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Durch das Kirchenjahr: Handwerker Gottes

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…mit Benedikt.

 

Markus 9,2-10

Ich bin kein begabter Handwerker. Nein, falsch: Mir mangelt es schon an der kleinsten handwerklichen Begabung. Ich kann quasi nichts. Nicht, dass ich hier zu stark mit mir selbst ins Gericht ginge. Jeder, der mich kennt, weiß das nicht nur, sondern wird es auch noch gerne und nachdrücklich bestätigen. Ich habe zwei linke Hände. Deshalb reiße ich mich nicht um handwerkliche Tätigkeiten, sondern meide sie, soweit es eben geht. Nicht, weil ich faul wäre, sondern weil ich um den Schaden weiß, der dabei entstehen kann und hin und wieder auch schon entstanden ist. Ich bin handwerklicher Arbeit gegenüber skeptisch und neidisch auf alle, die auch nur ein Iota mehr an Begabung aufweisen können.

Was also nicht wirklich gemacht werden muss, wird bei mir auch nicht gemacht. Das Regal steht auch ohne Unterlegscheiben, der Wasserhahn darf ruhig ein wenig tropfen.

Diese Scheu vor handwerklicher Arbeit scheinen die Apostel hingegen nicht gehabt zu haben. Es gibt da eine Szene, die mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. In der Perikope zur Verklärung des Herrn, die wir am Montag als Fest begehen, geschieht etwas Unfassbares: Jesus wird in glänzendes Licht gehüllt, neben ihm erscheinen Elija und Mose, um sich mit ihm zu unterhalten.

Jesus hatte auf den Berg, auf dem dies geschah, nur drei seiner Apostel mitgenommen: Petrus, Jakobus und Johannes.

Ich weiß auch nicht, wie ich auf ein solches Ereignis reagieren würde. Petrus aber schlägt dem Fass den Boden aus. Er sagt, es sei doch gut, dass er und seine beiden Kollegen mitgekommen seien – so könnten sie drei Hütten bauen für Jesus, Elija und Mose. Man mag sich fragen, was Petrus zu dieser Reaktion verleitet haben mag. Da wird Jesus „strahlend weiß“ und zwei seit ewigen Zeiten tote Männer erscheinen und Petrus hat keine andere Sorge, als Hütten für diese Männer zu bauen.

Das Evangelium selbst liefert den Grund für dieses seltsame Verhalten: „Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte.“ Klar, was soll man dazu auch sagen? Die Reaktion des Petrus mag seltsam sein, offenbart aber doch seine Gedanken: Er will dem Geschehen Dauer verleihen. Das Bauen der Hütten würde Zeit brauchen, Jesus und seine Begleiter würden dann ja auch darin schlafen. Er will also nicht, dass dieser außerordentliche Augenblick endet.

Das kennt doch jeder, oder? Einen Augenblick, der vielleicht nicht zu schön ist, um wahr zu sein, aber doch zu schön, um einfach vorbei zu sein. Für gewöhnlich enden diese Augenblicke aber, und meist früher, als man es sich wünschen würde. Da hilft es auch nicht, sein handwerkliches Geschick zu nutzen und eine Hütte zu bauen. Der Augenblick vergeht, ja: muss vergehen.

Die Verklärung zeigt Jesus schon in österlicher Herrlichkeit. Es ist, als würde man für einen kleinen Moment sehen, was Jesus ist: Der Sohn Gottes. Petrus, Jakobus und Johannes wollen den Augenblick festhalten – und es gelingt nicht so recht.

Ist das nicht die Herausforderung jeden christlichen Lebens? Wir kennen Jesus, wissen wer er ist, wissen, was er in unserem Leben wirken kann – vergessen das aber immer wieder. Wir können in den kleinen und großen Problemen des Lebens, in den Schwierigkeiten und Verletzungen, in unserer Schuld und unseren Fehlern nicht immer klar sehen, wer Jesus ist.

Da war die Idee vom Hüttenbau wohl gar nicht so schlecht. Natürlich ist keine materielle Hütte gemeint, aus Holz, durch einen Hammer mit Nägeln verbunden. Vielmehr eine Hütte im Geist, die dem Herrn immer wieder Platz und Raum gibt. Da bin ich dann doch ganz froh: Meine beiden linken Hände jedenfalls sind es nicht, die mich an diesem Hüttenbau hindern werden.