Monument Valley, USA

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium

Zwei Versuchungen


Erster Fastensonntag A – Matthäus 4,1 – 11

„In jener Zeit 1wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. 2Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 4Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. 5Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel 6und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 7Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 8Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. 10Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. 11Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.“

Jesus wird vom Teufel in Versuchung geführt. Der Satan bietet ihm alles an: Die Herrschaft über die Natur, die Herrschaft über das Leben, die Herrschaft über die Welt. Jesus aber bleibt standhaft, er hat den Teufel durchschaut. Er weiß, dass der Satan der große „Verwirrer“ ist, aus dessen Mund kein wahres Wort kommt – selbst, wenn er vermeintlich fromm seine Versuchungen noch mit Bibelzitaten untermauert. Jesus bleibt dem Vater und seiner Sendung in diese Welt gehorsam. In der ersten Lesung dieses Sonntags (Gen 2,7-9; 3,1-7) hören wir dagegen die geradezu umgekehrte Geschichte: Die Schlange überredet Eva und Adam dazu, von den Früchten des Baumes in der Mitte des Garten Eden zu essen – jenes Baumes, von dem zu essen Gott verboten hatte. Diese Weisung ließ keinen Auslegungsspielraum zu; Adam und Eva wussten genau, dass sie das Gebot Gottes übertraten, taten es aber dennoch. Sie handelten im Ungehorsam. Sie gehen der Schlange auf den Leim.

Es ist kein Zufall, dass diese beiden Bibeltexte am heutigen Fastensonntag nebeneinanderstehen. In der zweiten Lesung (Röm 5,12-19) hören wir die Deutung des Apostels Paulus: „Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.“ (Röm 5,19). Paulus deutet Jesus so als das glatte Gegenteil des Adam: Dieser erste Mensch ist der Sünde verfallen und hat so die ganze Menschheit unter die Macht von Sünde und Tod gebracht. Durch Jesus aber wird die ganze Menschheit gerecht gemacht. Jesus wendet das Blatt der Geschichte, die mit Adam begonnen hat. In diesem Sinn ist Jesus Christus der „Erstgeborene der Toten“ (Kol 1,18): In Adam hat der Mensch die Sünde und den Tod gefunden; Jesus aber ist der „neue“ Adam, der für die Menschheit das Leben erschließt. 

Diese Texte können uns durch die Fastenzeit begleiten. Wir wissen, dass wir in der Gefolgschaft Adams stehen – als Sünder, die den Verlockung des Bösen immer wieder verfallen, die immer wieder auf dem Weg straucheln. Das soll nun keine Ausrede sein. Wir sollen uns nicht damit zufriedengeben, dass die Sünde nun einmal zu unserem Erbgut gehört, das wir nie ganz ablegen können. Im Gegenteil: Die Fastenzeit soll die Finger in die Wunden dieser Sünde legen und uns zeigen, wie wir die Gebote Gottes neu erfüllen können. Doch wir sollen in der Fastenzeit auch neu erfahren, dass wir in der Gefolgschaft Jesu stehen, der nicht nur ohne Sünde war, sondern der die Sünde um unseretwillen getragen, besiegt und überwunden hat. Die Fastenzeit mündet in der Feier von Ostern, wenn wir im Exsultet der Osternacht hören werden: „O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“

Text: Benedikt Bögle

(sig)



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