News Bild Dag Hammarskjöld: Der UN-Generalsekretär setzte sein Leben für eine gerechtere Welt ein.

Dag Hammarskjöld: Der UN-Generalsekretär setzte sein Leben für eine gerechtere Welt ein.

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In Hammarskjölds Familie scheint der Dienst für die Öffentlichkeit eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein. Dags Vater war schwedischer Premierminister, sein Bruder Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Auch Dag Hammarskjöld strebte früh eine Position im Dienst für die Öffentlichkeit an: Die Schulzeit bestand er blendend, anschließend studierte er Philosophie, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Studium folgten erste Stellen, beispielsweise als Sekretär der Arbeitslosenkommission oder als Staatssekretär im Finanzministerium Schwedens. Später wurde er Vorsitzender der Reichsbank in Schweden und Diplomat. Der Höhepunkt der Karriere folgte 1953, als Hammarskjöld zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wurde.

Als Generalsekretär konnte er auch seine Kritiker überzeugen. 1957 wurde er einstimmig für eine zweite Amtszeit bestätigt. In China konnte er US-amerikanische Kriegsgefangene durch sein Verhandlungsgeschick befreien. Er vermittelte in der Suez-Krise. Beim Aufstand in Ungarn 1956 sorgte er für Frieden.

 

Ungeklärter Flugzeugabsturz

1961 war der Generalsekretär auf dem Weg in den Kongo. Es war sein letzter Weg, denn an der Grenze der Demokratischen Republik Kongo stürzte das Flugzeug ab – bis heute konnte nicht geklärt werden, ob der Flieger bewusst abgeschossen wurde oder ob schlicht ein Flugfehler der Piloten für den Absturz verantwortlich war.

 

Spirituelles Tagebuch

Nach Hammarskjölds Tod tauchte ein Tagebuch des Politikers auf, das als „spirituelles Tagebuch“ bezeichnet wird. Dag Hammarskjöld reflektierte dort weniger tagesaktuelle Erlebnisse. Er dachte vielmehr immer wieder über die Bedeutung seines Lebens nach. Die Entscheidung, dieses Tagebuch zu veröffentlichen, legte Hammarskjöld mit einer Verfügung in die Hände eines Freundes, der es tatsächlich auch der Öffentlichkeit zugänglich machte. In diesem Tagebuch finden sich sehr einprägsame Formulierungen, die heute vielen bekannt sind, so etwa Gedanken an der Schwelle zwischen dem alten und dem neuen Jahr: „Dem Vergangenen: Dank, dem Kommenden: Ja“.

 

Leben in der Gegenwart Gottes

Zugleich finden sich in diesem Tagebuch geistliche Gedichte, ausgewählte Bibelstellen und verschiedene Gedanken. Sie zeigen einen Mann, der sein eigenes Leben ständig in der Gegenwart Gottes reflektierte – bisweilen sind das nicht nur aufbauende, sondern auch etwas dunkel anmutende Passagen. Immer wieder scheint Dag Hammarskjöld von der Frage nach dem Wert seines Lebens getrieben zu sein. So schrieb er etwa: „Das Leben hat Wert nur durch den Inhalt – für andere. Mein Leben ohne Wert für andere ist schlimmer als Tod.“

Sicherlich darf man diese Worte nicht als eine Relativierung der menschlichen Würde lesen, die jedem Menschen unabhängig von seinen Fähigkeiten oder Leistungen zusteht. Vielmehr scheint hier das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium reflektiert zu sein: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Johannes 15,13)

 

Leben als Opfer

Hammarskjöld verstand sein Leben als Opfer, als eine Gabe, die er zugunsten anderer einsetzen konnte und auch einzusetzen hatte. Dabei scheint er sich ständig darüber im Klaren gewesen zu sein, dass er selbst diese Gabe von Gott empfangen hatte. „Ich bin das Gefäß – Gott ist das Getränk“, schrieb er etwa in sein Tagebuch.

 

An der Seite der Menschen

Der evangelische Christ Hammarskjöld hat sein Leben für eine gerechtere Welt eingesetzt. Er hat damit seiner tiefen christlichen Überzeugung Ausdruck verliehen, dass das Leid anderer einem Christen niemals gleichgültig sein kann. Die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils drückten diesen Gedanken in ihrer Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ (GS) über die Kirche in der Welt von heute so aus: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, insbesondere der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihrem Herzen seinen Widerhall fände.“ (GS 1)

Diese Worte sind eine Aufforderung an alle Christen, an der Seite ihrer Mitmenschen zu stehen – in der Freude, aber gerade auch im Leid. Und es ist die Aufforderung dazu, für gerechtere Strukturen einzustehen, die Leid verhindern können. Dag Hammarskjöld hat das getan – aus seiner christlichen Einstellung heraus.