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Zur Neuigkeit
Das Gnadenbild von Guadalupe reist nach Ozamiz auf den Philippinen
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 01. Juli 2026
Maria schlägt eine Brücke über den Pazifik von Mexiko nach Manila. Eine Kopie des Bildes von Guadeloupe ist auf einer Pilgerfahrt über die Philippinen und wird am Ende einen Platz in der Kathedrale in Manila finden.
Das Bild Unserer Lieben Frau von Guadalupe befindet sich in Gestalt einer Kopie in diesen Monaten auf einer Reise über die Philippinen. Vom 3. bis 10. Juli 2026 werden sich die philippinischen Bischöfe werden in Ozamiz City zu ihrer 132. Vollversammlung treffen. Die Stadt liegt im Norden der Insel Mindanao und gehört zur Provinz Misamis Occidental. Mindanao ist eine Insel im südlichen Teil des Inselstaates. Die Bischöfe bekommen dort einen besonderen Beistand in Gestalt des Bildes von Guadeloupe.
Die Hirten der Kirche tagen dann sehr sichtbar unter dem Schutz der Gottesmutter. Dem Beraten, Planen und Abwägen, das immer im Mittelpunkt einer Konferenz steht, gibt Maria in diesem Jahr einen besonderen Segen. Guadalupe ist in Ozeanien kein Fremdkörper. Papst Pius XI. erklärte Unsere Liebe Frau von Guadalupe zur himmlischen Patronin der Philippinen. Die Pilgerreise des Bildes von Guadalupe begann am 13. Juni 2026 in der Kathedrale von Manila. Das Bild ist eine Replik der Tilma des heiligen Juan Diego. Es wurde mit dem Originalbild in der Basilika von Guadalupe in Mexiko berührt.
Eine Reliquie zweiter Ordnung
Darum wird die Replik als Reliquie zweiter Ordnung verehrt. Die Nähe zu Guadalupe ist damit nicht bloß symbolisch. Die Philippinen empfangen ein Bild als Geschenk, das mit dem Ursprungsort der Erscheinungen eng verbunden ist. Die Reise wird am 12. Dezember, dem Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe, wieder in Manila enden. Nach seiner Reise soll die Kopie der Tilma Unserer Lieben Frau von Guadalupe dauerhaft in der Kathedrale von Manila in Intramuros ihren Platz finden.
In den Monaten dazwischen besucht das Gnadenbild mehr als 50 Kirchen, Kathedralen und Heiligtümer auf Luzon, in den Visayas und auf Mindanao. So ist die Station in Ozamiz so etwas wie ein geistlicher Kommentar zur Arbeit der Bischöfe. Sie erinnert die Hirten daran, dass ihre Beratungen aus dem Gebet kommen und in das Gebet zurückführen müssen. Ein Hirte, der nicht mehr kniet, kann nicht die Kirche führen. Die Pilgerreise über die Philippinen gehört zur Novena Intercontinental Guadalupana, die auf das Jahr 2031 vorbereitet. Dann jähren sich die Erscheinungen von Guadalupe zum 500. Mal.
Maria wacht über die Bischöfe
Die Vollversammlung der Bischöfe in Ozamiz ist insofern eine logische Station auf der Pilgerreise, als eben auch eine Bischofskonferenz so etwas wie ein Pilgerweg sein sollte. Die Hirten kommen an einem Ort zusammen und schauen gemeinsam auf die Lage der Kirche. Dazu gehört immer, ihr Wirken im Gebet vor Gott zu tragen. Für die Bischöfe stehen Fragen der Seelsorge, der Bildung, der Armut und der Politik im Fokus. Auch Liturgie, Familie und Mission haben die Hirten im Blick. Solche Treffen können sehr nüchtern sein, leben sie doch in erster Linie von Tagesordnungen, Beschlüssen und verabschiedeten Texten. Die Anwesenheit der Muttergottes von Guadalupe erinnert allerdings daran, dass der Dienst der Kirche nicht zuerst ein Dienst der Verwaltung ist.
