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Duale Priesterausbildung im Bistum Regensburg

Neue Wege in der Priesterausbildung

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Seit dem Wintersemester 2021/2022 gehen die Bistümer Regensburg und Passau neue Wege in der Priesterausbildung: Die Priesteramtskandidaten studieren und lernen im Rahmen eines neuen praxisorientierten dualen Ausbildungskonzeptes. Neben der Ausbildung an Universität und Priesterseminar in den Vorlesungszeiten werden die Seminaristen in den vorlesungsfreien Zeiten zusätzlich in Ausbildungspfarreien auf ihren Dienst vorbereitet. Die pastorale, praktische Erfahrung nimmt nun einen noch breiteren Raum ein und das von Beginn der Ausbildung an. Es geschieht eine stärkere Vernetzung zwischen theoretischen und praktischen Ausbildungseinheiten, Inhalte werden konkret in der Praxis verankert. Eine solche Form der Priesterausbildung ist im deutschsprachigen Raum bisher einmalig. Sie ist angelehnt an das Modell dualer Studiengänge, die in der deutschen Hochschullandschaft in den letzten Jahren beliebt geworden sind.

 

Regens

Nahe an den Menschen - mehr Praxis

Im bisherigen Ausbildungsplan war neben Praktika in einzelnen Teilbereichen (Schule, Jugendarbeit, Sozialer Dienst) für den Einsatz in der Pfarrei ein vier- bis sechswöchiges Pfarrpraktikum im Laufe des 4. Studienjahres vorgesehen. Davon abgesehen kamen die Priesteramtskandidaten erst nach Abschluss des Studiums, d.h. sechs Jahre nach ihrem Eintritt ins Priesterseminar in den pastoralen Einsatz. Das war in manchen Fällen mit Anpassungsschwierigkeiten verbunden, da die Erwartungshaltungen und Bedürfnisse in der Pfarrei vor Ort ganz andere sind als an der Universität.

Im neuen Ausbildungssystem kommen die Studenten bereits ab dem ersten Jahr in eine Ausbildungspfarrei und verbringen pro Jahr dort zehn Wochen ihrer Ausbildungszeit. Auf das ganze Studium gerechnet verbringen sie zehnmal so viel Zeit in der Pfarrei wie bisher. Auch wechseln die Einsatzorte nach ein paar Jahren, so dass jeder Seminarist unterschiedlich geprägte Situationen kennenlernt und trotzdem wesentlich mehr Zeit hat, Beziehungen zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. 

Bessere Konzentration - mehr Anspruch

Die duale Ausbildung fordert von den Studenten deutlich stärker als vorher eine konsequente Arbeitshaltung. Das Hinauszögern von Seminararbeiten und anderen Studienleistungen auf die vorlesungsfreie Zeit ist nicht mehr möglich. Im Gegenzug ist die Vorlesungszeit von anderen Ausbildungsveranstaltungen freigehalten, so dass eine durchgehende Konzentration auf das Studium möglich ist. Durch die Konzentration der verschiedenen Ausbildungsphasen (Theorie-, Praxis- und Studienphase) auf festgelegte Zeiträume bleibt den Studierenden in Summe sogar mehr Zeit zur eigenen Verfügung als nach dem alten System, bei dem viele Wochenenden auch während der Vorlesungszeit mit Ausbildungsinhalten belegt waren.

Bessere Konzentration

Studienvertrag - mehr Sicherheit

Als rechtliche Grundlage hinter dem neuen System steht ein Studienvertrag für ein „praxisintegriertes duales Studium“. Rechte und Pflichten sowohl des Studenten als auch des Bistums sind klar formuliert und festgelegt. Der Vertrag bezieht sich dabei auf das Studium, nicht auf die Weihe. Wer den Vertrag unterzeichnet, hat also weder die Verpflichtung sich weihen zu lassen, noch das Recht eine Weihe einzuklagen. Der Vertrag gibt den Studenten nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch finanzielle, denn er ist mit einem Studienentgelt verknüpft. So sind die Studenten nicht auf einen Nebenjob, auf BAföG oder eine kirchliche Förderung angewiesen. Durch den Umstand, dass Förderungen zurückgezahlt werden müssen, entstand bisweilen ein nicht unerheblicher finanzieller Druck in Bezug auf die Weihe. Das Studienentgelt hingegen ist Ausgleich für die geleistete Arbeit und kann auch dann abgegolten werden, wenn sich für den Kandidaten im Laufe der Seminarzeit eine andere Berufung als die zum Priestertum herausstellt.

Seminaristen im Gespräch bei Kaffee

Überarbeitete Inhalte - mehr Prävention und digitale Kompetenz

Während das universitäre Theologiestudium in keiner Weise beschnitten, sondern durch die Konzentration noch vertieft wird, gibt es im Bereich der theoretischen Ausbildung im Seminar einige Änderungen. Zwei Aspekte sind besonders hervorzuheben: Zum einen das Thema Prävention. Die Aufteilung der Ausbildungsverantwortung (Regens, Ausbildungspfarrei, Bistum, Universität) stellt bereits in sich eine Prävention vor Machtmissbrauch dar. Darüber hinaus wird das Thema Prävention in jährlichen, aufeinander aufbauenden, von externen Spezialisten gehaltenen Studieneinheiten von Beginn an intensiv behandelt.

Zum anderen erhalten alle Seminaristen eine individuelle Schulung in digitaler Kompetenz, so dass sie auch in diesem stetig größer werdenden Feld den Herausforderungen der Zeit gewachsen sind.

Seminarist sitzt am Computer im Lesesaal

Die Mitte bleibt: Christus

Bei allen Veränderungen aber bleibt die Mitte: Christus. Das Priesterseminar als Schule des Gebetes und der Beziehung zu Christus bleibt. Es wird nicht zu einem Wohnheim, in dem es ab und an eine geistliche Fortbildung gibt. Tägliche Messe und Gebet bleiben der Kern des Zusammenlebens all derer, die sich auf den Weg der Nachfolge begeben haben.

Kapelle des Priesterseminars

Verantwortung der ganzen Kirche

Priesterausbildung findet nicht in einem geschlossenen System statt (dem Priesterseminar hinter den sprichwörtlichen „hohen Mauern“), sondern ist ein Anliegen der ganzen Kirche und bezieht – auch bisher schon – viele mit ein: Neben den Verantwortlichen und den Dozentinnen und Dozenten im Priesterseminar, den Professorinnen und Professoren an den Studieneinrichtungen, den Mentorinnen und Mentoren in der Ausbildung des religionspädagogischen Seminars und den Praktikumsanleitern sind dies vor allem auch die Pfarrer und Seelsorgeteams in den Ausbildungspfarreien mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarreien, letztlich die Pfarrgemeinden insgesamt. Das Konzept der dualen Priesterausbildung versucht dieser gemeinsamen Verantwortung verstärkt Rechnung zu tragen, viele Menschen und ihre Kompetenzen einzubinden und den Kandidaten ein breites Spektrum an Begegnungen und Erfahrungen zu ermöglichen, in denen sie als Mensch und als Christ wachsen und ihre Eignung für den Priesterberuf prüfen und vertiefen können.

Liturgie im Priesterseminar

Alle Bilder: (c) Uwe Moosburger/ altrofoto.de