News Bild Ein Ort der Brüderlichkeit und des Friedens - Frühere Sulzbacher Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eingeweiht

Ein Ort der Brüderlichkeit und des Friedens - Frühere Sulzbacher Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eingeweiht

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(pdr) „Sie soll Brücken bauen und uns dadurch mit anderen kulturellen Einrichtungen verbinden. Sie soll erinnern an das gute Miteinander von katholischen, evangelischen und jüdischen Gläubigen im 19. Jahrhundert“. Das sind einige der Aufgaben – genannt vom 1. Bürgermeister Michael Göth – für die sanierte frühere Synagoge Sulzbach, die künftig eine Stätte der Erinnerung und Begegnung sein sollte. Am letzten Tag im Januar fand nachmittags die feierliche Einweihung des Gebäudes statt.

Viele Repräsentanten der Religionen und Kirchen, von Politik und Gesellschaft fanden sich ein, um dieser Feier beizuwohnen. In über fünf Jahre Planungs- und Bauzeit wurde die in den letzten Jahrzehnten als Lagerraum und Wohnung genutzte ehemalige Synagoge saniert und restauriert, sodass das Gebäude nun seiner neuen Bestimmung übergeben werden konnte. Ganz besonders hatte Sulzbach-Rosenbergs Altbürgermeister Gerd Geismann dieses Projekt verfolgt, und er freute sich natürlich über das gelungene Bauwerk.

Sein Nachfolger im Amt des 1. Bürgermeisters von Sulzbach-Rosenberg, Michael Göth, konnte unter den Gästen Jack Terry aus New York, Sprecher der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg, willkommen heißen. Göth wies auf die durch einen Brand im Jahr 1822 weitgehend vernichtete frühere Synagoge aus dem Jahr 1740 hin und erwähnte die Einweihung der dann neu erbauten Synagoge am 31. August 1827 und ging auf die Historie des Gebäudes im 20. Jahrhundert ein. „Mit dem Ankauf im Jahr 2008 und der jetzt abgeschlossenen Sanierung der ehemaligen Synagoge erstrahlt nun ein weiteres Juwel unserer Stadt in neuem Glanz“, freute sich das Stadtoberhaupt. Toleranz, Offenheit und gegenseitige Wertschätzung sollen von ihr ausgehen.

Die Segnung des Gebäudes durch Vertreter von drei Religionen/Konfessionen nahmen der aus Sulzbach-Rosenberg stammende und in München tätige Rabbiner Elias Josef Dray, der evangelische Dekan Karlhermann Schötz und der katholische Dekan Walter Hellauer, Stadtpfarrer von St. Marien in Sulzbach-Rosenberg, vor. Dray erläuterte, dass „Synagoge“ eigentlich „Haus der Versammlung“ heiße. „Die Synagoge ist nicht nur ein Ort, an dem wir beten. Wir gehen auch in die Synagoge, um mit Freunden zusammen zu sein – einer ist für den anderen da“, verdeutlichte Rabbiner Dray. Damit stehe das Gebäude neben dem gemeinsamen Gebet auch für die Nächstenliebe. „Eine Synagoge ist ein Ort der Brüderlichkeit, wo auch die Religionen miteinander sprechen, voneinander sehen und lernen, ja sich austauschen sollen – auch zum Abbau von Vorurteilen und um sich gegenseitig besser zu verstehen“, erläuterte der Rabbiner. Seine Heimatstadt, auf die er stolz ist, habe „ein Zeichen gesetzt, dass sie sich an das reiche jüdische Erbe erinnern will. Möge die Synagoge ein Ort sein, an dem wir viel Frieden und Verständnis finden“. Dekan Schötz fragte, warum die Christen bzw. Kirchen im Dritten Reich zu den Untaten des NS-Regimes geschwiegen bzw. zu wenig Widerstand geleistet haben. „Die Restauration zeigt, dass jüdische Mitbürger das Leben dieser Stadt hervorragend geprägt haben wie auch der christliche Glaube. Seien wir dankbar, dass wir jetzt zu dritt im Gebet diese Einweihung vornehmen können und der Geist von Toleranz und Verbundenheit von Juden und Christen damit offenkundig wird“, wandte er sich gegen rechte Ideologien. Dies griff auch Dekan Hellauer auf, der die Kurzgeschichte „Saisonbeginn“ von Elisabeth Langgässer als Ausgangspunkt nahm.

"Christen und Juden sind unauflösbar miteinander verbunden durch den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs - unseren Schöpfer und Befreier", sagte Dekan Walter Hellauer. Auch erinnerte der Dekan an Papst Johannes Paul II., der schon in seiner Kindheit mit Juden befreundet war und als erster Papst am 13. April 1986 die Synagoge in Rom besucht hat. Dort habe er den Christen ins Stammbuch geschrieben: "Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas ,Äußerliches´, sondern gehört in gewisser Weise zum ,Inneren´ unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen, wie zu keiner anderen Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder, und so könnte man sagen, unsere älteren Brüder."

Im Festvortrag beleuchtete Prof. Dr. Rosmarie Zeller, Präsidentin der Christian Knorr von Rosenroth-Gesellschaft, die Rolle Franciscus Mercurius van Helmonts bei der Ansiedlung der Juden in Sulzbach. Die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses Dr. h.c. Charlotte Knobloch sprach von einem „Signal der Verantwortung“, die Sanierung dieser Synagoge ist für sie ein „starker Akt der Versöhnung, der Erinnerung und eindeutiger Ausdruck der Botschaft: Wir haben verstanden! Nie wieder sollen Hass und Menschenverachtung eine Chance haben“, so Knobloch. Für den Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Bernd Sibler, ist dieser Einweihung „ein schönes Symbol für jüdische Kultur und jüdisches Leben in Deutschland“. Er sieht als Funktion der Synagoge, ein klares Nein „gegen Antisemitismus, Extremismus und jede Form von Gewalt“ zu setzen.

Auf die bereits seit 1300 nachgewiesene Geschichte der Juden in Sulzbach ging in seinem Grußwort der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster ein. Er schilderte auch aktuelle Entwicklungen bei den Juden in Bayern und äußerte sich kritisch zur aktuellen Beschneidungsdiskussion. „Das ist für uns eine nicht verhandelbare Voraussetzung für jüdisches Leben.“ Seinen ganz persönlichen Bezug zur Synagoge sowie seine Initiative in dieser Sache während seiner Tätigkeit als Stadtoberhaupt schilderte Atbürgermeister Gerd Geismann. „Die Synagoge habe ich nie vergessen. Sie führte zwar ein Schattendasein, aber nicht bei mir. Sie wird auf Dauer nicht veröden, das schwor ich mir“, führte er aus. Und wie letztlich das über Jahrzehnte als Lagerraum und Wohnung genutzte Haus zur Erinnerungs- und Begegnungsstätte saniert und restauriert wurde, zeigte anhand von vielen Fotos eindrucksvoll Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn.