News Bild Das war der „Red Wednesday“ 2022
Das war der „Red Wednesday“ 2022

Solidarität mit verfolgten Christen – für Religionsfreiheit

Home / News

30. September 2022

Die Aktion „Red Wednesday 2022“ des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) in Deutschland ist am Samstag (26. November) mit einem „Abend der Zeugen“ im Mainzer Dom zu Ende gegangen. Deutschlandweit haben in diesem Jahr knapp 170 katholische und evangelische Pfarreien ihre Kirchen als Zeichen der Solidarität mit weltweit verfolgten und diskriminierten Christen rot angestrahlt sowie Gebets- und Informationsabende zum Thema Religionsfreiheit veranstaltet. Auch im Regensburger Dom wurde an einem "Abend der Zeugen" der verfolgten Christen gedacht.

Gebetswache vor dem rot beleuchteten Augsburger Dom © Kirche in Not

Gebetswache vor dem rot beleuchteten Augsburger Dom © Kirche in Not

Höhepunkte in Kathedralen – Unterstützung durch Radio Horeb und Jesuiten

Maßgeblich beteiligt haben sich in diesem Jahr der katholische Sender Radio Horeb, der zwei Veranstaltungen live übertrug und die Aktion medial begleitete, sowie die Berliner Jesuitenpfarrei St. Canisius, die ein Podiumsgespräch mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Monika Grütters und Thomas Heine-Geldern, dem Geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“ (ACN) International, organisiert hatte.

Weitere Höhepunkte der diesjährigen Aktion waren „Abende der Zeugen“ mit Gästen aus dem Irak, Nigeria und Pakistan in den rot ausgeleuchteten Kathedralen von Passau, Regensburg, Freiburg im Breisgau, Augsburg und Mainz. In Neumarkt in der Oberpfalz war das Münster anlässlich einer ökumenischen Andacht zum „Red Wednesday“ ebenfalls rot erleuchtet gewesen.

Augsburg: Aufruf zum mutigen Bekenntnis

Am „offiziellen Termin“ des „Red Wednesday“, dem 23. November 2022, war unter anderem der Augsburger Dom zu einem Gebetsabend innen und außen blutrot beleuchtet gewesen. Bischof Bertram Meier erinnerte in seiner Predigt daran, dass das Menschenrecht auf Religionsfreiheit auch in Deutschland verteidigt werden müsse. Obwohl die Christen in Deutschland keine Verfolgung und Unterdrückung erfahren, werde das Christsein doch immer mehr angefochten und hinterfragt. Selbst Symbole des christlichen Glaubens würden immer öfter aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Christen seien daher in der kommenden Adventszeit dazu aufgerufen, aktiv „Salz der Erde“ zu sein.

Aus Nigeria berichtete während des Augsburger „Abends der Zeugen“ Weihbischof John Bogna Bakeni über die Christenverfolgung durch Terroristen des „Islamischen Staates Westafrika“ und der islamistischen Sekte „Boko Haram“ in seinem Land.

Bischof Samson Shukardin im Mainzer Dom © Kirche in Not

Bischof Samson Shukardin im Mainzer Dom © Kirche in Not

Mainzer Bischof Kohlgraf: Religiöse Diskriminierung politisch thematisieren

In seiner Ansprache am 26. November im Mainzer Dom betonte Bischof Peter Kohlgraf, dass es „in unserer manchmal selbstbezogenen Themensetzung in Deutschland“ wichtig sei, „den Blick auf die Situation von Kirchen zu richten, die angefeindet und verfolgt werden“. „Verantwortliche in der Politik thematisieren die alltägliche Diskriminierung und Verfolgung aus religiösen Gründen in vielen Ländern dieser Erde nur selten hörbar oder gar nicht“, beklagte Kohlgraf. Er wünsche sich, dass die Aktion „Red Wednesday“ dazu beitrage, das Gespür für die bedrängte Situation von Christen weltweit zu schärfen.

