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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Der Hochaltar in Neualbenreuth
Ein Altar nach böhmischer Art
Neualbenreuth, 30. Juni 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag führt uns der Kunsthistoriker zu einem imposanten Hochaltar an der Grenze zu Böhmen.
Neualbenreuth liegt unmittelbar an der Grenze zu Tschechien, gute zehn Kilometer südöstlich von Eger (Cheb); der Nachbarort Altalbenreuth (Mýtina) liegt bereits jenseits der Grenze.
Die barocke Pfarrkirche St. Laurentius steht auf einer leichten Anhöhe über dem Marktplatz, der sein charakteristisches Aussehen durch einige Egerländer Fachwerkhäuser erhält. Das Innere der Kirche zeigt sich als weiter, spätbarocker Raum, und auch hier ist die Stadt Eger präsent: Denn über dem Chorbogen erscheinen die Jahreszahl 1733 und das Wappen der Stadt, ein Hinweis auf die engen historischen Verbindungen; sicherlich hat die Stadt den Bau der bestehenden Kirche mitfinanziert.
Imposant ist der Hochaltar, der mit seinem Aufbau die ganze Altarwand bis zum Gewölbe ausfüllt. Nähert man sich jedoch dem Altar, merkt man bald, dass ihm die Räumlichkeit fehlt: Der Altartisch mit Tabernakel steht zwar frei im Altarraum, aber alles, was darüber an Architektur erscheint, ist nur illusionistisch an die Wand gemalt; das einzige Plastische sind die Rahmen der Altarbilder, die als Leinwandgemälde an die Wand gehängt sind.

Meisterliche gestalterische Ausführung
Gemalte Retabel, also Altaraufbauten, finden sich im 18. Jahrhundert mancherorts; Beispiele aus dem Bistum Regensburg sind Gebelkofen in der Pfarrei Wolkering (Dekanat Donaustauf-Schierling) und Lengfeld in der Pfarrei Teugn (Dekanat Kelheim); auch die ehemalige Klosterkirche von Reute im Oberschwaben weist ein entsprechendes Hochaltarretabel auf. In Deutschland sind sie aber allgemein selten. In Böhmen finden sie sich jedoch öfters, z. B. in der Stadtpfarrkirche in Taus (Domažlice), der Jesuitenkirche in Leitmeritz (Litoměřice), der Wallfahrtskirche in Klösterle an der Eger (Klášterec nad Ohří), der Laurentiuskirche in Habakladrau (Ovesné Kladruby), der Katharinenkirche in Liebenstein (Líba) und der Stadtpfarrkirche vom Theußing (Toužim)
Kostenersparnis könnte ein Grund für gemalte Altaraufbauten gewesen sein: Ein steinerner oder aus Stuckmarmor gefertigter Aufbau hätte ein Vielfaches gekostet, und auch ein aus Holz gezimmertes Retabel wäre noch teurer gewesen. Vielleicht waren sie auch als Provisorium gedacht, um die Zeit zu überbrücken, bis ein plastisch ausgearbeiteter Aufbau sie ersetzt hätte.
Die Gestaltung ist jedoch oftmals so aufwendig, die Ausführung so meisterlich, dass man nicht an ein Provisorium denken möchte. Es ist daher auch denkbar, dass man gerade am Illusionismus Gefallen fand und an der malerischen Raffinesse, den ein gemalter Altaraufbau erfordert. Vielleicht kamen sie dem böhmischen Barock entgegen, der für seine bewegte, stark plastische Baukunst bekannt ist; die Altararchitektur konnte demgegenüber etwas zurücktreten und in einigen Fällen auch ganz in der Fläche bleiben.
Was auch immer der Grund war für den gemalten Hochaltar in Neualbenreuth: Er dürfte ein Zeugnis sein für die jahrhundertelang sehr enge Verflochtenheit Neualbenreuths mit der tschechischen Stadt Eger.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Kunstsammlungen im Bistum Regensburg
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