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Durch das Kirchenjahr: Das Unmögliche wagen

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... mit Benedikt:

7. Sonntag im Kirchenjahr A – Matthäus 5,38-48

Was Jesus im Evangelium dieses Sonntags von uns verlangt, ist nun wirklich unmöglich. Schon an den beiden vergangenen Sonntagen haben wir seine Forderungen aus der Bergpredigt gehört und mussten uns bei einem einigermaßen ehrlichen Blick auf unser Leben wohl eingestehen, dass das Verlangte nicht der Realität entspricht. Und wohl auch nicht dem Machbaren.

Der Herr fordert von uns, Licht für die Welt zu sein. Das mögen wir ja manchmal auch schaffen, oft genug aber bringen wir statt Licht auch Schatten in das Leben anderer Menschen. Unsere Sünden – die großen, aber auch die kleinen – verdunkeln das Leben anderer. Dann forderte der Herr, uns nicht nur äußerlich an den Geboten und Gesetzen zu orientieren, sondern auch in unserem Inneren ständig die von Jesus vorgelebte Liebe zu üben.

Und nun sagt Jesus im Evangelium dieses Sonntags: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ (Matthäus 7,48). Zuvor fordert er von uns, unsere Feinde zu lieben. Wer vor Gericht um sein Hemd gebracht werden soll, der soll sogleich noch seinen Mantel dazugeben. Wer gezwungen wird, eine Meile des Weges mit einem anderen zu gehen, der kann gleich zwei mit ihm gehen. „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!“ (Matthäus 7,44).

Das nun scheint wahrhaftig unmöglich. Wie soll es denn möglich sein, dass wir so vollkommen werden, wie es Gott selbst ist? Als Menschen werden wir ja niemals seine Vollkommenheit erreichen können.

In der ersten Lesung dieses Sonntags hören wir eine ganz ähnliche Forderung. „Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig“ (Levitikus 19,2). Hier wird das Ideal eines heiligen Lebens festgemacht in der Heiligkeit Gottes – ohne dass es aber hieße, wir sollten ebenso heilig sein wie Gott es ist. Denn auch das wäre unmöglich. Wie sollten wir heilig werden, wie er es ist?

Was Jesus uns zeigt, ist ein Ideal. Ein Ideal, das er selbst vorgelebt hat, als er noch am Kreuz für seine Folterknechte betete. Er hat so sehr geliebt, wie er es von uns verlangt. Dabei sollten wir nicht darüber zermürbt sein, dieses Ideal nicht oder zumindest nicht immer zu erreichen. Jesus weiß um die Schwäche der Menschen. Aber er fordert uns heraus. Er fordert von uns, dass wir uns nicht zufrieden geben mit dem Leben, wie es ist. Er fordert beständig mehr – ja, wenn Gott selbst das Ziel ist, dann können wir immer noch mehr tun. Und auch wenn wir beständig an diesem Ideal scheitern, so schadet es doch nicht, es vor Augen zu haben. Dem Herrn geht es immer um mehr.

Wir sollen uns in den Dienst der grenzenlosen Liebe stellen, die er uns als Lehrer und Meister vorgelebt hat. Diese Liebe gibt, ohne zu nehmen. Sie hat keine Hintergedanken und stellt keine Berechnungen an. Dabei dürfen wir immer wissen, dass diese Liebe uns beständig entgegenkommt. Wir können lieben, weil er uns zuerst geliebt hat – und noch immer liebt. Mit ihm dürfen wir das Unmögliche wagen.