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Durch das Kirchenjahr: Jesus, denk an mich

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… mit Benedikt:

Christkönig C – Lukas 23,35b-43

Ein Jahr lang haben wir in den Gottesdiensten vieler Sonntage und Feiertage Lesetexte aus dem Lukasevangelium gehört. Diese Phase – das Lesejahr C – endet mit diesem Sonntag. Wir haben im Verlauf des Jahres die berührende Erzählung von der Geburt des Messias gehört. Wir haben seine Geschichte nachvollziehen können: Seine Predigten und Gleichnisse, sein Verhältnis zu den Jüngern, sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Wir hörten die berühmten Gleichnisse vom barmherzigen Vater, dem gerissenen Verwalter, dem armen Lazarus. Das Ziel des Evangeliums, das Ziel der Predigt Jesu: Wir sollen erfahren, wie der Vater ist.

Er ist barmherzig wie der Samariter, unerbittlich wie die arme Witwe, die ihr einziges Geldstück verloren hat, gerecht, wie Menschen es nicht sein können. Vieles haben wir über den Vater gehört. Wer den Sohn sieht, sagt Jesus, der sieht den Vater. Und was sehen wir an diesem Sonntag? Eigentlich feiern wir den Herrn als den König des Alls, als den Anfang und das Ende. Im Evangelium begegnet uns aber ein ganzes anderes Bild vom Herrn. Wir hören von seiner Kreuzigung und müssen damit schon wieder – nicht zum ersten Mal in diesem Jahr – Widersprüche ertragen.

Jesus ist am Ende, er hängt am Kreuz, hat den Tod vor Augen, leidet Qualen. Die Menschen, die um ihn herumstehen, haben nichts als Spott für ihn übrig. „Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte“ (23,35b). In die gleiche Kerbe schlagen auch die Soldaten und scheint auch ein Schild zu schlagen, das über dem Kreuz angebracht ist und die Schuld des zum Tode verurteilten angibt: „Das ist der König der Juden“ (23,38). Dieser Satz könnte schmerzhafter nicht sein. Es scheint nicht zu genügen, dass der Mann am Kreuz unsagbare Schmerzen erleidet, er muss auch noch verhöhnt und verspottet werden.

Gleichzeitig könnte der Satz aber wahrer nicht sein. Ja, an diesem Holz hängt ein König. An diesem Holz hängt das ewige, Mensch gewordene Wort Gottes. Er hängt dort nicht in den Insignien seiner Macht, sondern nackt. Seine Macht wird nicht sichtbar, sondern unsichtbar. Der heilige Thomas von Aquin schreibt in seinem Hymnus „Gottheit tief verborgen“: „Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.“ Hier ist ein Mensch zu sehen. Ein Mensch in allem Scheitern, aller Schwachheit, allem Schmerz.

Und doch hängt hier, so verborgen, auch ein König. Lukas berichtet von zwei Verbrechern, die an der Seite Jesu sterben. Einer verhöhnt ihn. Der andere scheint zu begreifen. Er sagt: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (23,42). Es ist das Reich, das den menschlichen Augen verborgen bleibt. Das Reich, über das Jesus zu Pilatus sagt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36). In all dem Schmerz dieser Kreuzigungsszene scheint ein wenig durch, was die Berufung des Herrn ist. „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18,37). Ja, er ist ein König. Ein König, an den auch wir stets die Bitte des Schächers richten dürfen: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“