papst benedikt im papamobil

Ein bedeutendes Ereignis vor 20 Jahren: Papst Benedikt XVI. in Regensburg

„Wer glaubt, ist nie allein“


Regensburg, 7. September 2026 

In diesen Tagen jährt es sich zum zwanzigsten Mal, dass Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Apostolischen Reise in seine bayerische Heimat (vgl. Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nach München, Altötting und Regensburg 9. bis 14. September 2006. Predigten, Ansprachen und Grußworte, Bonn 2006) auch Regensburg besucht hat. Am 12. September feierte der Papst mit unzähligen Menschen auf dem Islinger Feld die Heilige Messe. Am Nachmittag desselben Tages hielt Benedikt XVI. an der Universität vor Vertretern der Wissenschaft seine berühmt gewordene Vorlesung („Regensburger Rede“) und am Abend feierte er mit Vertretern anderer Konfessionen im Dom eine ökumenische Vesper. Dieses herausragende Ereignis soll als Anlass dienen, einige Grundüberzeugungen Papst Benedikts XVI. in Erinnerung zu rufen. 

Dienst an der Wahrheit 

Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch hat darauf hingewiesen, dass Joseph Ratzinger seine Theologie immer „als Mit-Denken mit der ganzen Kirche und als kirchlichen Dienst an der objektiven Wahrheit des Glaubens“ verstanden hat. Jesus Christus hat sich „als Liebe und als Logos“ offenbart. Im Dienst an der glaubwürdigen Bewährung dieses Bundes zwischen Liebe und Vernunft „liegt das große Erbe, das Joseph Ratzinger als Theologe und als Papst hinterlässt“ (vgl. Kurt Kardinal Koch, Bund zwischen Liebe und Vernunft. Das theologische Erbe von Papst Benedikt XVI., Freiburg 2016). 

Volk Gottes vom Leib Christi her 

Die Kirche ist Volk Gottes vom Leib Christi her. Joseph Ratzingers Theologie ist – so Kardinal Koch – „im Kern Offenbarungstheologie“. Gerade in seiner Lehre von den Letzten Dingen (Eschatologie) zeigt sich, dass Benedikt XVI. eine personbezogene Theologie im Dienst an der Glaubensfreude entwickelt hat. Die Schönheit der Heiligkeit und die Schönheit der Kunst öffnen den Weg zum Geheimnis der Schönheit Gottes. Das Zweite Vatikanische Konzil bildet den „roten Faden“ im Leben Papst Benedikts XVI., der sich als „ein ganz konsequenter Papst“ dieses Konzils erwiesen hat und als „großer Interpret“ des Zweiten Vatikanums in die Geschichte eingehen wird. 

Benedikt XVI. und die Ökumene 

Benedikt XVI. hat es als „vorrangige Verpflichtung“ des Petrusnachfolgers gesehen, mit allen Kräften an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller Jünger und Jüngerinnen Christi zu arbeiten. Sein Pontifikat war „konsequent ökumenisch“, weil es „ein ganz christozentrisches und evangelisches Pontifikat“ gewesen ist (vgl. K. Koch, Einheit in Christus und in seinem Leib. Ökumenisches Lehramt im Pontifikat von Papst Benedikt XVI., in: ders., Bund zwischen Liebe und Vernunft, S. 141-165). Es gibt eine „innere Nähe“ Joseph Ratzingers zur orthodoxen Theologie. Diese besteht darin, dass Benedikt XVI. mit der Orthodoxie die Anerkennung des Glaubens und der kirchlichen Struktur des ersten Jahrtausends als Kriterium für die Bewährung von Glauben und kirchlichem Leben auch in der Gegenwart teilt. Die Begegnung zwischen dem biblischen Glauben und dem griechischen Denken, die gleichsam ein Werk der göttlichen Vorsehung gewesen ist, stellt die Vernunft auch heute vor neue Herausforderungen. 

Maria und Mission 

Kardinal Koch weist darauf hin, dass in der Sicht Benedikts XVI. der Gottesmutter eine wesentliche Bedeutung im Missionsauftrag der Kirche zukommt (vgl. K. Koch, Stern der Neuevangelisierung. Marianische Dimension des Missionsauftrags in der Sicht von Benedikt XVI., in: ders., Bund zwischen Liebe und Vernunft, S. 209-229): In seiner Predigt bei der Eröffnung der Bischofssynode im Oktober 2012 hat Papst Benedikt XVI. der Gottesmutter den Titel „Stern der Neuevangelisierung“ zugesprochen. Zwischen dem marianischen Glaubensgeheimnis und der Dynamik der missionarischen Tätigkeit der Kirche besteht eine große Übereinstimmung. Die Konzilspäpste Johannes XXIII. und Paul VI. haben das Zweite Vatikanische Konzil unter einer „marianischen Leitperspektive“ gesehen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Johannes XXIII., dass das Zweite Vatikanum – gemäß dem damaligen liturgischen Kalender – am Fest der Mutterschaft Marias eröffnet wurde. Zwischen der Mission Christi und der Sendung seiner Mutter besteht eine tiefe innere Einheit. Die Mission der Kirche müsse mit einem „marianischen Notenschlüssel“ versehen werden. Neuevangelisierung ist die Konsequenz, die sich aus der Freude am Glauben gleichsam von selbst ergibt (vgl. J. Kreiml [Hg.], Neue Ansage des Glaubens. Papst Benedikt XVI. und das Projekt der Neuevangelisierung, Regensburg 2012). Die Heiligen, die wahren Repräsentanten der Kirche, sind authentische Interpreten des Wortes Gottes und glaubwürdige Zeugen des Evangeliums. Theologie und Spiritualität müssen sich gegenseitig befruchten. 

