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Zur Neuigkeit
Caritas: Karin Haubenschild geht in den Ruhestand
„Ich bin nicht die Freundin“
Regensburg, 22. April 2026
Karin Haubenschild arbeitete mehr als vierzig Jahre mit wohnungslosen Frauen bei der Caritas. Nun geht sie in den Ruhestand. Ein Porträt zum Abschied.
„Ich bin robust und pragmatisch, auch deswegen habe ich diese Arbeit mehr als vierzig Jahre gemacht“, sagt die Sozialpädagogin Karin Haubenschild (65). „Und ich bin den Menschen zugewandt.“ Zum 1. Mai geht Karin Haubenschild in den Ruhestand. Bei ihrem Abschiedsfest Mitte April trägt sie ein knielanges Kleid, mit Wellenmuster in Blau, Lila, Gelb und Türkis, dazu Ohrringe in Orange und ein Schultertuch in Grün – ein Outfit so bunt wie ihr Berufsleben.
42 Jahre hat die Sozialpädagogin bei der Caritas Regensburg gearbeitet, seit 1987 leitete sie das Haus St. Rita, eine Einrichtung für wohnungslose oder aus der Haft entlassene Frauen. St. Rita zog vor einem Jahr ins Caritas Marienheim, ein Leuchtturmprojekt in der Wohnungslosenhilfe. „Es gibt so viele spannende Leben. Die Frauen, die in St. Rita wohnen, lassen mich daran teilnehmen. Das macht unglaublich viel Freude.“
Das Bunte im Leben gab es bei ihr von Beginn an. Sie wuchs in Neutraubling auf, damals eine Vertriebenengemeinde, die Großeltern kamen aus dem Egerland. „Ich war zwölf Jahre alt und in der Realschule, als ich den ersten Bayer kennenlernte“, sagt Karin Haubenschild. „Aber niemand wurde ausgegrenzt, wir waren alle gleich fremd.“
„Das Soziale verband ich immer mit Freiheit“
Ihre Eltern hatten ein Geschäft, waren bei allen bekannt. „Ich aber trug bunte Kleider, Hemden und Cappies. So bunt, dass meine Eltern irgendwann sagten: ‚Was sollen nur die Leute denken?‘“ Ihr war herzlich egal, was sie wohl dachten. Auch deswegen übernahm sie nach der Schule nicht das Geschäft ihrer Eltern, sondern lernte auf der Fachoberschule weiter und studierte später in Landshut Soziale Arbeit. „Das Soziale verband ich immer mit Freiheit.“
Damals, in den 1970er-Jahren, steckte die Pädagogik noch in den Kinderschuhen. „Wir wollten die Welt verändern“, sagt Karin Haubenschild. Es war die Zeit dafür. Studentinnen demonstrierten in Wackersdorf und bildeten Menschenketten als Zeichen für den Frieden. „Auch in der Sozialpädagogik waren wir von unserer Wirksamkeit überzeugt. Unsere Haltung war: Wenn wir nur genug anbieten, ausreichend Chancen eröffnen, wird alles gut.“
Haubenschild legte ihren Schwerpunkt früh auf den Bereich der Resozialisierung. Es ging ihr um soziale Gerechtigkeit. Die Erfolgschancen schienen hoch. „Heute wissen wir, dass Resozialisierung komplexer ist.“ Man gehe von vielen verschiedenen, ineinander verwobenen Faktoren aus.
Wohnungslose Frauen finden Halt und Stabilität
Die Frauen, die heute in St. Rita leben, seien psychisch deutlich instabiler als beispielsweise jene Frauen, die in den 1980er-Jahren dort lebten. Die Problemlagen seien vielschichtiger, die Frauen weniger greifbar, weniger sozialverträglich. Und doch finden die Frauen, mit all ihren Problemen, in St. Rita Halt und gewinnen an Stabilität.
„Die Frauen finden bei uns eine Haltung vor, die sie von draußen nicht kennen: ‚Du bist wer! Du bist etwas wert!‘“, sagt Haubenschild. „So begegnen wir hier allen Klientinnen. Und trotzdem bin ich nicht die gute Freundin – sondern die Leiterin dieser Einrichtung.“ Regeln sind für eine Gemeinschaft wichtig. An die muss sich jede halten.
Karin Haubenschild erinnert sich an eine ihrer ersten Klientinnen: Ronja (Name geändert), eine Transfrau. Sie kam 1989, als noch niemand von Transgender sprach. Der Bürgermeister hatte bei ihr angerufen und gesagt: ‚Hier sitzt eine Mutter. Ihr Sohn ist jetzt eine Frau und der Vater lässt sie nicht mehr rein.‘ Also zog sie in St. Rita ein.
„Nicht spießig, nicht rollenkonform“
Sie hatte sich operieren lassen und trug elegante Frauenkleider, wie eine Queen! „Wenn ich schimpfte, weil sie die Küche nicht ordentlich sauber gemacht hatte, entgegnete sie: ‚Ich bin wie ich bin! Ich habe gelernt, mich zu akzeptieren.‘“ Ronja lebt heute ein eigenständiges Leben. Sie kommt aber immer noch zu Karin Haubenschild, wenn sie Probleme hat und reden möchte.
Die Sozialpädagogin hat selbst viel von den Frauen gelernt, die sie begleitet hat. „Ich bin gelassener geworden und dankbar für das Leben, das ich führe.“ Und sie hat gelernt, mit wie vielen Problemen Menschen leben können. Und dass nicht jeder einen konventionellen Lebensentwurf haben muss. Haubenschild: „Meine Frauen sind super. Ich bin innerlich nicht nur mit mir großzügig, sondern auch mit ihnen. Sie sind nicht spießig, nicht rollenkonform – und wahnsinnige Stehaufmännchen.“
Text: Sonja Och
(sig)




