Frau beim Bleigießen in weihnachtlichem Wohnzimmer

Brauchtum in Ostbayern: Silvesterbräuche in Altbayern

Peitschenknall und Pantoffelwerfen


Regensburg, 30. Dezember 2025

Er ist der Namensgeber für diesen besonderen Tag: Papst Silvester. Silvester starb am 31. Dezember 335 in Rom und wäre wohl heute einer von vielen Heiligen, deren Gedenktag in Vergessenheit geraten ist – wenn sein Namenstag nicht auf den letzten Tag des Jahres fallen würde.

An keinem Tag ist die Neugier auf die Zukunft so groß wie an diesem kalendarischen Jahresschluss. Schon immer wurde am 31. Dezember fröhlich und ausgelassen gefeiert, im Gegensatz zum stillen, besinnlichen Weihnachtsfest. Und noch heute besuchen Christen am Abend den Jahresschlussgottesdienst, danach wird im Familien- oder Freundeskreis gefeiert, bis um Mitternacht mit Feuerwerk und Böllern das neue Jahr beginnt.

Schüsse und Peitschenknall

Nicht wie heutzutage mit Böllern und Raketen, sondern mit Schüssen aus Jagdgewehren und Pistolen wurde einst um Mitternacht das neue Jahr „eingeschossen“. Nach altem Glauben zählte die Silvesternacht zu den gefährlichen Raunächten. Durch Schießen, Peitschenknall und viel Lärm sollten die bösen Geister vertrieben werden, die in dieser Nacht ihr Unwesen treiben. Wie am Heiligen Abend und am Dreikönigstag wurden auch in der letzten Nacht des Jahres Haus, Stall und Scheune ausgeräuchert. Auch das sollte die bösen Geister fernhalten. Nach dem Kirchgang am frühen Abend saßen dann alle um den Tisch, und bei einer Flasche Schnaps wurde Jahresrückblick gehalten. Doch je näher es auf Mitternacht zu ging, umso schauriger wurden die Geschichten von Raunachtsgeistern, vor denen man sich in dieser Nacht in Acht nehmen musste.

Wachsgießen und Pantoffelwerfen

Wie die Andreas- und die Thomasnacht war auch die Silvesternacht eine wichtige Orakelnacht – die einzige, in der noch heute „in die Zukunft geschaut“ wird. Doch von den alten Orakelbräuchen ist nur das Bleigießen übrig geblieben. Früher wurde anstatt Blei allerdings Kerzenwachs verwendet, das geschmolzen und danach in kaltes Wasser geschüttet wurde. Aus der Form, die dabei entstand, versuchte man dann – mit viel Fantasie – sein Schicksal im nächsten Jahr zu deuten. Vor allem die jungen Mädchen freuten sich, wenn sie einen Ring oder ein Kränzchen aus der Schüssel fischten, denn dann stand eine baldige Hochzeit ins Haus. Runde Scheiben sollten Geldsegen bringen, Blumen oder Sterne bedeuteten ebenfalls Glück im neuen Jahr. Als böses Omen galten dagegen Kreuze oder ein zerbrochener Ring. Beliebt bei den heiratswilligen Mädchen war auch das mitternächtliche Pantoffelwerfen. Wie in der Thomas- und Andreasnacht warf man einen Schuh über die Schulter. Dabei wurde der Spruch aufgesagt: „Schaut die Pantoffelspitz zur Tür, na geht’s bald fort von hier; liegt aber ganz vorn der Absatz, na geht ma vorbei mei Schatz“. In anderen Gegenden versuchte man durch das Werfen von Apfelschalen oder Geldstücken etwas über den Zukünftigen zu erfahren. 

Silvester hell und klar

Auch auf das Wetter wurde an Silvester genau geachtet, denn es sollte Aufschluss über das Wetter im nächsten Jahr geben. So deutete Wind von Osten auf ein gutes Obstjahr hin, Wind von Westen bedeutete viel Milch, Nordwind dagegen viel Sturm und Kälte. Zahlreiche Wetterregeln beschäftigen sich mit dem letzten Tag des Jahres: „Wind in St. Silvesters Nacht, hat nie Wein und Korn gebracht“ oder „Silvester Wind und warme Sunnen wirft jede Hoffnung in den Brunnen“ und nicht zuletzt „Silvester hell und klar, glückauf zum neuen Jahr“.


Text: Judith Kumpfmüller

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