Die Kirche ist das pilgernde Gottesvolk, eine Gemeinschaft, die von Gott geführt wird und deren innerster Kern die Sakramente sind. Von Guadalupe geht eine Botschaft aus, die auch an Bischöfe adressiert ist. Maria erschien 1531 am Tepeyac nicht den Mächtigen der Zeit, sondern Juan Diego, einem einfachen Jungen aus dem Volk der dortigen Indios. „Fürchte dich nicht, bin ich nicht hier, ich, die deine Mutter bin?“, so kann man übersetzen, was Maria dem Jungen sagte. Sie sprach seine Sprache, sie nahm seine Welt ernst und sie gab ihm eine Sendung. Der junge Mann sollte zu seinem Bischof gehen.
Die Stimme der Kleinen hören
Das ist bis keinesfalls eine Umkehrung kirchlicher Perspektiven. Schon der Heilige Benedikt wusste, dass es Gott oft gefällt durch den kleinsten und jüngsten Bruder zu reden. Nicht nur die Hirten reden zu den Gläubigen. Manchmal sendet Gott einen Armen, einen Kleinen, einen Übersehenen zu den Hirten der Kirche, damit sie Gottes Stimme hören. Wenn die philippinischen Bischöfe in Ozamiz unter dem Blick des Gnadenbildes von Guadalupe tagen, erinnert dies daran, auch auf den Philippinen die Stimme der Kleinen und der Armen zu hören.
Die Inselrepublik ist traditionell sehr katholisch geprägt. Papst Johannes Paul II. feierte 1995 auf den Philippinen mit fast fünf Millionen Teilnehmern die Heilige Messe. Es war die teilnehmerstärkste Papstmesse in der Geschichte der Kirche. Das Volk lebt marianisch, liturgisch lebendig und volksfromm. Zugleich steht ein großer Teil der Bevölkerung unter wirtschaftlichem Druck. Migration, zerrissene Familien, Naturkatastrophen und politischer Unruhe bedrohen Land und Volk. Millionen Filipinos kennen die Erfahrung, dass der Glauben Halt in unsicheren Zeiten spendet.
Mutter im Ernstfall
Viele Familien leben über Kontinente verstreut, weil Mütter, Väter oder Kinder im Ausland arbeiten. Andere kämpfen nach Taifunen, Überschwemmungen oder Erdbeben um den Wiederaufbau. In solchen Lebenslagen ist Maria nicht eine kitschige religiöse Verzierung, sondern die Mutter im Ernstfall des Lebens beisteht. Das Wort der Gottesmutter an Juan Diego ist auch für Filipinos keine sentimentale Beruhigung. Das Bild zieht nicht durch das Land, um eine schöne Tradition zu pflegen. Es erinnert die Menschen daran, dass Gott seine Kirche nicht von oben herab ansieht, sondern sich ihr in Maria auch mütterlich nähert. So verweist Maria auf Christus und führt die Menschen zu ihm.
Diese neu geknüpfte Verbindung zwischen Mexiko und den Philippinen macht die Weltkirche sichtbar. Guadalupe ist ein mexikanisches Heiligtum, aber die Botschaft überschreitet schon lange nationale Grenzen. Mexiko und die Philippinen teilen sich die Geschichte spanischer Mission. Die Länder kennen koloniale Brüche. Sie kennen aber auch tiefe Volksfrömmigkeit und marianische Identität. Das Christentum wurde von den Völkern willkommen geheißen als ein Zeichen des Heils und der Befreiung. Die Kirche lebt, wo der Glaube die Herzen der Menschen erreicht hat, von einem Glauben, der berührt. Die oft geschmähte Volksfrömmigkeit ist darum kein minderwertiger Teil einer voraufgeklärten Religiosität. Sie ist der Ort, an dem das Volk Gottes die Nähe zu Gott am tiefsten erfährt.
Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock




