Sonnenaufgang

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium

Salz der Erde, Licht der Welt


Fünfter Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 5,13 – 16

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Zwei Bilder benutzt Jesus, um die Sendung der Christen in dieser Welt zu charakterisieren: Wir sind Salz der Erde und Licht der Welt. Zwei Hinweise geben diese Bilder auf die Berufung des Gottesvolkes. Die Welt braucht Salz und Licht. Ohne Salz ist alles geschmacklos, ohne Licht kann es kein Leben geben. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt Jesus (Mt 4,4). Unser Leben findet seine Erfüllung nicht nur in biologischen Abläufen. Wir müssen atmen, essen, trinken - sollen aber darüber hinaus ein „Leben in Fülle“ (vgl. Joh 10,10) finden, ein Leben mit Salz und Licht. 

Eine weitere Gemeinsamkeit von Salz und Licht: Es braucht davon gar nicht viel, um eine große Wirkung zu erzielen. Wie wenig Salz genügt, um eine Nahrung zu würzen! Und wie klein kann die Flamme einer Kerze sein, um gleichwohl das Dunkel zu vertreiben und einen Raum langsam zu erhellen. Es braucht also gar nicht viel, um einen Unterschied in dieser Welt zu machen, um wirklich Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Nur: Das Bild Jesu setzt natürlich voraus, dass wir wirklich Salz und Licht sind, dass unser Leben wirklich die Kraft hat, in dieser Welt zu leuchten. Wie kann das gelingen?

Einen Hinweis gibt die erste Lesung dieses Sonntags (Jes 58,7-10).  Der Prophet spricht: „Bricht dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“ (Jes 58,7-8). Wer das Gute tut, wird zum Licht. Wer diese kleinen Werke der Barmherzigkeit übt, wird zu einer Leuchte. 

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben „Gaudete et exsulate“ („GE“) gesagt: „Jeder Heilige ist eine Sendung; er ist ein Entwurf des Vaters, um zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte einen Aspekt des Evangeliums widerzuspiegeln und ihm konkrete Gestalt zu verleihen.“ (GE 19). Darum geht es bei er Heiligkeit, darum geht es beim christlichen Leben: Nicht aus sich selbst heraus zu leuchten, sondern den Herrn durch uns hindurchscheinen zu lassen. Unser Leben soll das Evangelium widerspiegeln und dieser Welt den Herrn zeigen, der das wahre Licht der Welt ist (vgl.  Joh 8,12). Dann werden wir zu einem Licht, das in dieser Welt leuchten kann und das man wahrhaftig nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter stellen möchte. Den Anfang können bereits kleine Werke der Barmherzigkeit machen, wie Jesaja sie schildert. 

Der Herr hat wohl nicht zufällig die Begriffe von Salz und Licht gewählt. Er weiß um unsere fehlbare Natur, er weiß darum, dass wir manchmal nicht viel geben können, sondern nur eine kleine Flamme in der dunklen Welt sein können. Doch das genügt: Schon diese kleine Flamme kann Licht in die Welt bringen; Licht, auf das die Welt so dringend wartet.

Text: Benedikt Bögle

(sig)



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