Die Gottesfrage wachhalten 

Kurt Kardinal Koch, der das Wirken von Papst Benedikt seit Jahrzehnten intensiv wahrgenommen hat, ist der Überzeugung, dass Benedikt XVI. die Kirche vornehmlich „durch sein Lehren“ geleitet hat. Darin besteht das hauptsächliche Erbe seines Pontifikates. Der Papst aus Bayern wird als einer der großen Kirchenlehrer in Erinnerung bleiben. Wenn die Wahrheit nur eine mathematische Formel wäre, würde sie sich von selbst aufdrängen. Weil sie jedoch Liebe ist, verlangt sie den Glauben. „Im klaren Bewusstsein, dass die Frage nach Gott für die Zukunftsfragen der Menschheit von grundlegender Bedeutung ist, hat Papst Benedikt mit seinen großen Reden wesentlich dazu beigetragen, dass die Gottesfrage in den modernen Gesellschaften wachgehalten wird“ (K. Koch, Bund zwischen Liebe und Vernunft, S. 234). Die „entscheidende Herzmitte“ seines Pontifikats besteht darin, dass Christus im Zentrum seiner Verkündigung stand. 

Reine und lautere Menschlichkeit 

Über seine Kindheit bemerkt Joseph Ratzinger einmal, dass in dieser Zeit (1934) Bruder Konrad von Altötting heiliggesprochen wurde. Der spätere Papst betrachtet es als „merkwürdige Fügung“, dass die Kirche im Jahrhundert des Fortschritts und der Wissenschaftsgläubigkeit sich selbst in ganz einfachen Menschen am meisten dargestellt fand. Der „helle Blick für das Wesentliche“ ist auch heute den Geringen gegeben. „Ich wüsste keinen überzeugenderen Glaubensbeweis als eben die reine und lautere Menschlichkeit, in die der Glaube meine Eltern und so viele andere Menschen, denen ich begegnen durfte, hat reifen lassen“ (Joseph Kardinal Ratzinger, Aus meinem Leben. Erinnerungen [1927-1977], Stuttgart 1998, S. 133). Schon als Schüler war Joseph Ratzinger von der katholischen Liturgie tief berührt. „Immer klarer wurde mir, dass ich da einer Wirklichkeit begegnete, die nicht irgendjemand erdacht hatte“ (ebd., S. 23). 

Gott in dieser Welt glaubhaft machen 

Am 1. April 2005, einen Tag vor dem Heimgang Papst Johannes Pauls II., hat der damalige Kardinal Ratzinger in Subiaco einen Vortrag über das christliche Erbe Europas gehalten. Die europäische Aufklärung dürfe ihre christliche Herkunft nicht verleugnen. In der Debatte über die Definition Europas – etwa bei der Frage, ob die christlichen Wurzeln Europas in der europäischen Verfassung genannt werden sollen – ist eine große Verantwortung für die Menschheit wahrzunehmen. Nicht die Erwähnung der christlichen Wurzeln Europas in der europäischen Verfassung verletzt die Angehörigen anderer Religionen, sondern „der Versuch, eine menschliche Gemeinschaft völlig ohne Gott zu schaffen“. Der wahre Gegensatz, der die Welt von heute charakterisiert, besteht nicht zwischen den verschiedenen religiösen Kulturen, sondern zwischen der radikalen Emanzipation des Menschen von Gott, von den Wurzeln des Lebens auf der einen Seite und den großen religiösen Kulturen auf der anderen Seite. Joseph Ratzinger beendet seinen Vortrag in Subiaco mit folgenden Worten: „Was wir in diesem Moment der Geschichte vor allem brauchen, sind Menschen, die Gott durch einen erleuchteten und gelebten Glauben in dieser Welt glaubhaft machen. Das negative Zeugnis von Christen, die zwar von Gott gesprochen, aber gegen ihn gelebt haben, hat das Bild Gottes verdunkelt und dem Unglauben die Tore geöffnet. Wir brauchen Menschen, die den Blick geradewegs auf Gott richten und von dort die wahre Menschlichkeit begreifen. Wir brauchen Menschen, deren Verstand vom Licht Gottes erleuchtet und deren Herz von Gott geöffnet wird, so dass ihr Verstand zum Verstand der anderen spricht und ihr Herz die Herzen der anderen öffnen kann“ (zitiert nach: Die Tagespost Nr. 57 vom 14.05.2005, S. 9).

Text: Domkapitular Prof. Dr. Josef Kreiml, Leiter der Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg, Foto: altrofoto
(jas)

 

 



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