Helfen schenkt Freude

Dass die Menschen diesen Tag so unbeschwert genießen können, ist den knapp 90 freiwilligen Helfern von Caritas und Malteser Hilfsdienst zu verdanken. Prominente Ärzte sind den ganzen Tag mit dabei und machen ganz selbstverständlich und mit Freude Sanitätsdienst, schieben schon mal einen Rollstuhl. Zehn Schülerinnen aus dem Regensburger St.-Mariengymnasium begleiteten im Rahmen eines Schulprojekts den Sonnenzug zum ersten Mal und waren begeistert: „Das ist noch viel besser als wir uns das vorher vorgestellt haben“, sagen sie unisono. „Es macht einfach nur Riesenspaß, den Leuten zu helfen und ihnen dabei in die Augen zu schauen“, sagen Paulina Arndt und Karola Wellek.

Vor der Reise hatten die Englischen Fräulein bei Herbert Scheuerer, ein Malteser mit Leib und Seele, ein kleines Rollstuhl-Fahrtraining absolviert. Scheuerer hat bisher fast alle Sonnenzüge mitgemacht. Zusammen mit Dieter Bernd und Werner Winkler vom Malteser Hilfsdienst ist er in der Einsatzleitung tätig. „Wir sind immer auf alle Eventualitäten vorbereitet, haben alles dabei und arbeiten im Team von Caritas und Malteser Hand in Hand“, sagt er. Die größte Freude sei es für ihn zu sehen, wenn die jungen Leute sich für die älteren engagieren und dabei richtig glücklich aussehen.

 

Kraft für den Alltag tanken

Der Nachmittag bot den Gästen die Möglichkeit, die Stadt zu besichtigen, geführt oder auf eigene Faust. Ein Konzert auf der berühmten Sandtner-Orgel in der Basilika St. Peter ließ die Sonnenzügler noch einmal zur Ruhe kommen und bildete den klangvollen Abschluss des Aufenthaltes in Dillingen. Das Sonnenzug-Sextett erfreute im Zug die Gäste mit Lieder zum Mitsingen und Mitschunkeln.

Pünktlich, wie bei agilis üblich, lief der Zug am Abend um 19.50 Uhr in Regensburg wieder ein. Da war sie wieder, diese hektische Betriebsamkeit am Bahnsteig von Gleis 1. Irgendwie wurde man unweigerlich an den Anfang der Reise erinnert. Nur eines war anders: die Augen der Teilnehmer schienen noch heller zu leuchten. Mit vielen neuen Eindrücken vom Tag und manch neuer Freundschaft ging es gestärkt zurück in den Alltag.