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Durch das Kirchenjahr: Sportplatz des Glaubens

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… mit Benedikt:

 

26. Sonntag im Jahreskreis C – Erster Timotheusbrief 6,11-16

Sportwettkämpfe haben für mich immer etwas Bedrückendes. Ein 100-Meter-Lauf ist ziemlich schnell vorbei. Ebenso ein Hochsprung: Innerhalb von Sekundenbruchteilen streift der Athlet die Stange und hat verloren. Zwischen Sieg und Niederlage liegt ein Wimpernschlag. Das kann eine kurze Verzögerung bei der Skiabfahrt sein, ein verpasster Tennisball, ein zu kurzer oder zu niedriger Sprung – und schon ist das Turnier vorbei, vielleicht sogar die ganze Karriere.

Nicht umsonst stehen Hochleistungssportler unter einem so hohen Druck. Etwas beängstigend vielleicht, dass im Neuen Testament die christliche Existenz gerade mit Sportlern verglichen wird. Im Timotheusbrief, aus dem wir an diesem Sonntag die zweite Lesung hören, wird direkt ein Bischof angesprochen. Im Gegensatz zu den anderen Briefen des Neuen Testaments wird nicht zu einer ganzen Gemeinde gesprochen, sondern zu Timotheus, einem einzelnen Mann: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben“ (6,12). Dieser Ausdruck erinnert sehr stark an einen sportlichen Wettkampf. An anderer Stelle im Neuen Testament wird der Apostel Paulus noch deutlicher: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!“ (1. Korintherbrief 9,24). Alle laufen, aber nur einer gewinnt. Man möchte hinzufügen: Dieser eine gewinnt vielleicht aus Glück; weil er vielleicht einen guten Tag hatte, im Gegensatz zu allen anderen Läufern nicht sehr aufgeregt war oder die Nacht durschlafen konnte. So also soll christliches Leben sein?

In den beiden Briefen geht es wohl um etwas anderes, wenn darin Metaphern aus dem sportlichen Bereich bemüht werden. Es ist der Lebenswandel eines Profis, die Vorbereitung auf die Wettkämpfe. Wer eine Sportart beruflich betreibt, muss sich ganz auf dieses Ziel konzentrieren. Ein Fußballspieler der ersten oder zweiten Liga kann sich nicht einfach einmal frei nehmen und auf das Training verzichten. Sechs Wochen ohne Training können unverzeihliche Folgen nach sich ziehen. Der Fußballspieler wird zudem ganz klare Ziele haben. Je nachdem, wo seine Mannschaft gerade steht, wird er sich vornehmen, Meister zu werden, die Champions-League-Qualifikation zu schaffen oder den Klassenerhalt zu stemmen.

So sollen auch wir Christen leben. Das Ziel – das Reich Gottes – beständig vor Augen behalten wie ein Athlet, der seinem Ziel alles unterwirft und alles tun wird, um dem sportlichen Siegespreis näher zu kommen. Im Timotheusbrief wird dieser von den Christen geforderte Kampf dann noch weiter beschrieben: Es ist der „gute Kampf des Glaubens“ (6,12). Das zeigt, dass es sich nicht um einen militärischen, gewaltsamen Kampf handelt und auch nicht um einen Boxkampf, an dessen Ende Schmerzen und ein blaues Auge stehen. Es ist ein guter Kampf für das ewige Leben. Diesen guten Kampf – vielleicht dürfen wir auch sagen: der Kampf für das Gute? – haben wir jeden Tag aufs Neue auszutragen. Es ist ein Kampf gegen die Sünde, ein Kampf gegen Strukturen in dieser Welt, die unterdrücken und ausgrenzen, die Menschen an den Rand stellen und verächtlich machen.

Dieser Kampf für das Gute fordert einen hohen Tribut, der letztlich wohl wirklich mit dem eines Profisportlers vergleichbar ist. Er fordert unseren ganzen Einsatz. Das Ziel müssen wir beständig vor Augen haben und täglich trainieren. Die Mühen aber sollen sich lohnen, denn im Korintherbrief schreibt Paulus: „Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen“ (9,25).