News Bild Die Bedeutung der Reliquienverehrung in der katholischen Kirche und in Regensburg

Die Bedeutung der Reliquienverehrung in der katholischen Kirche und in Regensburg

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Am 11. Oktober 2015 setzte Bischof Rudolf Voderholzer in der Kollegialstiftskirche St. Johann in Regensburg eine Blutreliquie des hl. Papst Johannes Paul II. (1920-2005) im Rahmen eines Pontifikalamtes ein. In seiner Predigt entgegnete Bischof Rudolf Voderholzer den Kritikern der Reliquienverehrung, dass es sich dabei um eine zutiefst menschliche Angelegenheit handle, Begegnung geschehe immer auch leiblich. Werfe man heutzutage einen Blick in ein Jugendzimmer, so finde man dort viele "weltliche Reliquien", wie eine erste Haarlocke, das Autogramm eines Stars oder auch das Trikot des Lieblingsfußballvereins. Reliquienverehrung, so der Bischof, sei alles andere als unzeitgemäß.

Domvikar Monsignore Georg Schwager ist Leiter der Abteilung Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Bistum Regensburg. Als solches ist er u.a. mit dem Seligsprechungsprozess von Bernhard Lehner und Bischof Georg Michael Wittmann betraut. Im folgenden Interview gibt er Antworten zur Reliquienverehrung.

 

Wo sind die Ursprünge der Reliquienverehrung?

"Die Reliquienverehrung geht bis in die Märtyrerzeit zurück. Es war selbstverständlich für die ersten Christen, dass sie die Gräber der Märtyrer aufsuchten und dort für die Verstorbenen beteten und sich so mit ihnen verbunden fühlten, in dem einen christlichen Glauben. Dort in den Katakomben feierten sie auch die Eucharistie. Über den Gräbern der Märtyrer der Urkirche und auch der Glaubenszeugen späterer Jahrhunderte wurden sehr oft Kirchen erbaut. Da man in der damaligen Zeit, nicht wie heute, so ohne weiteres an eines der verschiedenen Heiligengräber gelangen konnte, hat sich schon sehr früh die Praxis herausgebildet, an benachbarte christliche Gemeinden Teile der Gebeine zu übersenden".

 

Welche verschiedenen  Arten von Reliquien gibt es in der katholischen Kirche?

"Es gibt strenggenommen zwei Klassen. Die erste Klasse sind Primärreliquien, das heißt, "ex ossibus" - also von den Gebeinen - oder "ex corpore" - vom Leibe. Die zweite Kategorie sind die sogenannten Berührungsreliquien. Nachwievor haben heutzutage natürlich die Reliquien erster Klasse den Vorzug. Nur solche dürfen bis heute, wie es seit Jahrhunderten üblich ist, in die Altäre eingesetzt werden. Die Berührungsreliquien haben ihren Ursprung auch von dem Bedürfnis der Menschen, Gegenstände die mit dem Heiligen sehr eng in Berührung standen, aufzubewahren als Andenken an ihn. Es war natürlich auch einfacher Berührungsreliquien anzufertigen, in dem man z.B. Stoffe an den Gebeinen berührte, als aus den Gräbern eine Reliquie aus den Gebeinen eines heiligen zu erhalten."

 

In welchem Zusammenhang stehen die Begriffe Verehrung und Anbetung mit den Reliquien?

"Wir müssen hier jetzt ganz klar unterscheiden: Anbetung gebührt alleine dem dreifaltigen Gott, man spricht da vom latreutischen Kult. Als zweites spricht man vom dulischen Kult, der Verehrung, der dann den Heiligen oder den Engeln erwiesen wird. Dazwischen steht noch der hyperdulische Kult, der der Gottesmutter Maria gebührt als der Königin der Heiligen. Die Kirche unterscheidet hier ganz genau und es ist eine klare Struktur gegeben von der Liturgie der Kirche. Wir verehren die Heiligen als Freunde Gottes, um deren Fürsprache wir bei Gott bitten. Alle Gnaden aber kommen von Gott und nicht von den Heiligen."

 

Wo befinden sich bekannte Reliquien in Regensburg ?

"Die bekanntesten Reliquien sind wohl die vom hl. Bischof Wolfgang in der Basilika St. Emmeram. In der gleichen Kirche befinden sich dann auch noch die Reliquien des hl. Bischof Emmeram. In der Niedermünsterkirche werden u.a. die Reliquien des hl. Bischof Erhard verehrt. Das sind ja uralte Reliquien, die schon bald 1000 Jahre in unserer Stadt hoch verehrt werden. Und wir haben jetzt eine relativ neue Reliquie jetzt draußen in der Kapelle des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder vom sel. Eustachius Kugler, der ja vor wenigen Jahren erst seliggesprochen wurde. In der Niedermünsterkirche haben wir auch noch ein kleines Reliquiar der sel. Königin Gisela von Ungarn oder in der Pfarrkirche St. Cäcilia im Stadtosten die Gebeine des sel. Friedrich von Regensburg."

 

 

Welche Bedeutung hat für Sie die Blutreliquie?

"Mit dem Blutstropfen von Papst Johannes Paul II. haben wir einen Teil von ihm präsent hier in der Kirche St. Johann, auf diese Weise ist er uns nahe, fast greifbar, und diese Nähe unterstützt unser Gebet zu ihm, wann immer er auch Fürsprecher in unseren Anliegen beim Herrgott ist."