Verrocchio und Leonardo da Vici: Taufe Christi

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium

Herrlichkeit und Kreuz


Taufe des Herrn A – Matthäus 3, 13 – 17

„In jener Zeit 13kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir? 15Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. 16Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. 17Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“

Das Evangelium von der Taufe des Herrn enthält zwei Gedankengänge. Da ist zunächst das Unverständnis des Täufers darüber, dass Jesus zu ihm kommt und sich taufen lässt: „Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?“ Die Taufe des Johannes ist eine Taufe zur Umkehr (vgl. Mt 3,2), der gerade Jesus nicht bedurfte. Weshalb lässt er sich von Johannes taufen? Im Anschluss an diese Frage erleben wir im Jordan eine göttliche Offenbarung: Der Himmel öffnete sich, der Geist Gottes kommt wie eine Taube herab und eine – göttliche – Stimme aus dem Himmel sagt: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ 

Die erste Lesung dieses Sonntags (Jes 42,5a.1-4.6-7) deutet dieses Evangelium. Wir hören einen Abschnitt aus dem ersten „Gottesknechtslied“: „Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt.“ (Jes 42,1). Der Prophet Jesaja stellt uns mit diesem Gottesknecht einen Mann vor, der um des Volkes willen leidet: „Aber er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.“ (Jes 53,4). Mit dieser Lesung erinnert uns die Kirche an das Leid Jesu, an das Kreuz und an seinen Tod. 

Das mag auf den ersten Blick so gar nicht zu der göttlichen Offenbarung passen, von der wir im Evangelium hören. Jesus wird hier doch gerade als der Sohn Gottes offenbar, auf den sich Gottes Geist niederlässt. Die Kirche betont aber nicht den Triumph des Gottessohnes, sondern das Leid. Wir erfahren etwas ganz Ähnliches bei der Verklärung Jesu (Mt 17,1-9). Auf dem Berg beginnt Jesu Kleidung zu leuchten wie die Sonne. Eine Stimme spricht – wortgleich mit der Stimme vom Jordan: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 17,5). Doch Jesus dämmt die Stimmung seiner Jünger sogleich ein, wenn er sagt: „Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!“ (Mt 17,9).

Diese herrlichen Momente im Leben Jesu – in der Taufe, in der Verklärung – lassen sich ohne Kreuz, Leid und Auferstehung nicht verstehen. Die Sendung Jesu erstreckt sich nicht nur auf diese Augenblicke, in denen wir ihn in der himmlischen Herrlichkeit sehen, die ihm zusteht. Jesu Sendung erstreckt sich auch darauf, dieser Herrlichkeit zu entsagen und den Weg zum Kreuz anzunehmen. Ohne Tod und Auferstehung können wir nicht verstehen, wer Jesus ist und weshalb er auf Erden ist. Daran erinnert uns heute der Prophet Jesaja mit dem Bild vom leidenden Gottesknecht.

Durch den Bezug auf das Gottesknechtslied will die Kirche noch etwas verdeutlichen. Es ist ja richtig, was Johannes der Täufer sagt: Jesus hätte keine Taufe gebraucht, keine Umkehr und keine Vergebung der Sünden. Der Gang an den Jordan erscheint überflüssig und geradezu widersinnig. In der Taufe sehen wir aber, dass sich Christus unter die Schar der Jünger stellt; er teilt zwar nicht ihre Schuld, gleichwohl aber ihr Schicksal, zu dem die Schuld sie verurteilt. Jesus stellt sich an die Seite der Menschheit, um sie zu erretten: „Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,5).

Text: Benedikt Bögle

(sig)



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