News Bild Die Wirtschaft muss den Menschen dienen: Arbeitnehmer sprechen mit Bischof Gerhard Ludwig Müller über Leiharbeit

Die Wirtschaft muss den Menschen dienen: Arbeitnehmer sprechen mit Bischof Gerhard Ludwig Müller über Leiharbeit

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(pdr) Die Gäste aus der Oberpfalz und Niederbayern berichteten von ihren Erfahrungen mit der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung. Nur rund die Hälfte eines Stammarbeiterlohns verdienten die ausgeliehenen Kolleginnen und Kollegen – bei gleicher Arbeitsleistung. In den Sommerferien falle ihr Urlaub aus, denn die regulär Beschäftigten hätten den Vortritt. Leiharbeiter zu übernehmen sei kostspielig, denn die Leiharbeitsfirmen verlangten saftige Ablösungssummen von den Betrieben, die einstellen wollen. Eine wachsende Zahl von Betrieben setze Leiharbeiter ein, um die Lohnkosten zu senken. Tarifliche Arbeitsplätze würden dafür gestrichen. Solchen Unternehmen gehe es nicht mehr darum, Produktionsspitzen und Auftragsschwankungen aufzufangen.

Tagelöhnerei des 21. Jahrhunderts nannte Richard Wittmann von der katholischen Betriebsseelsorge diese Form der Leiharbeit. Sie verletze nicht nur die Würde der Kolleginnen und Kollegen, betonte Alexander Gröbner von ver.di, sie belaste auch die gesamte Gesellschaft. Denn die Gemeinschaft aller Bürger zahle Hartz IV an die Geringverdiener und den öffentlichen Haushalten und Sozialversicherungen fehlten Beiträge, was sich bis in die Rente auswirke.

Bischof Gerhard Ludwig ermutigte die Arbeitnehmervertreter, sich weiter für sichere und gerecht bezahlte Arbeitplätze einzusetzen. „Gewaltige Einkommensunterschiede bei gleicher Arbeit sind unmoralisch. Diese Art von Leiharbeit ist unsittlich.“ Wirtschaft habe den Menschen und der menschlichen Gemeinschaft zu dienen und nicht umgekehrt. In einer Zeit, die danach strebe, alle Lebensbereiche zu ökonomisieren, müssten Gewerkschaften, Unternehmen und Kirche zusammenstehen und gemeinsam für eine menschenwürdige Arbeitswelt eintreten.

Der Austausch mündete bei Weißbier und Abendbrot in offene und angeregte Gespräche verbunden mit dem Wunsch, mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein zu schaffen für die Problematik der Leiharbeit. Vor allem der Gesetzgeber sei hier gefordert. Denn nur er könne die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Bischof Gerhard Ludwig bedankte sich bei den Gästen für den Austausch und ihr Engagement.