News Bild Die Wahrheit wird sich immer durchsetzen – Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sprach mit Alexandra Linder und Dr. Albrecht Voigt vom Bundesverband Lebensrecht e.V. über den Lebensschutz in Deutschland

Die Wahrheit wird sich immer durchsetzen – Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sprach mit Alexandra Linder und Dr. Albrecht Voigt vom Bundesverband Lebensrecht e.V. über den Lebensschutz in Deutschland

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„Es gibt nichts Wichtigeres“ – Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ist der Lebensschutz von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein Herzensanliegen. Am vergangenen Donnerstag tauschte er sich mit Alexandra Linder, Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht e.V. (BVL), und Dr. Albrecht Voigt, Wissenschaftlicher Referent beim BVL, über die Situation des Lebensschutzes in Deutschland aus.

„Ich bewundere ihr Engagement“, begrüßte Bischof Voderholzer Alexandra Linder und Dr. Albrecht Voigt. Der Lebensschutz ist ihm sehr wichtig. Bischof Voderholzer hat im vergangenen Jahr bereits zum 6. Mal am Marsch für das Leben teilgenommen, den der BVL organisiert. Für dieses Jahr ist der 18. September bereits in seinem Kalender blockiert. „Es gibt nichts Wichtigeres.“ Auch in der Debatte um den assistierten Suizid findet er klare Worte: „Wer Sterbehilfe erlaubt, macht über kurz oder lang Sterben zur Pflicht.“

„Es ist ein bisschen schizophren“, schildert Alexandra Linder die Situation des Lebensschutzes in Deutschland. „Auf der einen Seite tun wir zu Recht alles, um alte Menschen vor schweren Krankheiten zu schützen, wie gerade jetzt vor dieser Infektion. Und auf der anderen Seite soll nun genau denselben Menschen im Grunde ein assistierter Suizid angeboten werden.“ Das heißt konkret, „den Menschen selbst zu beseitigen statt seine Probleme anzugehen.

Ein Umdenken bemerkt Alexandra gerade bei jungen Menschen. Immer mehr Schüler interessieren sich für den Lebensschutz und fragen nach, genauso wie Studenten und Doktoranden der Medizin. Aus diesem Grund hat der Bundesverband Lebensrecht e.V. in Berlin ein Lebensrechtszentrum gegründet. Es soll wissenschaftlich fundierte Informationen zum Thema Lebensschutz bereitstellen. Das Interesse der jungen Menschen wundert Bischof Voderholzer nicht: „Wir haben alle Argumente auf unserer Seite.“ Er ist überzeugt: „Die Wahrheit wird sich immer durchsetzen!“

Interview mit Alexandra Linder, Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht

Im Vorfeld des Treffens haben wir uns mit Alexandra Linder unterhalten. Thema war die jüngst laut gewordene Forderung hochrangiger protestantischer Kirchenmänner, die Beihilfe zum Suizid in kirchlichen Einrichtungen anzubieten oder zuzulassen.

 

Frau Linder, wie ist derzeit die Lage des Lebensschutzes in Deutschland?

„Es ist ein bisschen schizophren: Auf der einen Seite tun wir zu Recht alles, um alte Menschen vor schweren Krankheiten zu schützen. Auf der anderen Seite wollen bestimmte Parteien und offensichtlich auch bestimmte Leute des Bundesverfassungsgerichts genau denselben Menschen einen assistierten Suizid anbieten. Das bedeutet nichts anderes, als vor einer schwierigen Lebenslage zu kapitulieren und diesen Menschen zu beseitigen, statt die Probleme des Menschen zu beseitigen. Der Begriff Lebensschutz ist zum Glück in aller Munde, aber er könnte jetzt konsequenter weiterdefiniert und praktiziert werden.“

 

Wie bewerten Sie die Forderung hochrangiger protestantischer Kirchenmänner, assistierte Suizide in kirchlichen Einrichtungen anzubieten oder zuzulassen?

