„Die Ruinen bei den Gebäuden sind auch Zeichen für die Ruinen in den Seelen“ - Studienfahrt der Katholischen Erwachsenenbildung auf den Spuren böhmischer Klöster

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„Mit Christus Brücken bauen“ lautete der Titel der Studienfahrt und erinnerte damit auch an das Motto des Katholikentages 2014 in Regensburg, wo die deutsch-tschechische Nachbarschaft ebenfalls einen Schwerpunkt bilden wird. Während der Anreise informierten Ruhestandspfarrer Hans-Josef Bösl, Domvikar Monsignore Dr. Werner Schrüfer und der Bischöfliche Baudirektor Paul Höschl über die Geschichte des Stifts Tepl bzw. über den Orden der Trappisten und die Architektur des Klostergebäudes.

Auf den Gründen des Stifts Tepl, den Adeligen Hroznata, die wechselvolle Geschichte des Stiftes bzw. Klosters vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit (u.a. Gründung Marienbads) und die Vorkommnisse vor allem im 20. Jahrhundert ging Pfarrer i.R. Bösl ein. Er verwies auf die Bodenreform und die teilweisen Enteignungen nach der Gründung der ersten tschechoslowakischen Republik und besonders auf die Vertreibungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges bzw. unmittelbar danach. „Das Stift war ein rein deutscher Konvent bis zur Vertreibung 1946“, stellte der Geistliche fest, wobei Mitte des 19. Jahrhunderts hier 101 Chorherren wirkten. Zwangsenteignungen führten aber auch zuvor bereits die Nationalsozialisten durch. Der von 1900 bis 1944 in Tepl tätige Abt Gilbert Helmer hat, so Pfarrer Bösl in seinen Ausführungen, bereits im Jahr 1921 mit Blick auf eine mögliche Vertreibung das Kloster Speinshart als möglichen Zufluchtsort zurückgekauft und in Deutschland sowie in den Niederlanden Geld angelegt, das später aber verloren ging. Fakt war 1946 die Vertreibung der deutschen Prämonstratenser aus Tepl, vier Jahre später die Aufhebung aller Klöster in der nun kommunistischen Tschechoslowakei und die Nutzung des Klosters als Kaserne bis Mitte der 1980er Jahre. Im Jahr 2000 starb in Speinshart der letzte aus Tepl stammende Prämonstratenser. Heute wirken in Tepl 14 Prämonstratenser – vier davon im Kloster, der Rest zur Seelsorge in umliegenden Pfarreien. „Tschechien ist heute ein Missionsland, es ist sehr schwierig, als Kirche hier Fuß zu fassen. Größer als die Schäden in den Gebäuden sind die Schäden in den Seelen“, fasste Pfarrer Bösl zusammen.

Die Ursprünge und Entwicklung der Trappisten bzw. des Zisterzienserordens von der strengeren Observanz erläuterte Domvikar Monsignore Dr. Werner Schrüfer. Er ging auf den Basisorden der Zisterzienser ebenso ein wie auf die Begründer Armand Jean Le Bouthillier de Rancé und Augustin de Lestrange und die Vereinheitlichung des Erdens Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute charakterisieren die Trappisten vor allem Abgeschiedenheit, Askese und körperliche Arbeit. Ferner ist für diesen Orden kennzeichnend, dass keine Aufgaben von außen übernommen werden und die Verehrung der Gottesmutter Maria sehr hoch steht.

Die Baugeschichte, Architektur sowie den hinter dem Neubau der Abtei Novy Dvur stehenden Stararchitekten John Pawson stellte der Bischöfliche Baudirektor Paul Höschl den Reiseteilnehmern vor. Besonders durch seine Kunst des Weglassens und den Stil des Minimalismus ist Pawson bekannt, dessen Arbeiten beispielsweise auch durch Elemente aus dem Buddhismus beeinflusst sind. „Einfachheit in Verbindung mit zeitgenössischer Architektur“, fasste Höschl den Stil des englischen Architekten zusammen, der dann auf Bitte des Abtes von Novy Dvur die Planung der neuen Klosterkirche übernahm, die von 2001 bis 2004 dann gebaut wurde. Der gesamte Gebäudekomplex, der auch Teile der früheren landwirtschaftlichen Gebäude umfasst, sei „geprägt von allen Prägungen des Architekten und von den Grundlagen der Trappisten“, verdeutlichte der Baudirektor und sprach von einer „Ausgewogenheit zwischen Schönheit und Funktionalität“.

Im Gästehaus der Trappistenabtei bekamen die Reiseteilnehmer durch einen Film und Erläuterungen des niederländischen Trappisten-Bruder Frederic weitere Informationen über den Bau des Klosters, den Tagesablauf der Mönche, die sprachliche Kommunikation (Franzosen, Tschechen, Slowaken, Niederländer, Polen, Ukrainer), die aktuelle Stärke der Abtei (von neun bzw. zwölf bei der Gründung auf heute 26 plus zwei Postulanten, davon sieben Priester – einer Ende Juni neu geweiht) und die Ausbildung. „Wir wachsen langsam und sicher“, kommentierte Bruder Frederic den Zuwachs. Darüber hinaus kümmern sich die Trappisten auch um die Leute im nahe gelegenen kleinen Dorf, mit einer Schafzucht sowie der Herstellung von Senf und Kosmetikartikel auf Weizenkeimölbasis erwirtschaftet die Abtei das zum Unterhalt nötige Geld. „Unsere Hauptaufgabe ist das Gebet für die Welt und für uns selbst, unsere Berufung ist das Gebet“, schloss der Trappisten-Bruder seine Ausführungen. Einen Eindruck von dieser Spiritualität vermittelte dann das Stundengebet zu Mittag in der von John Pawson entworfenen Klosterkirche.

Vor der Führung durch die Kirche, das Museum und die Bibliothek des Stiftes Tepl hieß der dortige Abt Filip Zdenek Lobkowicz die Reisegruppe willkommen. „Die Ruinen bei den Gebäuden sind auch Zeichen für die Ruinen in den Seelen“, unterstrich er die bereits zuvor gemachte Aussage von Pfarrer Bösl. Mit der Besichtigung des Gotteshauses, des Museums und der Bibliothek endete das Programm der Studienreise. Und Anneliese Schwarzer aus Selb nahm die Gelegenheit wahr, sich vor dem Gemälde ihres Onkels fotografieren zu lassen. Denn dieser war kein Geringerer als der letzte deutsche Abt von Tepl, Petrus Möhler, der im Zuge der Vertreibungsmaßnahmen noch bis 1948 inhaftiert war, und dann Deutschland ins Kloster Schönau ausreisen konnte, wo er im Jahr 1968 starb.

 

Trappisten-Bruder Frederic bei seinem Vortrag.

 

Anneliese Schwarzer aus Selb vor dem Portrait ihres Onkels Petrus Möhler, des letzten deutschen Abtes von Tepl.