Caritas-Präsidentin kritisiert Bundesregierung

„Sparkurs in der Pflege ist falsch“


Berlin / Regensburg, 16. Juni 2026

Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa hat die Bundesregierung davor gewarnt, die Pflegekrise allein mit Sparvorgaben lösen zu wollen. Anlass war ein Interview nach einer Reise einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nach Armenien.

„Wer das Thema Pflege nur mit immer neuen Sparvorgaben lösen will, der ist in Armenien genauso wie in Deutschland auf der völlig falschen Spur“, sagte Welskop-Deffaa. Auf der Reise hatte sie einen ambulanten Pflegedienst bei Hausbesuchen begleitet und dabei Parallelen zur Lage in Deutschland gezogen. Hintergrund ihrer Kritik ist der Reformentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für die Pflegeversicherung. Er sieht unter anderem höhere Hürden für die Einstufung in einen Pflegegrad vor sowie eine langsamere Steigerung der Zuschüsse zu Pflegeheimkosten. 

Geplant sind außerdem höhere Beiträge für Kinderlose und der Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner ohne nennenswertes eigenes Einkommen. Dazu die Caritas-Präsidentin: „Der demografische Wandel mit mehr alten und weniger jungen Menschen ist nicht nur in Deutschland spürbar, es ist ein Phänomen, das viele Staaten betrifft. Überall braucht es darauf tragfähige, neue Antworten. Auch hier in Armenien habe ich gesehen, dass in der Pflege genügend finanzielle Spielräume da sein müssen, um pflegerisches Engagement auch bezahlen zu können.“

Besondere Kritik äußerte die Caritas-Chefin an dem Vorhaben, Eigenanteile in Pflegeheimen erst nach 18 statt bisher nach zwölf Monaten zu senken. „Das würde zwar der Pflegeversicherung kurzfristig Kosten ersparen, dauerhaft aber das Stufenmodell der Entlastung diskreditieren, das schon heute vielen als ungenügend gilt.“ Außerdem warnte sie vor Fehlanreizen durch die geplante Neuregelung. Durch sie würde der Anreiz wachsen, Vermögen vor Eintritt des Pflegefalls an Kinder und Enkel zu verschenken. „Die Loyalität der Versicherten mit ihrer solidarischen Pflegeversicherung darf durch Anreizeffekte dieser Art nicht aufs Spiel gesetzt werden“, mahnte sie.

Ebenso wandte sich Welskop-Deffaa gegen Einschnitte bei pflegenden Angehörigen. „Bei der Reform der Pflegeversicherung darf es auf keinen Fall zu Verschlechterungen bei der beitragsfreien Familienmitversicherung, der nach Kinderzahl gestaffelten Beitragshöhe und der Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige kommen“, forderte sie.

Text: CNA Deutsch

(sig)



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