News Bild „Ein junger Mensch will gebraucht werden“ – Interview mit Christian Kalis, dem neuen Jugendpfarrer im Bistum Regensburg

„Ein junger Mensch will gebraucht werden“ – Interview mit Christian Kalis, dem neuen Jugendpfarrer im Bistum Regensburg

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Domvikar Christian Kalis ist der neue Jugendpfarrer im Bistum Regensburg (im Bild links). Er leitet damit das Bischöfliche Jugendamt und ist zugleich Präses des BDKJ-Diözesanverbands. Der BDKJ ist der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Am 1. September wurde C. Kalis von Bischof Rudolf Voderholzer zum Domvikar ernannt. Am Samstag, 23. September, hat ihn die Diözesanversammlung des BDKJ ins Amt gewählt. Gleichzeitig wurde sein Vorgänger Thomas Helm, der ebenfalls als Domvikar wirkte, aus seinem Amt verabschiedet.

Herr Domvikar Kalis, Sie sind ja eigentlich schon mittendrin in der Arbeit, kann man sagen…

Seit dem 1. September tatsächlich mittendrin. Die verbandliche Seelsorge ist mir bekannt. 2011 war meine Priesterweihe und danach kam eine relativ kurze Kaplanszeit. Zwei Jahre Amberg, ein Jahr Straubing, und dann bin ich schon in die verbandliche Jugendseelsorge gegangen. Ich war jetzt drei Jahre lang Diözesanseelsorger für die Katholische Landjugendbewegung und die Katholische Landvolkbewegung. Ich habe das Gefühl, dass mir das den Einstieg ins Jugendamt erleichtert, weil wir da auch die zwei Säulen haben: zum einen das Jugendamt mit den Jugendstellen als Außenstellen und zum anderen eben die Jugendverbände, die unter dem Dach des Jugendamts arbeiten.

Welcher Aspekt Ihrer früheren verbandlichen Arbeit bringt ihnen denn besonders viel?

Dass man im Umgang mit den Jugendlichen nicht primär in diesem hierarchischen Denken ist, das die Kirche oft hat, sondern dass ich mich vielmehr als einer von vielen zähle. In der Leitungsverantwortung im Jugendverband gibt es ehrenamtliche Vorsitzende und den geistlichen Begleiter, der aber auch im Vorstand nur eine Stimme von vielen hat.

Jetzt leiten Sie bereits, wie Sie selbst gesagt haben, seit dem 1. September das Jugendamt. Lässt sich schon sagen, in welche Richtung sich Ihre Arbeit entwickeln wird?

Im Jugendamt ist vieles natürlich mit Verwaltungsarbeit verbunden. Wir stellen gerade zum Beispiel neues Personal ein. Und dann aber auch die Vorbereitung der Ministrantenwallfahrt für das nächste Jahr. Eine Reise nach Myanmar wird momentan geplant. Wir denken voraus zum Weltjugendtag 2019, der schon im Januar ist. Das sind so große Ereignisse, die einen langen Vorlauf brauchen. Und es gibt den Kontakt direkt zu den Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Was liegt Ihnen persönlich am Herzen in der neuen Arbeit?

Schon die Seelsorge. Eben in anderer Form, als ein Pfarrer vor Ort in der Pfarrei es machen kann. Sondern in der Form, Ansprechpartner für die jungen Leute zu sein und die Interessen der jungen Leute wahrzunehmen und zu vertreten. Bei der Personalsuche, die ich gerade erwähnt habe, habe ich natürlich im Hinterkopf: Kann diese Bewerberin, dieser Bewerber später dann gut umgehen mit unseren Jugendlichen? Kann er die Interessen der uns anvertrauten Menschen wahren?

Um den Interessen gerecht zu werden: worauf muss man denn ganz besonders achten bei der Jugendarbeit?

Zunächst sind es Menschen wie jeder andere, da unterscheiden sich junge Leute nicht von Erwachsenen. Sie haben halt andere Schwerpunkte, andere Themen in ihrer Lebensphase, die sie beschäftigen. Für sie muss man sich interessieren und da wollen sie wahrgenommen und ernst genommen werden. Und wenn sie das Gefühl haben, „der interessiert sich wirklich für mich“, stehen einem die Türen offen.

Was sind das für Themen aktuell?

Wenn ich an die Bundestagswahl denke: Die jungen Leute, die sich bei uns engagieren, nehmen Anteil an der Zukunft Deutschlands. Sie interessieren sich für politische Aussagen. Ich glaube, dass sie auf diesem Weg auch Einfluss nehmen können. Was uns als Christen wichtig ist, das tragen sie in ihren Kreis hinein.

Haben Sie aus Ihrer vorpriesterlichen Zeit auch schon Erfahrung mit Jugendlichen gesammelt?

Ich war beim Arbeitsamt die letzten zwei Jahre Arbeitsvermittler für Jugendliche ohne Ausbildungschancen. Das war eine schwierige Klientel. Damals war die Arbeitsmarktlage noch eine andere. Ein junger Mensch will gebraucht werden. Da war bei manchen das Gefühl da: „Ich geh unter in der Gesellschaft. Vielleicht reicht meine Begabung nicht im Vergleich zu anderen. Ich bin wertlos.“ Und den Menschen dann das Gefühl zu geben, auch Du wirst gebraucht, auch auf Dich kommt es an – das ist nicht unterschiedlich zu der Arbeit jetzt in der Kirche. Das waren wirklich schwierige junge Leute, denen man auch manchmal auf die Füße treten musste. Sie kamen aus einem entsprechenden sozialen Umfeld. Aber als mal jemand an die Tür geklopft hat und ohne Termin dastand und gefragt hat: „Herr Kalis, haben Sie mal einen Augenblick Zeit für mich, ich hätte was mit Ihnen zu besprechen“ – das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Ich habe gemerkt: Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört. Und diese Zeit will ich mir auch in Zukunft nehmen, die muss einfach drin sein. Bei der Ministrantenwallfahrt oder dem Weltjugendtag ist natürlich immer viel zu organisieren. Aber ich bin auch als Jugendpfarrer dabei, um das Ohr bei den jungen Leuten zu haben. Papst Franziskus interessiert sich für die Anliegen der jungen Menschen. Die Bischofssynode ist einberufen zu den Fragen der Jugend. Wenn er hinhört, muss ich erst recht hinhören.

Die Fragen stellte Katharina Winterlich.