News Bild Domprediger Dr. Johann Maier – Gedenkfeier am 24. April

Domprediger Dr. Johann Maier – Gedenkfeier am 24. April

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Vor 75 Jahren, am 24. April 1945, wurde Domprediger Dr. Johann Maier von den Nationalsozialisten hingerichtet. Der Grund: Er wollte zusammen mit Regensburger Bürgern darum bitten, die Stadt kampflos an die Alliierten zu übergeben.

Seines 75. Todestages und aller Opfer des Nationalsozialismus wird am 24. April um 18:30 Uhr mit einem Pontifikalamt mit Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom St. Peter gedacht. Wir streamen für Sie live aus der Kathedrale auf unserer Webseite, auf facebook und bei TVA.

 

Im Video spricht Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über Domprediger Dr. Maier:

Zum Tod von Domprediger Dr. Johann Maier am 24. April 1945

Im März und April des Jahres 1945 standen die Truppen der Alliierten bereits überall an den Grenzen des Deutschen Reiches und drangen unaufhaltsam in das Reich ein. Bis zum 17. April 1945 waren die Amerikaner aus dem Raum Frankfurt bis nach Thüringen vorgedrungen und näherten sich über Hof, Bamberg, Amberg zügig Richtung Regensburg.

Am 21. April hatten die Amerikaner bereits die Linie Sulzbach-Rosenberg – Neumarkt in der Oberpfalz erreicht. Am 22. April wurde Amberg besetzt, Nürnberg war am 20. April gefallen. Daraufhin ließ der Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Ruckdeschel in der Nacht vom 22. auf den 23. April in Regensburg alle Brücken mit Ausnahme der Steinernen Brücke sprengen. Die Steinerne Brücke wurde erst in den Abendstunden des 23. April teilweise gesprengt. In einer Rundfunkansprache an die Bevölkerung ließ Ruckdeschel verlautbaren, Regensburg würde bis zum letzten Stein verteidigt werden.

Öffentliche Kundgebung der Regensburger Bevölkerung

Angesichts der zunehmenden Angst innerhalb der Regensburger Bevölkerung wuchs der Wunsch einer kampflosen Übergabe der Stadt. Dies sollte in einer öffentlichen Kundgebung am Nachmittag des 23. April auf dem Moltkeplatz (heute Dachauplatz) gegenüber der Stadtverwaltung und der NSDAP-Parteistellen zum Ausdruck gebracht werden. In einer Mund-zu-Mund-Propaganda wurden die Menschen in Regensburg von dem geplanten Vorhaben unterrichtet. In den Geschäften wurden Frauen aufgefordert, mit Kindern und Kinderwägen der Versammlung beizuwohnen. Für die Durchführung der Kundgebung warben teilweise sogar Polizeibeamte und Parteifunktionäre, sodass der Eindruck entstand, es handle sich um eine „von oben“ genehmigte Veranstaltung.

Als Kreisleiter Wolfgang Weigert von der geplanten Kundgebung erfuhr, ließ er über den örtlichen Rundfunk wiederholt ein Verbot zum Besuch der Versammlung verkünden. Am späten Nachmittag zählte die Zusammenkunft laut späteren Angaben an die 1000 Teilnehmer, darunter hauptsächlich Frauen mit Kindern, alte Leute aber auch Soldaten und – unter Begleitung weiterer Geistlicher – Domprediger Dr. Johann Maier.

Domprediger Maier spricht zu den Regensburgern

Als sich die Menge in Richtung der Kreisleitung in der Dr.-Martin-Luther-Straße zubewegte, bestieg Dr. Johann Maier einen Luftschutzsockel beim sogenannten Schenkerhaus, links am Eingang zur Von-der-Tann-Straße. In einer Ansprache verwies er auf seine Predigt vom Vortag, in der er den Gehorsam des Christen gegenüber der Obrigkeit betont hatte. Er appellierte, weiterhin keinen Aufruhr zu machen und der Obrigkeit mit Ruhe und sittlichem Ernst entgegenzutreten, um für eine kampflose Übergabe der Stadt zu bitten. Bevor der Domprediger aber seine Bitte vollständig zu Ende führen konnte, wurde er von einem Polizeibeamten von seinem erhöhtem Standort gerissen und unter dem lautstarken Protest der Anwesenden zur Polizeidirektion im Minoritenweg abgeführt.

Der frühpensionierte Gendamerie-Hauptwachtmeister Michael Lottner, der der Verhaftung von Domprediger Dr. Johann Maier lautstark widersprach, wurde in die Kreisleitung gebracht und, für einen vermeintlichen Messerstecher während der Kundgebung gehalten, erschossen. In die Kreisleitung wurden unter anderem weitere zehn bis zwanzig Personen abgeführt. Der Gestapo wurden im Polizeigebäude am Minoritenweg zwanzig bis dreißig Leute vorgeführt.