„Ich bin jetzt nur Laie, aber ich bin fest davon überzeugt, dass das diametral jeder christlichen Einstellung widerspricht. Die Christen, gerade Christen, müssten einen Rettungsanker bieten statt den Leuten einen Schierlingsbecher zu reichen. Denn aus der Suizidforschung ist bekannt: Praktisch niemand will wirklich selbstbestimmt sterben, also sich selbst töten. Es ist fast immer eine Lage, die für diesen Menschen in diesem Augenblick aussichtslos erscheint. Das kennen wir zum Beispiel von den Hospizen. Wenn es ihm einen Tag später bessergeht und er weniger und vielleicht gar keine Schmerzen mehr hat, sagt er plötzlich: ‚Nein, ich will gar nicht mehr sterben.‘ Unsere Aufgabe muss es sein, jedem Menschen alles zu geben, was er braucht, und alles zu nehmen, was ihn zu diesem Suizidgedanken bringen könnte. Keine christliche Einrichtung darf jemals einen Menschen absichtlich, willentlich dem Tode zuführen, das ist unfassbar.“

 

„Jeder Mensch soll und darf selbst entscheiden, ob er weiterleben möchte“ heißt es von Befürwortern der Suizidbeihilfe. Häufig ist von einem „Sterben in Würde“ die Rede. Was sagen Sie dazu?

„Ein Problem, das wir haben, was ja eigentlich kein Problem, sondern ein guter technischer Fortschritt ist, ist der Fortschritt der Medizin. Wir können den Tod deutlich weiter nach hinten verschieben als es noch vor dreißig Jahren der Fall gewesen wäre. Eigentlich sagt ja jeder: ‚Ich möchte wirklich zu Hause sterben.‘ Aber kaum einem alten Menschen gelingt es, weil er am Schluss ganz oft in die Krankenhausmaschinerie gerät. Es wird dann 92-Jährigen noch ein Bein amputiert. Für solche Fälle gibt es Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Jeder kann festlegen: ‚Das möchte ich nicht.‘ Das bedeutet, dass ich bestimmte Behandlungen nicht mehr mache, die keinerlei therapeutischen Nutzen mehr haben, sondern im Grunde nur noch den Sterbeprozess aufhalten oder verlängern. Und das ist völlig in Ordnung. Das machen die seriösen Krankenhäuser ohnehin schon. Diese Gefahr ist also gar nicht so groß, wie man glaubt.“

 

Blicken wir durch Corona anders auf Wert und Würde des Lebens?

„Vielen Menschen wird bewusst, was wirklich zählt. Wir waren ja in so einer Schleife: Konsum, der Mensch ist nur noch für die Arbeit da, nicht die Arbeit für den Menschen. Solche Entwicklungen gab es. Sie waren für das Bewusstsein und für das Befinden des Menschen negativ. Jetzt fällt immer mehr Menschen auf, was wirklich zählt. Dass ich mich um meine alten Verwandten kümmere, das ist wichtiger als alles andere. Und auch der Begriff der Menschenwürde und des Lebensschutzes ist in aller Munde. Er müsste aber tatsächlich konsequenter weitergeführt werden. Jeder will die anderen vor einer Infektion schützen. Aber dann muss man auch überlegen: Ok, ich kann doch nicht auf der einen Seite diesen alten Menschen jetzt vor einer Infektion schützen, dann vereinsamt er aber vielleicht und wünscht sich in einem Jahr nicht mehr zu leben, weil er einfach keinen Lebenssinn mehr hat. Und dann gehe ich zu ihm hin und sage: ‚Ich biete dir den assistierten Suizid.‘ Das ist schizophren. Das geht gar nicht.“

 

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?

„Ich wünsche mir, dass der Begriff Lebensschutz so in der Gesellschaft verankert bleibt. Dass diese Wertigkeit, die wieder zum Menschen hingeht, weitergeht, natürlich ohne diese Pandemie zu behalten. Aber dass wir als Lehre daraus ziehen, wie wichtig tatsächlich der einzelne Mensch und die Würde jedes Menschen ist. Dass wir Lebensschutz konsequent weiterdenken und eben nicht die so genannte Autonomie, wie das Bundesverfassungsgericht jetzt tatsächlich geurteilt hat. Das Recht des Menschen und seine Würde sind über alles zu stellen. Wir dürfen niemals einen Menschen dem Tode zuführen, sondern wir müssen alles tun, um jedem Menschen vom Anfang bis zum Ende das Leben so gut und angenehm wie möglich zu gestalten und ihm zu helfen. Das wäre eine schöne Lehre aus dieser Pandemie.“