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Durch das Kirchenjahr

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... mit Benedikt

 

Fronleichnam: Daheim bei Brot und Wein

Jeder kennt es: Erinnerungen an die Kindheit. Ein Geräusch, ein Geruch vielleicht, der uns in die Jahre unserer Kindheit zurückversetzt. Bei mir ist das etwa dieser unbeschreibliche Geruch nach einem Frühlingsregen. Rieche ich das heute, denke ich an verregnete und doch warme Maiabende in unserem Garten zu Hause, ich denke an Unbeschwertheit und an Sicherheit. Diese kleinen Häfen brauchen wir Menschen. Wir brauchen Rückzugsorte, in denen wir einmal nichts leisten müssen, in denen wir sein können, wie wir wollen. Kindheitserinnerungen sind einfach. Die einfachsten Dinge können uns an die ersten Jahre unseres Lebens denken lassen: Ein Gericht, dass nur die Großmutter so kochen konnte - Pfannkuchen und Kartoffelsalat, definitiv. Oder ein Ritual der Familie, das wie selbstverständlich die Kindheit geprägt hat. All das kostet nichts. Diese Erinnerungen, diese Rituale haben keinen Geldwert: Man kann sie nicht kaufen, muss es aber auch nicht. Eine weitere großartige Erinnerung aus meiner Kindheit ist das Fronleichnamsfest.

Ich sehe noch den nicht enden wollenden Kirchenzug vor mir mit Scharen von Ministranten, Fahnenabordnungen und der Blaskapelle. So groß wie in meiner Erinnerung werden diese Prozessionen gar nicht gewesen sein, doch die Sichtweise eines kleinen Kindes lässt vieles größer erscheinen, als es ist. Dieser Tag ist für mich etwas ganz Besonderes. Denke ich an Fronleichnam, denke ich auch an Heimat: Diese Selbstverständlichkeit, mit der kirchlicher Glaube und Heimatgefühl, Gottesdienst und gemütliche Lebensfreude zusammenspielen. Das wird spätestens klar, wenn vor dem Allerheiligsten die Bayernhymne gesungen wird, jenes vertonte Gebet um den Schutz der wunderbaren Heimat. "Heimat" ist zu einem politischen Kampfbegriff geworden, oft mit der Suggestion, irgendjemand wollte uns diese Heimat nehmen, sich aneignen. Aber Heimat ist wichtig. Heimat ist der Ort, an dem man sein kann, wie man ist. An dem man sich nicht immer neu erfinden und einfügen muss. An dem man sich auskennt.

Bei allem Prunk: Fronleichnam ist eigentlich ein einfaches Fest. Im Mittelpunkt stehen zwei Dinge, die alltäglicher gar nicht sein könnten: Brot und Wein. Seit beinahe 2000 Jahren feiert das Christentum Eucharistie. Und auch wenn sich die Materien geringfügig verändert haben, sind Brot und Wein geblieben. Sicher, wir verwenden heute Hostien, die im ersten Jahrhundert der Kirche wohl eher unbekannt gewesen sein dürften. Wir verwenden heute wie selbstverständlich guten Wein, der für unsere germanischen Vorfahren schwer bis kaum zu besorgen war.

Dennoch haben Brot und Wein sich durchgesetzt: Wir feiern Eucharistie nicht mit viel Fleisch und Unmengen an Champagner - Dinge, die heute vielleicht eher Lebensfreude und Wohlstand charakterisieren dürften. Wir sind bei diesen recht elementaren Zeichen geblieben. Und gleichzeitig bleibt es nicht bei Brot und Wein. Wenn wir an Fronleichnam die Monstranz mit der Hostie durch unsere Städte und Dörfer tragen, dann nicht, weil wir stolz wären auf ein Stückchen Brot, eine Verbindung von Mehl, Wasser und Hefe. Wir Katholiken glauben, dass das mehr ist. Jesus ist in diesem Brot und in diesem Kelch mit Wein wirklich da. Wir sehen ihn zwar nicht, mit Händen, Füßen und einem Kopf. Aber wir wissen - im Glauben - dass er da ist.

Diese Gegenwart Gottes findet einen recht einfachen Ort. Durch die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen sind einfache Dinge die Orte, in denen Gott sich finden lässt. Mose erscheint der Herr in einem Dornengestrüpp, nicht etwa in einem Haufen Gold. In der heiligen Schrift ist Gott gegenwärtig - in einem einfachen Buch! Gott sucht die Einfachheit. An Fronleichnam feiern wir auch unsere Heimat. Jesus, der in der Eucharistie immer wieder neu seinen Leib und sein Blut verschenkt, kann wie eine Erinnerung aus der Kindheit sein: Ein sicherer Hafen, ein Rückzugsort der Sicherheit. Er kann Heimat sein: Er ist der Ort, an dem man sein kann, wie man ist. An dem man sich nicht immer neu erfinden und einfügen muss.

 

 

Unser Autor Benedikt Bögle schreibt ab jetzt regelmäßig in der Rubrik "Durch das Kirchenjahr" über sein Entdecken und Erfahren von Feiertagen und Sonntagsevangelien aus dem Kirchenjahr im Alltag.