News Bild Caritas-Haus St. Rita – ein Zuhause für Frauen in sozialen Notlagen

Caritas-Haus St. Rita – ein Zuhause für Frauen in sozialen Notlagen

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(pdr) „Man kann sich gar nicht vorstellen, was alles zu organisieren ist, wenn das Leben irgendwann einmal völlig aus den Fugen geraten ist.“ Das sagt Karin Haubenschild über ihre tägliche Arbeit. Sie ist Leiterin des Hauses St. Rita, einer stationären Caritas-Einrichtung für volljährige Frauen, deren besondere Lebensverhältnisse zu sozialen Schwierigkeiten und zur Wohnungslosigkeit geführt haben. Hier werden Frauen Unterkunft, Beratung und sozialpädagogische Hilfe geboten. Die Bewohnerinnen von St. Rita sollen durch die tägliche Begleitung gestärkt und wieder zu einem selbstbestimmten Leben befähigt werden.

1948 wurde die Einrichtung in Trägerschaft des Caritasverbandes im Bistum Regensburg als Anlaufstelle für Flüchtlingsmädchen eröffnet, die hier eine Unterkunft und erste Hilfe bekamen. Seit 1965 ist St. Rita an seinem heutigen Standort, in einem Gebäude in der Regensburger Bahnhofstraße, untergebracht. Heute können bis zu sechs Bewohnerinnen – auch mit Kindern – aufgenommen und dank der Unterstützung ehrenamtlicher Helferinnen rund um die Uhr betreut werden. So soll sichergestellt werden, dass stets ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht. „Die Altersspanne unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen reicht von Studentinnen bis zu Rentnerinnen. Das bringt eine schöne Vielfalt und zahlreiche unterschiedliche Lebenserfahrungen und –einstellungen ins Haus“, sagt Karin Haubenschild, die seit 25 Jahren in dem Caritas-Haus arbeitet.

Die Frauen, die Zuflucht in St. Rita suchen, befinden sich in den unterschiedlichsten Krisensituationen. Sie haben keine oder eine lediglich unzureichende Unterkunft, da sie zum Beispiel gerade aus der Haft entlassen oder deren Wohnung zwangsgeräumt wurde. „Auf Grund von Antriebsschwäche und Depressionen schaffen es die Frauen nicht mehr, ihren Alltag zu regeln, Ordnung im Leben zu schaffen und verlieren dann die Wohnung“, erklärt die Einrichtungsleiterin. Meist spielten psychische und häufig auch Suchtprobleme eine Rolle. Das familiäre und soziale Umfeld sei zudem instabil.

In einer geschützten Umgebung geht es in erster Linie darum, zunächst das Materielle und Existentielle zu regeln: den Personalausweis und die Krankenversicherung zu beantragen, Formulare für das Jobcenter oder die Rente auszufüllen, Kleidung zu organisieren. Darüber hinaus werden durch verschiedene Maßnahmen lebenspraktischer Hilfe, der Umgang mit Behörden oder die Befähigung zur sozialen Teilhabe vermittelt. Dies geschieht in Einzelgesprächen oder auch Gruppenangeboten. Dazu gehört zum Beispiel das Haushaltsorganisationstraining oder je nach Jahreszeit das Ostereierbemalen. „Ich wundere mich immer wieder aufs Neue darüber, dass unsere Frauen gängige Bräuche, wie Ostereierbemalen oder Plätzchenbacken, nicht kennen beziehungsweise noch nie gemacht haben. Uns ist es wichtig, den Frauen nicht nur bei der Strukturierung des Alltags zu helfen, sondern ihnen auch die Feste und Rituale nahe zu bringen, die es im Laufe des Jahres gibt und die zum gesellschaftlichen Leben dazugehören. Häufig haben sie so viele Probleme, dass sie erst wieder lernen müssen, wie man sich in die Gesellschaft eingliedert“, so Karin Haubenschild.

Selten kommen Betroffene von sich aus in die Caritas-Einrichtung. In der Regel wird ihnen über Sozialdienste ein Wohnplatz in St. Rita vermittelt. „Die meisten Frauen kommen zunächst nicht gerne hierher. Denn sie kommen mit dem Gefühl, versagt zu haben und deshalb in unsere Einrichtung zu müssen. Außerdem wissen sie, dass nach uns nichts mehr kommt. Nach uns gibt es nur noch die Straße. Doch nach ein paar Anlaufschwierigkeiten fühlen sich die meisten dann doch wohl.“
So zum Beispiel auch die 23-jährige Kathrin S. Sie wohnt gemeinsam mit ihrer dreijährigen Tochter seit rund sechs Monaten in der Einrichtung. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Lebensgefährten wusste sie einfach nicht, wohin sie gehen sollten. Zu ihrer Familie hat sie keinen Kontakt mehr und so hat das Jugendamt für Kathrin und Angelique ein Zimmer in St. Rita organisiert. „Am Anfang wollte ich gar nicht hier sein. Aber mittlerweile ist es zu einem Zuhause geworden. Die Betreuerinnen und die Mitbewohnerinnen sind nett. Die Atmosphäre ist toll“, erzählt Kathrin. „Ich bekomme hier unheimlich viel Unterstützung. Bei Amtsgängen oder auch im Umgang mit meiner Tochter.“

In Frauenhäusern werden Frauen aufgenommen, deren Leib und Leben physische Gewalt bedroht. Aus solchen werden die Betroffenen häufig nach St. Rita vermittelt. Auf Christine G. traf diese konkrete Bedrohung nicht zu. Sie wurde vor allem psychisch von ihrem Lebensgefährten unter Druck gesetzt. So hat das Regensburger Frauenhaus sie an St. Rita verwiesen. Hier lebt die 50-Jährige seit nunmehr einem halben Jahr. „Ich bin hier zur Ruhe gekommen und kann jetzt wieder nach vorne schauen. Eigentlich will ich hier gar nicht mehr weg“, sagt Christine.

Im Durchschnitt bleiben die Bewohnerinnen sechs bis zwölf Monate, maximal bis zu zwei Jahren in St. Rita. Die Mitarbeiterinnen bemühen sich, den Frauen in dieser Zeit Mittel und Wege aufzuzeigen, ein eigenständiges uns selbstständiges Leben führen zu können. Karin Haubenschild sagt: „Die wenigsten Frauen verlassen uns problemfrei. Aber meistens gehen sie mit einem gestärkten Selbstwertgefühl und mit der Fähigkeit, in Zukunft mit ihren Problemen umgehen zu können.“

Das Haus ist nach der heiligen Rita von Cascia, einer italienischen Nonne aus dem 14. Jahrhundert, benannt. Sie ist die Patronin der in aussichtslose Nöten Geratenen. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in Oberpfalz und Niederbayern, doch die Frauen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Kürzlich durfte sich die Caritaseinrichtung über eine Spende in Höhe von 8000 Euro freuen. Die Kollekte der feierlichen Bischofsweihe und der Eucharistiefeier zum Ende des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. ging auf Wunsch von Bischof Rudolf Voderholzer zu Gunsten von St. Rita. Er selbst stockte den Beitrag aus privaten Mitteln noch deutlich auf, so ergab sich die Summe von 8000 Euro.