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Durch das Kirchenjahr: Der Wille zählt

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 … mit Benedikt

32. Sonntag im Jahreskreis – Markus 12,28-44 

 

 

Im Leben zählen die Erfolge. Das ist in der Schule wie im Studium so, ebenso im Beruf. Wer sich Mühe gibt, wird nicht belohnt. Ein Schüler kann Wochen mit der Abiturvorbereitung verbringen – wenn er einen Blackout hat, wird er eine schlechte Note bekommen. Ein Student kann jedes Buch lesen, wenn er den Stoff in der Klausur nicht aufs Papier bringt, fällt er durch. Das ist für uns ganz verständlich. Das ist auch in vielen Bereichen unseres Lebens notwendig. Irgendwie müssen die Leistungen in Schule und Beruf ja gemessen und honoriert werden. Die Kehrseite ist: Wir betrachten Dinge und Menschen oberflächlich.

Diese Einstellung ist brandgefährlich. Denn sie birgt die Gefahr der Überheblichkeit. Wer kann schon ein Urteil über die Leistung und das Leben anderer fällen? Von dieser Gefahr spricht auch das Evangelium dieses Sonntags. Es besteht aus zwei Teilen, die jedoch eine tiefe innere Beziehung haben: Zunächst hält Jesus eine „Polemik“ gegen die Schriftgelehrten. Diese sind auf ihr äußeres Auftreten bedacht und wollen immer den ersten Platz einnehmen, in der Synagoge wie beim Festmahl. „Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.“ Nach außen muss das alles sehr fromm wirken. Im Inneren aber ist nicht die Frömmigkeit Anlass des langen Gebets, sondern der Wunsch, dabei beobachtet zu werden.

Danach schließt sich eine etwas seltsame Begebenheit an: Jesus sitzt im Tempel gegenüber des Opferkastens und beobachtet, welche Leute wie viel Geld hineinwerfen. Und tatsächlich kommen viele Reiche und werfen auch viel Geld hinein. Aus diesem Spendengeld wird der Unterhalt des Tempels finanziert – schließlich muss für den Lebensunterhalt der Priester, die Tempelanlage und die Opfergaben gesorgt werden. Eigentlich ganz ähnlich wie bei uns. Auch in der Kirche müssen die Seelsorger einen Lebensunterhalt haben und die Kirchen in Schuss gehalten werden.

Da kommt eine arme Witwe. Jesus beobachtet genau, was sie hineinwirft. „Zwei kleine Münzen“, heißt es in der Einheitsübersetzung. Der griechische Originaltext ist noch genauer und hat sogar den Wert angegeben: „zwei Lepta, das ist ein Quadrans“. Dieser Quadrans war die kleinste Münze, die es in der römischen Währung überhaupt gibt. Wilfried Eckey, ein evangelischer Kommentator, versucht sich an einer Umrechnung: „Die Gabe der Witwe betrug nach heutiger europäischer Währung kaum ½ Cent.“ Also hat die Frau eigentlich gar nichts gegeben. Was soll man denn mit dieser lächerlichen Summe anfangen? Nichts.

Jesus aber sieht die Intention. Er ruft die Jünger herbei, um ihnen an dieser Begebenheit etwas klar zu machen. All die Reichen haben zwar viel gegeben, hatten aber auch viel. Sie haben aus ihrem Überfluss gegeben. Die Witwe aber war ganz arm. Denken wir heute an Witwen, haben wir meist alte Frauen vor Augen, die vielleicht nicht viel Geld haben, aber doch wenigstens eine Rente, die zum Leben reicht. In der Antike war das nicht gesagt. Renten gab es nicht, Grundsicherung auch nicht. Als Witwe hatten die Frauen es schwer, eine Arbeit zu finden. Diese Frau hat also vielleicht gar nichts zum Leben – außer diese beiden Münzen, diesen halben Cent. „Sie hat“, sagt Jesus zu den Jüngern“, alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“

Nach Außen hin ist ihr Opfer nichts wert, das der Reichen aber sehr viel. Mit ihrem Betrag kann man nichts anfangen, mit dem der Reichen jedoch schon. Aber das ist nicht entscheidend für Jesus. Ihm kommt es auf die Gesinnung an, mit der die Menschen am Opferstock gegeben haben. Der äußere Anschein kann ganz schön trügen – wie auch bei den Schriftgelehrten. Ich kann lange beten und viel Geld geben – wenn die innere Haltung fehlt, ist das aber alles nichts.

Diese beiden Texte, an diesem Sonntag zu einem zusammengefasst, sind eine Statement Jesu gegen Überheblichkeit und oberflächliche Betrachtung. Heute gibt es das ja ganz genauso. Ein Millionär kann mehrere tausend Euro spenden und hat eigentlich weniger gegeben als eine Witwe, die fünfzig Euro gibt. Der Wille, die Absicht scheint für Jesus zu zählen. Hat man sich bemüht? Hat man alles gegeben? In einer Leistungsgesellschaft ist das eine beruhigende Botschaft.



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