Standgericht urteilt über angebliche Rädelsführer

Gauleiter und Reichsverteidigungsminister Ruckdeschel erteilte dem Kreisleiter Weigert den Befehl, die „Rädelsführer“ sofort auf dem gleichen Platz und vor der Volksmenge aufzuhängen. Kreisleiter Weigert hatte jedoch Schwierigkeiten, diesem Befehl zu folgen, da Gestapochef Sowa ein Gerichtsurteil für nötig hielt. Daraufhin wurde zwischen 18.30 und 19 Uhr ein Standgericht zusammen gerufen. Das Standgericht tagte dann von circa 20/21 Uhr bis etwa 0.30 Uhr in Zimmer Nummer 114 der Polizeidirektion Regensburg.

Noch während das Standgericht tagte, wurde der Moltkeplatz gesperrt und dort der Galgen errichtet. Der 38jährige Domprediger Dr. Johann Maier und der 70jährige Rentner Josef Zirkl wurden wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Drei weitere, mehr oder weniger willkürlich aus der Menge der Kundgebungsteilnehmer herausgegriffene Angeklagte, wurden freigesprochen.

Domprediger Maier und Josef Zirkl werden öffentlich ermordet

Das Urteil wurde nach Bestätigung durch Reichsverteidigungskommandant Ruckdeschel noch in der Nacht gegen 3.25 Uhr durch Gestapoleute auf dem Moltkeplatz vollstreckt. Maier und Zirkl wurden an einer Querstange, zwischen zwei Fahnenstangen, mit Gesicht zum Dom erhängt. Der erschossene Lottner wurde aus der Kreisleitung geholt und unter den Galgen gelegt. Der Schock für die Bürger war so groß, dass sich kein weiteres öffentliches Aufbegehren zur kampflosen Übergabe von Regensburg mehr zeigte.

 

Das hat Bischof Voderholzer zum 70. Todestag von Domprediger Dr. Johann Maier gepredigt

Zum 70. Todestag von Domprediger Dr. Johann Maier, im Jahr 2015, hat Bischof Rudolf Voderholzer im Dom St. Peter ein Pontifikalamt mit zahlreichen Regensburger Gläubigen gefeiert.

Hier finden Sie die Predigt des Bischofs zum Nachlesen: Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer zur Messfeier mit dem Landeskomitee der Katholiken

 

 

 

 

„In der Tat Zeuge für die Wahrheit“ – Wie ein Student der Theologie Domprediger Dr. Maier sieht

„So kurz vor dem Ende wurde er ein Opfer des Nationalsozialismus.“ Dies brachte Matthias Wagner, Student und Frater des Deutschen Ordens, zum Nachdenken. Er wollte mehr erfahren über Domprediger Dr. Johann Maier und die Umstände seines Todes.

Eine Gedenktafel weckt das Interesse

Als ihn sein Orden zum Studium nach Regensburg schickte, war Domprediger Dr. Maier für Frater Matthias erst einmal gar kein Begriff. Erst durch den Hinweis eines Freundes, mit dem er im Dom war, wurde er auf die Gedenktafel aufmerksam. Sie ist an der alten Wirkungsstätte Dr. Maiers in Erinnerung an diesen angebracht. Die erste Assoziation für Frater Matthias war: „Wie Dietrich Bonhoeffer.“ Die Nationalsozialisten hatten ihn noch noch kurz vor dem Ende ihres Schreckensregimes ermordet. Das Interesse des jungen Mannes war jetzt auf jeden Fall geweckt, mehr über die Hintergründe von Domprediger Dr. Maier zu erfahren.

Besonders beeindruckend: der Sinn für Verantwortung

Schnell merkte Frater Matthias, dass der Fall Dr. Maier anders gelagert war. Er hat ihn nicht weniger beeindruckt. „Er war ein Priester, der wegen seiner christlichen Überzeugung eine große Verantwortung gegenüber der Stadt Regensburg und den Menschen hier verspürte.“ Dieser Sinn für Verantwortung habe den Domprediger schließlich auch um sein Leben gebracht. „Und das, obwohl er den Frieden verkündet hat.“ Für Frater Matthias ist klar: „Er war in der Tat Zeuge für die Wahrheit.“

Heute: Einsatz für unsere Mitmenschen

Was ist die Botschaft, die hinter Leben und Sterben des Regensburger Priesters steht? „Dr. Maier ist uns in seinen Worten und Taten ein Vorbild, wie wir als Christen mit schwierigen Zeiten umgehen.“ Er habe in einer hoffnungsarmen Zeit, in der nicht absehbar war, wann wieder ein normales gesellschaftliches Leben in der Welt möglich sein würde, die Sorge um die Mitmenschen in den Mittelpunkt gestellt. In einer Fastenpredigt aus dem Jahr 1940 sagte Dr. Maier: „Wir brauchen Christen, die sich auch in der heutigen Zeit bewähren, die auch diese Zeit meistern.“ Für Frater Matthias ist dies Ansporn, in schwierigen Zeiten aus seinem Glauben heraus anderen zu helfen. Denn, so zitiert er Dr. Maier weiter: „Über allem muss die Glut unserer christlichen Bruderliebe stehen.“