Stadtpanorama

Digitale Kommunikation muss dem Menschen dienen

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 12. August 2026

Ein internationaler Medienkongress fand Anfang August in Kigali in Ruanda statt. Das Land erlangte durch einen Genozid traurige Berühmtheit, ist allerdings seitdem einen beachtlichen Weg der Versöhnung gegangen. Der SIGNIS World Congress zeigt die Kirche in Afrika als eine Kirche der Kommunikation.

Vom 3. bis 8. August 2026 fand in Ruanda der SIGNIS World Congress statt. SIGNIS ist der katholische Weltverband für Kommunikation. Er entstand 2001 aus dem Zusammenschluss zweier traditionsreicher katholischer Organisationen für Film, Rundfunk und Fernsehen. Im Verband SIGNIS haben sich Journalisten, Medienschaffende, Filmemacher, Medienpädagogen, digitale Kommunikatoren und kirchliche Verantwortliche zusammengeschlossen. Dabei geht es dem Verband nicht bloß um Pressearbeit für kirchliche Institutionen. Katholische Kommunikation muss sich in unserer Zeit der Frage stellen, wie die Botschaft des Evangeliums in einer digitalen Welt verbreitet werden kann. 

Diese Botschaft hat die Würde des Menschen ebenso im Blick, wie den Frieden und die Freiheit. Es gilt das Evangelium in einer Welt zu bezeugen, so die Organisatoren im Vorfeld, in der immer mehr Menschen ihre persönliche Wirklichkeit durch Bildschirme wahrnehmen. Digitale Kommunikation ist auch für die Kirche eine Herausforderung.

Erstmals in Afrika

Zum ersten Mal konnte dieses weltweite Treffen der katholischen Kommunikationsfachleute auf afrikanischem Boden stattfinden. Afrika ist in der Kirche schon ein Kontinent, auf dem die Katholiken eine immer größere Rolle, auch in der Weltkirche spielen. Der afrikanische Kontinent wird auch in Zukunft zu einem Ort, auf den die Weltkirche schaut. So verwundert es wenig, wenn Fragen der Medien, der Entwicklung einer digitalen Kultur und der daraus resultierenden Verantwortung auch die Katholiken auf dem afrikanischen Kontinent bewegen. 

Kigali als Ort des World Congress kann als symbolträchtiger Ort angesehen werden. Ruanda ist das Land des Völkermordes von 1994. Das war nicht nur der Zusammenbruch einer politischen Ordnung. Er war eine Katastrophe aus Propaganda und völlig enthemmter, grenzenloser Gewalt. Nach dem Völkermord hat Ruanda einen langen Weg der Versöhnung begonnen, geprägt von Erinnerung, Gerichtsverfahren, lokalen Gacaca-Gerichten, das sind Versammlungen, die den örtlichen Traditionen folgen, und staatlich geförderter Einheitspolitik. Die Kirche spielte dabei eine wichtige Rolle, weil Heilung nicht nur juristische Aufarbeitung, sondern auch Wahrheit, Schuldbekenntnis, Vergebung und neues Vertrauen braucht. Die Wunden bleiben tief. 

Ruanda und seine Geschichte

Ruanda zeigt mit dem Umgang mit seiner Geschichte, dass Versöhnung nicht Vergessen bedeutet, sondern den mühsamen Versuch, nach so radikaler Entmenschlichung gemeinsames Leben wieder möglich zu machen. Thema des SIGNIS-Weltkongresses 2026 in Kigali war mithin natürlich auch die Frage, ob digitale Technik dem Frieden dienen kann. Der Kerngedanke lautet, dass Kommunikation nie neutral ist. Sie kann entmenschlichen, aufhetzen und zerstören, sie kann aber auch Wahrheit, Erinnerung, Versöhnung und Menschenwürde fördern. 

Das Leitwort der Versammlung lautete „Digitale Kommunikation im Dienst kultureller Verständigung und ökologischer Verantwortung“ („Digital Communication for Cultural Harmony and Environmental Wellbeing“). Ein Schwerpunkt war verständlicherweise die künstliche Intelligenz. Mit der Enzyklika von Papst Leo XIV. ist dies ein kirchliches Thema. Der Kongress griff damit die Sorge von Papst Leo XIV. auf, wie menschliche Stimmen und Gesichter in einer technisierten Kommunikationswelt zu bewahren sind. Wenn Algorithmen Inhalte sortieren, Bilder erzeugen und Vertrauen beeinflussen, dann braucht es Medien-, Informations- und KI-Bildung für diejenigen, die Empfänger der Nachrichten sind. Die Kirche muss lernen, digitale Räume nicht nur zu nutzen, sondern geistliche und moralische Unterscheidung zu fördern. Das gilt nicht nur für Afrika. Gerade der globale Westen ist hier gefragt. 

