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Durch das Kirchenjahr: Am Scheideweg

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…mit Benedikt

Joh 6,60-69

 

„Die Sache Jesu braucht Begeistere.“ Das ist der Titel eines modernen Kirchenliedes. Ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, stimmt aber. Die Sache Jesu nennen wir „Reich Gottes“. Und das Reich Gottes braucht immer Begeisterte, sonst kann es nicht wachsen. Das war vor 2000 Jahren so und wird sich bis zum letzten Tag auch nicht ändern. Die Kirchengeschichte ist voll von Gestalten, die für die Sache Jesu brannten, die teilweise sogar das Martyrium nicht scheuten. Gewisse Epochen der Christentumsgeschichte hatten viele solcher Personen, andere nur wenige. Doch: Die Sache Jesu stand nie ohne einen einzigen Verbündeten da.

Einmal jedoch war es knapp. Da wäre die Sache Jesu fast schon vorbei gewesen. Das Evangelium dieses Sonntags erzählt davon. Jesus hat seine sehr lange und sehr aufschlussreiche „Brotrede“ beendet. Was er gesagt hatte, war durchweg schwere Kost. Für einige zu schwere Kost. Seine Jünger murren: „Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ Das Ergebnis dieser harten Rede ist, dass viele seiner Jünger wegziehen. Sie hören auf, mit Jesus durch das Land zu reisen und seinen Predigten zu lauschen. Für sie ist die Sache hier vorbei. Das Johannesevangelium sagt das zwar nicht ausdrücklich, aber man kann den Eindruck bekommen, dass nur die zwölf Apostel übrigbleiben.

Diese Kerntruppe Jesu hatte immer wieder schwache Momente. Unter dem Kreuz versagen sie fast alle, fliehen, lassen den Herrn alleine. Die entscheidende Stunde verpassen sie. Und hier, nach dieser „harten Rede“ stellt Jesus eine Frage an die Apostel. Man muss den Atem anhalten: „Wollt auch ihr weggehen?“ Schade, dass der Evangelist Johannes nicht beschreibt, wie Jesus das sagte. Traurig? Zornig? Gespannt? Herausfordernd?

Die Frage bleibt: „Wollt auch ihr weggehen?“ Wenn sie jetzt „ja“ sagen, wars das. Dann ist die Sache Jesu vielleicht noch nicht direkt vorbei, aber Begeisterte hat sie dann keine mehr. Wenn die Zwölf Jesus jetzt den Rücken kehren, ist er alleine. Spannung. Petrus, der Sprecher der Gruppe, antwortet stellvertretend für die anderen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Die Katastrophe ist abgewendet.

Petrus sagt nicht: Deine Worte sind nicht hart. Er sagt auch nicht: Wir haben deine Rede im Gegensatz zu den anderen verstanden. Er sagt: „Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ Sie haben in ihm etwas gesehen, das sie vielleicht noch nicht verstanden haben. Denn gegen diese Erkenntnis haben sie immer wieder verstoßen. Am Kreuz scheinen sie nicht geglaubt zu haben, dass Jesus der Heilige Gottes ist.

Aber sie waren doch für die Sache Jesu begeistert. Man muss also nicht immer alles verstanden haben, um ein Anhänger der Sache Jesu zu sein. Man muss offen sein für sein Wort. Aber man darf Fehler machen. Man darf zweifeln. Und trotzdem kann man von Jesus begeistert sein. Denn: Die Sache Jesu braucht Begeisterte.