News Bild Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens – Eröffnung der Woche für das Leben in Straubing

Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens – Eröffnung der Woche für das Leben in Straubing

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(pdr) Mit dem Aufruf, die Würde des Menschen am Ende seines Lebens zu achten haben das Bistum Regensburg und der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Regensburg gestern, 14. April, in der Straubinger Basilika St. Peter die Woche für das Leben 2004 eröffnet. Wie wohl an keinem anderen Ort, werde die Einheit von Tod und Leben so deutlich, wie auf den Friedhof St. Peter mit seiner romanischen Basilika und der Totentanzkapelle, begrüßte Dekan Georg Birner die versammelten Gäste der Eröffnungsveranstaltung mit Oberbürgermeister Reinhold Perlak an der Spitze. Diese Einheit von Leben und Tod gelte es zu sehen, gerade wenn es um das Sterben eines Menschen gehe.

Wie intensiv Leben und Tod miteinander verschmolzen sind, machte die musikalische und sprachliche Interpretation des Psalms 22 deutlich, die den Schwerpunkt der Veranstaltung bildete. „Der Schrei, mein Gott, mein Gott, warum hast du Mich verlassen scheint durch die Zeiten zu tönen und immer wieder im Elend der Menschen, in ihrer Unbehaustheit, in der Sinnlosigkeit ihrer Lebensentwürfe, im Scheitern ihrer Lebenspläne nachzuhallen“, so Domkapitular Peter Hubbauer in seinem geistlichen Wort.

Das Erleben des alttestamentlichen Beters spiegle auch für uns heutige Menschen ein geradezu realistisches Bild wieder. Denn „die Erfahrung der eigenen, vielleicht endgültige Lebensbeschränkung machen auch heute viele Menschen in den Alten- und Pflegeheimen, machen viele Kinder auf den Krebsstationen und auch viele Angehörige, die mitansehen müssen, wie ein geliebter Mensch „von der Rotte des Bösen – so der Psalm – umlagert ist, d.h. dahinvegetiert und elendig zugrundegeht, ohne dass sie helfen können.“, sagte Hubbauer weiter. Doch bleibe der Beter nicht bei diesem Punkt der Ausweglosigkeit stehen, sondern „er legt alles in die Hände Gottes. Dass Gott ihn rettet ist für den Beter Gewissheit“. Deswegen gehe es in der Nachfolge Christi gerade darum, diese Gewissheit der Rettung zu leben und zu den Menschen zu bringen – mit „der Sorge, der Pflege und Solidarität, mit der Glaubensgewissheit und dem Gebet“, so Hubbauer.

Der evangelisch-lutherische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss griff in seiner Betrachtung des Psalms den Gedanken der Rettung durch Gott auf, die den Beter, aber auch uns heutige Menschen zu einem gesegneten Volk macht. Die Kirche sei darum auch das Volk, das dem Menschen im Sterben seine Würde bewahrt, weil sie weiß, dass das Leben heilig und von Gott ist. Deswegen sei eine aktive Sterbehilfe abzulehnen. „Die Zeiten von Krankheit und Sterben sind keine verlorenen Zeiten, die schnellstens beendet werden müssten“, so der Regionalbischof. Außerdem müsse das Handeln der Mediziner und des Pflegepersonals von der Achtung dieser Würde geleitet sein und nicht von Finanzen und polischen Erwägungen.

„Kostbarster Unterricht an den Sterbebetten"
Zuvor betonte Dr. Andreas-Pazifikus Alkofer, Professor für Theologische Ethik in Chur, in seiner thematischen Einführung, dass es im Sterben nicht nur um einen eingleisigen Prozess geht. Vielmehr gilt, dass "jeder, der geht, uns ein wenig über uns selbst belehrt.“ Dieser Satz stelle jedoch eine große Herausforderung für die Angehörigen und die Pflegenden dar. Denn allzu oft ist das Mitleid mit einem unheilbar Kranken nur vorgeschoben: Nicht er selbst hält seinen Zustand für unzumutbar, sondern seine Umgebung fühlt sich überfordert. Und allzu oft ist es nur die Angst vor der Sinnleere des einsamen Sterbens in einem anonymen Krankenhausbetrieb, der die Forderung nach einer vorzeitigen Beendigung des Lebens auslöst. Doch dieser Forderung, die oftmals aus der Über-Forderung mit der Situation entsteht, dürfe nicht nachgegeben werden. Menschliches Leben hat seine Würde bis zum Schluss. Von daher seien Hospize und Palliativstationen Wege, Leiden und Sterben des Menschen in guter Weise zu begleiten, ohne dass es dabei um aktive Sterbehilfe gehe. Dies wahrzunehmen sein im besten Sinne „Kostbarster Unterricht an den Sterbebetten".

Wie nahe Sterben und Tod im Leben verankert sind, zeigt sich auch in dem 1763 von Felix Hölzl gemalten Totentanz in der gleichnamigen Kapelle auf dem St. Petersfriedhof. Dorthin lud Pfarrer Gerhard Bickel ein, um mit einer Lesung und Betrachtung dieses Totentanzes die Veranstaltung abzuschließen, die musikalisch eindrucksvoll von dem Regensburger Vokalensemble commonVoice unter Leitung von Markus Weigl gestaltet wurde.