News Bild Der Regensburger Missionar Gerhard Lagleder OSB berichtet in Kelheim von der Arbeit der Bruderschaft des Seligen Gerhard in Afrika
Der Regensburger Missionar Gerhard Lagleder OSB berichtet in Kelheim von der Arbeit der Bruderschaft des Seligen Gerhard in Afrika

So können Christen wirklich helfen

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Kelheim, 1. Juli 2022

In diesem Herbst kann die südafrikanische Bruderschaft des Seligen Gerhard, die vom Regensburger Missionar Gerhard Lagleder OSB und zahlreichen Südafrikanerinnen und- afrikanern gemeinsam gegründete Hilfsorganisation des Malteserordens in Südafrika, 30-jähriges Bestehen feiern. Nach zwei Jahren Coronapause konnte Pater Gerhard in diesem Frühjahr und Sommer wieder nach Europa kommen, um persönlich von der Arbeit und den aktuellen Herausforderungen zu berichten und um Spenden zu werben. Kurz vor der Rückreise nach Südafrika war er am Donnerstag, 30. Juni in Kelheim von Margareta Schneider, der Pfarrei Mariä Himmelfahrt und der KEB eingeladen worden. Die Besucherinnen und Besucher erlebten einen Abend, an dem viel von Not die Rede war, aber auch von sehr beeindruckenden Hilfeleistungen. Da die Organisation von den meisten Unterstützten wegen deren Armut kaum einen eigenen Beitrag erwarten kann, ist sie vor allem auf Spenden angewiesen. Vor allem regelmäßige Spenden, die Planungssicherheit geben, sind dabei für eine kontinuierliche Arbeit wichtig, betonte Pater Gerhard Lagleder an dem Abend.

In Kelheim informiete Pater Lagleder über die laufende Arbeit in Afrika.

Krieg in der Ukraine strahlt aus bis nach Südafrika

Auch wenn Südafrika weit entfernt vom Ukrainekrieg scheint, trifft er dort die Bevölkerung hart. Auch dort sind die Kraftstoffpreise kräftig gestiegen. Ebenso die Lebensmittel, zum Beispiel das Sonnenblumenöl um 50 %. Schon vorher haben 80% der Bevölkerung in dieser Gegend mit weniger als 100 € im Monat auskommen müssen. Da wirken sich solche Steigerungen dramatisch, ja lebensbedrohend aus. Corona hat die Arbeitslosenquote von vorher 45% nochmals ansteigen lassen und viele, die zum Beispiel als Straßenhändler oder Gelegenheitsarbeiter gearbeitet haben, konnten wegen der Ausgangssperren gar nichts mehr verdienen. Die Bruderschaft hat in den vergangenen beiden Jahren mit einem Sofortprogramm reagiert und allein im Jahr 2021 mit 1.563 Lebensmittelpaketen, von denen jedes einen Monat lang eine vierköpfige Familie ernährt, 154 Familien geholfen. Auch mit Decken und Gebrauchtkleidung wurde die schlimmste Not gelindert. Dieses Programm muss fortgeführt werden.

Unwetter und Wechselkurs sind unplanbar

Dieses Jahr ist in der Karwoche noch eine Unwetterkatastrophe dazugekommen, durch die Wasser im Erdgeschoß des Hospizes eingedrungen ist. Auch Menschen, denen es oft alles Hab und Gut weggespült hat, sind nun zu unterstützen. Wie viele andere Hilfsorganisationen treibt auch die Bruderschaft des Seligen Gerhard die Sorge um, dass aktuelle Not, von der auch viel berichtet wird (wie aktuell in der Ukraine oder letztes Jahr im Aartal) das Spendenaufkommen dorthin verlagert und andauernde, aber für die Betroffenen nicht weniger dramatische Notsituationen aus dem Blickfeld geraten. Ein weiteres unbeeinflussbares Problem ist der Wechselkurs des Euro zum südafrikanischen Rand. Der ist in den letzten Monaten stark gefallen. Das bedeutet: für die Finanzierung der gleichen Hilfe in Südafrika sind nun mehr Euros nötig.

In 30 Jahren immer neue Antworten auf die Not der Menschen

Vor diesem Hintergrund sind Information und Spendenwerbung besonders wichtig. Die Bilanz, die Pater Gerhard präsentiert, ist eindrucksvoll. Mit immer neuen Programmen ist in den letzten 30 Jahren auf die verschiedenen Nöte reagiert worden. Am Anfang stand Hilfe für mangelernährte Kinder, um sie vor dem Verhungern oder bleibenden Schäden zu retten. Es folgte ein Hospiz vor allem für AIDS-Kranke, die sonst einsam gestorben wären. Inzwischen ist das Hospiz mit 40 Betten das größte in Südafrika. Im vergangenen Jahr hat es auch 738 ambulante Behandlungen gegeben. Mütter, die mit kleinen Kindern kamen und starben, ließen Weisenkinder zurück, um die sich die Großfamilien oft nicht kümmern konnten oder wollten. Logische Konsequenz war ein Kinderheim, in dem derzeit 61 Kinder leben und dort eine gute Schulbildung und Erziehung bekommen. Dort leben heute auch andere Kinder, die keine funktionierenden Familien haben. Diese Kinder werden älter, müssen lernen, ihr Leben selbständig zu meistern. Deshalb gibt es seit letztem Jahr für jugendliche Jungen und Mädchen je ein eigenes Haus, in dem sie ihr Leben selbst organisieren müssen. Gute Schulbildung, vor allem höhere Schulbildung kostet in Südafrika viel Geld, ist aber die Voraussetzung dafür, aus dem Kreislauf des Elends zu kommen. Damit Kinder aus dem Heim oder andere begabte Kinder ihre Chance nutzen können, wurde ein Stipendienprogramm mit 363 im Jahr 2021 Geförderten aufgelegt.

Arbeiten in einer der Hochburgen von AIDS

Der Großraum Mandeni, in dem die Bruderschaft arbeitet, ist von AIDS immer noch extrem betroffen. Die Krankheit ist noch nicht heilbar, aber bei guter medizinischer Behandlung ist ein Leben mit Arbeit und normalem Alltag möglich. Damit die Behandlung, die zum Beispiel eine lebenslange sehr regelmäßige Einnahme von Medikamenten erfordert, erfolgreich ist, bedarf es enger und einfühlsamer Betreuung durch medizinisches Personal und Sozialarbeit für derzeit 625 Patientinnen und Patienten mit 3.339 ambulanten Behandlungen. Auch Aufklärungsarbeit ist weiter wichtig. In dem Hotspot der Armut ist aktuell Hilfe für unterernährte Kinder ein weiterer Schwerpunkt. So wurden 30.330 Portionen Spezialnahrung ausgegeben, um fehl- und mangelernährte Kinder zu retten. Bei all den Zahlen ist Pater Gerhard aber wichtig, was er bei seiner Predigt am Dreifaltigkeitsfest zum 40. Priesterjubiläum in Regenburg gesagt hat: „Wir Priester, aber auch alle Christen sind da, um Zeugen der Liebe zu sein, die aus dem Dreifaltigen Gott entspringt, die wir im Glauben erleben dürfen und deren Zeugen wir sein sollen. Das ist die tiefste Quelle unseres Engagements und unserer Bruderschaft.“

Näherer Informationen: www.bbg.org.za

Spendenkonto: Bruderschaft des Seligen Gerhard e.V., IBAN: DE37 7215 2070 0000 0120 21, BIC: BYLADEM1NEB   

 

Text: Gregor Tautz/jas
Fotos: Gregor Tautz und BBG