Pakistanischer Bischof Shukardin: „Religiöse Intoleranz gesetzlich verankert“

Als Gast aus der Weltkirche berichtete in Mainz der katholische Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin. Er betonte, dass Christen in Pakistan meist nur als „Bürger zweiter Klasse“ behandelt würden. Gesellschaftlich akzeptierte Berufe für Christen seien ausschließlich gering geachtete Tätigkeiten. Übliche Berufe seien beispielsweise Tätigkeiten als Hausmeister, als Arbeiter in Ziegeleien und Kanalisationen sowie als Hilfskräfte in der Landwirtschaft. Religiöse Intoleranz sei gesetzlich verankert und werde von den Christen täglich erfahren.

Entführungen und Zwangsbekehrungen in Pakistan nehmen zu

Ein besonders skandalöses Beispiel dafür sei nach Aussage Bischof Shukardins, dass „jedes Jahr zahlreiche minderjährige Mädchen und Frauen Opfer von Entführungen, Zwangsehen und Zwangsbekehrungen“ würden. Dieses Problem nehme trotz anderslautender gesetzlicher Bestimmungen und internationaler Verpflichtungen Pakistans „mit alarmierender Geschwindigkeit zu“. Die Polizei verschließe bei Anzeigen von Entführungen oft die Augen, wodurch die Täter straffrei blieben.

Pakistanische Anti-Blasphemiegesetze unterdrücken Minderheiten

Bischof Shukardin berichtete weiter, dass auch die pakistanischen „Anti-Blasphemiegesetze“ weiterhin dazu missbraucht würden, um religiöse Minderheiten zu diskriminieren und zu unterdrücken. „Werden einzelne Christen oder Hindus zu Unrecht der Gotteslästerung bezichtigt, muss oft ein ganzer Ort darunter leiden“, erklärte Shukardin. Ein Beispiel von vielen sei das Dorf Shanti Nagar im Großraum Khanewal, das wegen einer einzigen der Gotteslästerung beschuldigten Person von einem Lynchmob angegriffen und niedergebrannt worden sei.

Beteiligung nahezu verdoppelt, nächster „Red Wednesday“ am 22.11.2023

Der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, Florian Ripka zeigte sich mit der diesjährigen Beteiligung am „Red Wednesday“ sehr zufrieden. „Es freut mich außerordentlich, dass sich trotz Ukraine-Krieg und Energiekrise beinahe doppelt so viele Pfarreien wie letztes Jahr an der Aktion beteiligt haben“, sagte Ripka. „Gerade in schweren Zeiten muss die Weltkirche füreinander beten und sich gegenseitig stärken.“

Der nächste „Red Wednesday“ sei für den 22. November 2023 geplant. „Pfarreien werden aber auch im nächsten Jahr wieder den ganzen November über Gelegenheit für ihre Gottesdienste und Informationsabende haben“, versicherte Ripka. Der „offizielle“ Termin des Red Wednesday sei immer der letzte Mittwoch vor dem ersten Advent. 2023 sei dies gleichzeitig der evangelische „Buß- und Bettag“. Ripka betonte, dies sei „eine gute Möglichkeit, ökumenische Initiativen in den Diensten der Religionsfreiheit anzustoßen“. „Kirche in Not“ werde sich aktiv darum bemühen.

Nähere Informationen zur Aktion „Red Wednesday“ finden sich auf der Webseite www.redwednesday.de.

Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt „Kirche in Not“ unter www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.

Die Studie „Hört ihre Schreie“ über die Entführung, Zwangsverheiratung und Zwangskonversion christlicher Frauen und Mädchen kann kostenlos bestellt werden auf www.kirche-in-not.de/shop. Oder bei:

KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München

Tel.: 089 64 24 88 80
E-Mail: kontakt(at)kirche-in-not.de

 

Titelbild: "Abend der Zeugen" im Regensburger Dom, Foto: Simon Döring

Text: Kirche in Not/mk