Narrative prägen

Ferner kamen Themen wie Synodalität, Kinderschutz im Netz, ökologische Verantwortung und Desinformation zur Sprache. Als beispielhaft wurde das Projekt „Wisdom Calls“ vorgestellt. Ordensfrauen aus Afrika, Asien und Lateinamerika werden geschult, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Auch das ist ein Kerngedanke aus dem Kongress. Wer erzählt, baut in einer Medienwelt mit seinem Narrativ auch Macht auf. Katholische Kommunikation soll diese Macht nicht ausnutzen, sondern damit dem Evangelium eine Stimme geben.

Papst Leo XIV. sandte dem Kongress eine Botschaft. Der Heilige Vater stellte die Würde des Menschen in den Mittelpunkt. Technik dürfe den Menschen nicht ersetzen, sondern müsse ihm dienen. Besonders bei künstlicher Intelligenz gelte es, menschliche Stimmen und Gesichter zu bewahren, also die unverwechselbare Person hinter jeder Kommunikation zu schützen. Er warnte vor Missbrauch durch digitale Täuschung, Deepfakes, Cybermobbing und Verletzungen der Privatsphäre. Darum fordert Papst Leo Medien-, Informations- und KI-Bildung, damit Menschen digitale Werkzeuge bewusst und verantwortungsvoll nutzen können. Für katholische Kommunikation heißt das, sie soll Wahrheit, Begegnung und Frieden fördern und den Menschen sichtbar machen, statt ihn hinter Technik verschwinden zu lassen.

Authentische Kommunikation

Der SIGNIS-Kongress in Kigali trifft einen Nerv der Zeit. Katholische Medienarbeit darf nicht nostalgisch werden. Eine Predigt wird nicht schon dadurch digitale Mission, dass sie als Video hochgeladen wird. Es gilt die digitale Welt zu verstehen. Entscheidend ist, ob Kommunikation Beziehung stiftet. Hören steht vor Senden. Die digitale Welt braucht nicht mehr Lärm, sondern Stimmen, denen die Menschen trauen können. Das sind die Botschaften, die der Congress sendet.

Besonders in einer Zeit künstlicher Intelligenz gewinnen diese Gedanken zunehmend an Bedeutung. Bilder, Stimmen und Texte lassen sich immer leichter erzeugen, manipulativ verändern und massenhaft verbreiten. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Inszenierung wird immer schwerer erkennbar. Was früher schnell als Fälschung entlarvt war, kann heute innerhalb von Sekunden so professionell aussehen, dass selbst Experten getäuscht werden können. 

Ein starkes Zeichen

Für die Kirche in Afrika ist dieser Kongress ein starkes Zeichen. Lange wurde katholische Medienarbeit aus Europa und Nordamerika geprägt. Nun steht Afrika im Zentrum eines weltweiten Treffens. Afrikanische Glaubenskommunikation kennt Pfarreien ohne stabile Infrastruktur, dafür mit Sprachenvielfalt. Junge Gemeinden prägen die Kirche ebenso wie politische Spannungen und interreligiöse Nachbarschaft. Die Fragen der Armut und der Migration sind allgegenwärtig. Zugleich existiert eine erstaunliche Vitalität des Glaubens. Diese Erfahrungen gehören in die Mitte der Weltkirche.

Der Präsident von SIGNIS Africa, Pater Walter Chikwendu Ihejirika, hat den Kongress deshalb als bedeutend für den Kontinent beschrieben. Die Zukunft katholischer Kommunikation wird nicht allein in Redaktionen, Pressestellen und Fernsehstudios entschieden. Sie wird von lokalen Radios geprägt, die in Afrika eine große Rolle spielen. Doch auch kirchliche Jugendgruppen, WhatsApp-Katechesen, kleine Videoproduktionen und katholischen Schulen sind von Bedeutung. Medienbildung werde, so der Ordensmann zur pastoralen Aufgabe. Der SIGNIS-Kongress in Kigali sieht Medienarbeit als Dienst an Frieden, Wahrheit und Menschenwürde. Digitale Technik, das ist die Botschaft aus Kigali, muss dem Menschen dienen.

Text: Peter Winnemöller
Foto: shutterstock
(chb)



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