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Durch das Kirchenjahr: Lebenswandel

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… mit Benedikt:

 

Siebter Sonntag der Osterzeit – Apostelgeschichte 7,55-60

Stephanus soll gesteinigt werden. Mit der Behauptung, er habe Gott gelästert, wird der Diakon in Jerusalem vor den Hohen Rat gezerrt. Es geht für ihn um Leben und Tod. Daraufhin hält Stephanus eine lange Verteidigungsrede vor dem Rat, in der er die ganze Geschichte Israels mit ihrem Gott rekapituliert: Von Abraham über Josef, der nach Ägypten verschleppt wurde, bis zu Mose, der sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt hat. Der Vorwurf am Ende lautet: Immer schon habe man in Israel die Propheten verfolgt. Diese Aussage bringt das Fass zum Überlaufen.

Der Zorn des Hohen Rates entbrennt gegen Stephanus. Dieser aber sieht den geöffneten Himmel, die Herrlichkeit Gottes und Jesus an seiner Seite. Der Diakon ruft: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Mit diesem Satz scheint Stephanus sich der letzten Möglichkeit zu berauben, den Konflikt einigermaßen friedlich beizulegen und sein Leben zu retten. Kein Chance mehr: Stephanus wird gesteinigt. Am Rande des Geschehens steht ein Mann, der Saulus heißt. Nichts weiter sagt die Apostelgeschichte an dieser Stelle zu diesem Mann.

Nur kurz darauf aber wird von der Bekehrung eben jenes Saulus berichtet. Er war auf dem Weg nach Damaskus, um auch dort die Anhänger Jesu zu verfolgen. Auf diesem Weg sieht er den Herrn, erlebt Christus als den von den Toten Auferstandenen. Dieses Berufungserlebnis ist so gewaltig, dass Saulus, der sich von nun an Paulus nennt, sich selbst als einen „Apostel“ begreifen kann. Aus dem Verfolger des „Weges“, wie die Kirche in der Apostelgeschichte bezeichnet wird, wird einer seiner glühendsten Verfechter. Er bringt das Evangelium Jesu in die griechischsprachigen Städte und am Ende sogar bis nach Rom. Dort wird er für sein Bekenntnis zu Jesus sterben. Der Verfolger wird zum Verfolgten, der Mörder zum Ermordeten.

„Vom Saulus zum Paulus“ sagen wir noch heute, wenn wir eine besonders krasse Änderung des Lebens beschreiben wollen. Deutlicher könnte der Kontrast nicht sein. Die Briefe des Völkerapostels machen einen großen Teil des Neuen Testaments aus. Wer hätte das gedacht? Saulus selbst wohl nicht. Sein Leben aber ist ein Beweis für die unendliche Güte Gottes. Bei ihm kann es keine ganz verlorenen Menschen geben. Bei ihm kann niemand so tief sinken, dass er aus dem Blickfeld Gottes verschwinden würde, nicht mehr zählen würde. Im Gegenteil: Wie Gott dem einen verlorenen Schaf nachsteigt, führt er Saulus zu sich, beruft den, der sich selbst als „Missgeburt“ bezeichnet (1. Korintherbrief 15,8). Paulus schreibt: „Ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“ (15,9)

Und doch wird er berufen und doch wird er Apostel genannt. Diese Logik Gottes müssen wir Menschen nicht immer verstehen, manchmal können wir es auch gar nicht. Es bleibt aber die Zuversicht: Bei Gott kann man nie wirklich verloren gehen. Die Möglichkeit zur Umkehr besteht immer – und wäre die Sünde noch so groß. Diese Zuversicht war in der Osternacht im Exsultet, dem großen Lob auf die Osterkerze, erklungen – und hallt die ganze Osterzeit nach.