Jesus Christus

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium

Ewiges Leben


Siebter Sonntag der Osterzeit A – Johannes 17,1 – 11a

In jener Zeit 1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! 2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. 4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. 5Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! 6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. 7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Die Osterzeit geht langsam auf ihr Ende zu. 50 Tage lang haben wir die Auferstehung Jesu von den Toten gefeiert. Im heutigen Evangelium – wiederum aus den Abschiedsreden Jesu – bringt Jesus noch einmal das Thema des Lebens zur Sprache. Jesus hat Macht über die Menschen, „damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.“ Und Jesus gibt noch eine Definition davon, was dieses ewige Leben ist: „dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“ 

Die Osterzeit hat unsere Blick geschärft für die Auferstehung Jesu. Wir glauben, dass in Jesus von Nazareth Gottes Wort Mensch wurde, für uns starb und den Tod besiegt hat. Papst Benedikt XVI. schrieb: „Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert.“ Man muss nicht an Jesus glauben, um in ihm einen wichtigen Mann der Weltgeschichte zu sehen. Seine Lehre, seine Person und sein Schicksal kann man sicherlich in eine Reihe mit den großen Philosophen, Staatsmännern oder Personen der Zivilgesellschaft seit der Antike stellen. Auch ein Nicht-Christ kann Jesus von Nazareth bewundern, wie man vielleicht Sokrates bewundert oder Ghandi. Für uns Christen aber ist Jesus nicht nur ein ethisches Vorbild. In ihm ist mehr geschehen – etwas „wirklich Neues (…), das die Welt und die Situation des Menschen verändert.“ 

Dieses Neue ist das ewige Leben, von dem Jesus spricht. Dazu ist er in die Welt gekommen: „Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.“ Der Kern der Sendung Jesu war, was wir am Kreuz von Golgotha sehen: Die völlig Selbsthingabe Gottes an die Menschheit. Damit aber geht ein zweiter Gedanke einher. Jesus ist gekommen, damit er uns „ewiges Leben schenkt.“ Das ist die zweite Botschaft der Auferstehung Jesu von den Toten. Was in diesem nunmehr leeren Grab von Jerusalem geschah, beschränkt sich nicht auf Jesus Christus. Für die Kirche war von Anfang an klar, dass mit der Auferstehung Jesu von den Toten auch etwas mit unserem Schicksal, mit unserem Tod geschehen ist. Jesus ist eben nicht gekommen um seines eigenen Lebens willen – das wäre nicht nötig gewesen, Jesus war von Anbeginn an und wird bis zum Ende sein. Er ist gerade um unseres ewigen Lebens willen Mensch geworden, hat gelitten und ist auferstanden. 

Dieses „ewige Leben“ feiern wir in der Osterzeit 50 Jahre lang. Die Botschaft soll unser Leben verändern, auch über die Osterzeit hinaus: Wir wissen, dass Gott alles auf sich genommen hat, um uns zu sich zu holen. Wir wissen, dass Gott für jeden Menschen den Tod am Kreuz gestorben ist – wissend, was das für sündige Menschen sind, für die er das Kreuz auf die Schultern genommen hat. Und wir wissen, dass das unser ganz eigenes Ziel ist, das Gott von jeher für uns wollte: Das ewige Leben.

Text: Benedikt Bögle

(sig)

Das Zitat stammt aus: Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Zweiter Teil, Herder, Freiburg im Breisgau, 2011, Seiten 266 f.



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